Nachlese: Nürnberger Spielwarenmesse 2012

Spielzeug wird interaktiv(er)

ein spielerischer Artikel von Michael Weber - 08.02.2012
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Lesezeit: ca. 4 Minuten

Die Internationale Spielwarenmesse ist eine Ausstellung der Superlative. Als eine der größten deutschen Messen zog sie vom 01. bis 06. Februar 2012 rund 80.000 Fachbesucher aus 120 Ländern in die Messehallen nach Nürnberg. Diese hatten viel zu sehen: Rund 1.000.000 Produkte aus den Bereichen Spielwaren, Spiele und Holzwaren wurden von über 2.770 Ausstellern gezeigt. Darunter befanden sich immerhin etwa 70.000 echte Neuheiten. Auf die Gesellschaftsspiele fiel davon nur ein Bruchteil, obwohl dieses Segment Motor für die Spielwaren ist. Neben einigen – wenn auch vorhandenen – von der Messe aufgepfropften Trends wie Toys Go Green (Teil 2) und Toys for Teens zeigte sich neben einer Vielzahl von Lizenzprodukten die Verschmelzung von neuen Medien und klassischem Spielzeug in einem deutlichen Vorwärtsgang.

Der Spielwarenbranche geht es gut. Segment übergreifend verzeichnete Spielzeug aller Art in 2011 nach Daten von Euro Toys ein Umsatzplus von ca. sieben Prozent. Umso erstaunlicher ist, dass der Handel unter anderem bei den Jugendlichen einen großen Nachholbedarf sieht. Die Messe und Marktforschungsunternehmen sehen hier für den Handel eine große Chance, den Umsatz zu steigern. Daher stand die Messe unter dem Motto Toys For Teens. Zielgruppe für diese Handelskampagne sind die 12- bis 17-Jährigen. Diese treffen sich gerne, um lange miteinander spielerisch zu wetteifern oder mit einem angesagten Lizenzthema Spieleabende zu verbringen. Bisher gab es aber kaum Produkte speziell für diese Zielgruppe. Das gilt auch im Spielebereich: Neben Kinderspielen gibt es Familienspiele und Seniorenspiele sowie Spiele, die sich altersübergreifend an erfahrene oder weniger erfahrene Spieler richten. Echte Jugendprodukte, die ganz gezielt (nur) diese Altersgruppe im Blick haben, sind Mangelware. Erreichen wollen die Spielwarenhersteller die Jugendlichen vorrangig mit Lizenzprodukten zu Klassikern wie Star Wars, japanische Zeichentrickserien oder auch aktuelle Kinofilme. Über den Einstige eines Lizenzprodukts sollen die Teens stärker zum Spielen und für andere Spielwaren begeistert werden.

Auch das Motto Toys Go Green von der Spielwarenmesse 2011 ist weiter ein Trend. Hersteller werden angehalten, Spielzeug nach ökologischen Aspekten zu fertigen und die Umwelt zu schonen. Zugleich sind solche Spielwaren weniger schädlich für Kinder und Erwachsene. Im Bereich der Gesellschaftsspiele hat unter anderem Amigo Spiele diesen Trend aufgegriffen und eine Öko-Reihe eingerichtet. Andere Verlage setzen hier ebenfalls Schwerpunkte. Kosmos greift das Thema beispielsweise inhaltlich in den verschiedenen Experimentierkästen zum Thema „Erneuerbare Energien“ auf.

Deutlich sichtbar war auf der Spielwarenmesse 2012 aber ein Trend, der unterschwellig seit einigen Jahren wächst und spätestens in Essen 2011 deutlich sichtbar wurde. Spielzeug und Spiele nutzen immer mehr Möglichkeiten der neuen Medien. Sinn voll eingesetzte Elektronik, an Computer angelehntes Zubehör und die Verschmelzung mit Smartphones und dem Internet schreiten spürbar voran. Neben den bekannten Spielen von Ravensburger und Noris Spiele, die mit einer Art intelligenten Stift Informationen vom Spielbrett auslesen und den Spielern mitteilen, gibt es vor allem viele interaktive Elemente, die auf Apps und das Internet zugreifen. Zusatzfunktionen können heruntergeladen werden, über Smartphone-Apps werden Anwendungen zwischen Handy und Spielbrett hin- und hergeschickt und vieles mehr. Neue Puzzles von Ravensburger bieten durch eine Smartphone-App nach dem Lösen sogar eine kleine Überraschung. Es bewegt sich ordentlich etwas im Bereich der Spielwaren. Was davon auch bei den Gesellschaftsspielen „ankommt“, bleibt abzuwarten. Die Branche zeigt sich traditionell eher konservativ und tut sich mit neuen Trends eher schwer.

Im Rahmen der Spielwarenmesse wurde der Toy Award verliehen. Damit zeichnet eine Jury, die vornehmlich aus Vertretern des Groß- und Einzelhandels besteht, Spielzeuge in verschiedenen Kategorien aus, die als besonders innovativ erachtet werden. Der Preis richtet sich zwar auch an den Endkunden, ist aber faktisch nur ein Impulsgeber für den Handel. Aus dem Bereich der Gesellschaftsspiele hat die Jury das Spiel Talat von Bruce Whitehill (Huch and friends) zum Sieger in der Kategorie Teenager&Familie gekürt. Das abstrakte Spiel ist für genau drei Spieler, die auf jeweils einem Spielbrett zwischen ihren beiden Mitspieler gegen diese antreten.

Die Spielwarenmesse 2012 in Nürnberg hat gezeigt, dass Spielzeug nach wie vor ein wichtiger Marktfaktor ist. Die Umsatzentwicklung der Branche und einzelner Hersteller sind sehr beachtlich. Gigant Hasbro erreichte mit einem weltweiten Plus von sieben Prozent bei Verlusten in Nordamerika einen Umsatz von knapp 4,3 Milliarden Dollar. Aber auch andere Meldungen aus der Branche gibt es. Winning Moves „vernachlässigt“ zukünftig Autorenspiele und will starke Lizenzen von Hasbro aufgreifen und ähnliche wie die Städteausgaben von Monopoly vermarkten.

Nürnberg ist Impulsgeber für den Handel und bestimmt das Jahr bei Spielzeug und Spielen deutlich mit. Die Neuheiten der Spieleverlage werden nach und nach in den handle gelangen und die Zeit bis zur Spiel in Essen mit vielen interessanten Brettspielen, Kinderspielen und Kartenspielen füttern.

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