Lords Of The Boards

B-Sports statt Kinderkram

ein Spiele-Artikel von Riemi - 03.02.2008
Frank Riemenschneider von Frank Riemenschneider
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Ach, was waren das für - komische - Zeiten, als Zigaretten noch zum guten Ton gehörten und man sie wie selbstverständlich im heimischen Wohnzimmer seinen Gästen zu Bier und Spielen anbot. Aber noch viel früher müssen die Erwachsenen entschieden haben: Spiele sind nicht ernst zu nehmen und deswegen Kinderkram. Ein Makel, der bis in unsere Zeit dem Spielen anhaftet.

Als die die ersten Computerspiele entstanden, änderte sich das Bild. Computer und alles was dazu gehört, war und ist irgendwie anders. Erst wurde diese Entwicklung kritisch beäugt und sorgte für Besorgnis. Mittlerweile hat sich diese Szene verselbständigt. E-Sports ist das Zauberwort, das die Computerspieler zu Helden der jungen Gesellschaft werden lässt. Und die Gesellschaftsbrettspielspieler? Obwohl in Deutschland allein - ganz vorsichtig geschätzt - zehntausend Menschen Brettspiele zu ihrer Passion gemacht haben und in Spielekreisen organisiert sind, obwohl das Segment der Gesellschaftsspiele über 400 Millionen Euro Umsatz verzeichnet, führt die Branche immer noch ein Nischendasein. Während die Teams im E-Sport mit dem Spielen von PC-Games Geld verdienen, müssen die Brettspieler, die an Turnieren teilnehmen, noch selber Geld investieren und bekommen nicht selten Sachpreise, die der Veranstalter aus seiner Spielesammlung aussortiert hat. Wie kann das sein, dass beide Gruppen spielen und unterschiedlich wahrgenommen werden? Geld verdienen ist nicht alles, aber es gibt eine Europameisterschaft im Brettspiel, die keine Sau interessiert. Die Deutsche Meisterschaft im Mannschaftsbrettspiel findet höchstens auf Lokalebene ein wenig Interesse. Die Siedler-Weltmeisterschaft während der Spiel in Essen lockt keinen Journalisten so richtig hinter dem Ofen hervor. Ein Guiness-Weltrekord im Dauerspielen von Caracassonne hat auch nicht so viel mehr  Medieninteresse erregt. Dabei machen diese Turnierspieler nichts anderes als ihre Kollegen beim E-Sports: stundenlang sitzen und konzentriert spielen!

Anscheinend muss in unserer Welt mit dem, was wir tun, ein Sport verbunden sein. Ähnlich wie beim Schachsport. Deswegen mache ich ab sofort nur noch B-Sports! Boardgame-Sport klingt doch schon so richtig verwegen und die langhaarigen Spielertypen in ihren nicht mehr ganz so schwarzen T-Shirts sind auf einmal hip und cool. Wenn dann zum Beispiel die „B-Sports Catan-Liga“ auf Pro-Tour geht, hat das doch schon einen ganz anderen Stellenwert als ein „Siedler von Catan Ranglistenturnier“. Die „German B-Sports Open“ wären dann nicht mehr nur eine schnöde „Brettspielmeisterschaft“. Gar nicht mehr erst den Verdacht aufkommen lassen, Spieler seien Sonderlinge und spielen nicht das, womit sich Erwachsene und heranwachsende Menschen beschäftigen sollten. Einfach mal zusammen - Branche und Aktivisten - auf den Putz hauen – denn: „We Are The Lords Of The Boards!“