Was darf's denn sein?

Warum uns der Einzelhandel ins Internet treibt

ein Spiele-Artikel von Axel Bungart - 26.04.2012
 von
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Oft bejammert der Einzelhandel, die Verbraucher würden zu viel übers Internet kaufen und damit die Strukturen des Einzelhandels in den Städten gefährden. Das mag ein Stück weit zutreffen, nämlich dann, wenn lediglich Bequemlichkeit oder Zeitmangel den Online-Home-Service favorisieren.

Um meinen Teil zum Erhalt des Spieleangebots beizutragen, gehe ich auch gerne mal in die Innenstadt, schaue mich in den Spieleabteilungen der Kaufhäuser um und spähe nach Schnäppchen oder auch mal etwas für den Schnellzugriff - wenn der Preis einigermaßen stimmt. Das einzige echte Spielwarenfachgeschäft in Bonn (das den Namen des Monarchen über der Mädchen liebstes Spielzeug trägt), ist ab und an ebenfalls meine Anlaufstelle, obwohl man hier von konkurrenzfähigen Preisen kaum sprechen kann. Sie haben dort aber zumindest eine ordentliche Auswahl. Meine Suche richtete sich vor kurzem auf die sechs neuen Carcassonne-Mini-Erweiterungen, welche ich nach langem Warten auch im Internet schon gesehen hatte.

Der freudigen Überraschung folgte jedoch schnell die Ernüchterung, dass das tatsächlich vorhandene Thekendisplay für die neuen Böxchen lediglich eine Handvoll Schachteln der älteren Mini-Erweiterung Der Graf enthielt. (Für sich gesehen schon ein Skandal.) Meine Frage an das … "Fachpersonal" .., ob denn die neuen Erweiterungen noch vorrätig seien, wurde mit Hinweis auf die starke Nachfrage mit „bereits ausverkauft“ beantwortet. Was ich gerne glauben mochte.

Dass aber der "Fachverkäufer" auf meine Nachfrage hin nicht dazu in der Lage war, mir zu sagen, ob überhaupt und wenn ja, wann eine neue Lieferung erwartet würde, weil man ja immer eine größere Menge diverser Artikel vom Verlag erhielte und man nie so genau wisse, überschreitet die Grenze der Ignoranz bis hin zur Dummheit.

Es ist ja mittlerweile schon kein Klischee mehr, dass wir zuweilen in einer Service-Wüste leben. Wer aber immer noch nicht verstanden hat, wie man Kunden gewinnt oder sogar bindet, wie man mit Kleinigkeiten den Kunden dazu bringt, dass er dasselbe Geschäft wieder betritt, in dem man Angebot und (Dienst-) Leistung in „echten“ Läden so attraktiv wie möglich macht, der hat den Knall immer noch nicht gehört. Wer nicht einmal den Versuch unternimmt, dem Kunden eine halbwegs verbindliche Antwort zu geben, hat sein Geld gar nicht verdient.

Würde ich bei einem meiner favorisierten Internethändler eine ähnliche Interesse-, ja, Lustlosigkeit bemerken, würde ich nicht zögern, den Anbieter zu wechseln. Preis hin oder her. Die meisten Internethändler wissen um die bundesweite Konkurrenz und verhalten sich entsprechend. Die Einzelhändler - manche jedenfalls - ignorieren aber anscheinend, dass sie sich nicht mehr nur in Konkurrenz zum Händler an der nächsten Ecke befinden.

Aufgrund der obigen Situation mit Genugtuung aber dennoch ein bisschen wehmütig stelle ich daher fest: Gut, dass es das Internet gibt.