Augsburg 1520

eine Spielerezension von Carsten Pinnow - 31.12.2006
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Augsburg 1520 von Reich der Spiele

Ein origineller Versteigerungsmechanismus ist Kernstück von Augsburg 1520. Die Spieler schlüpfen dabei in die Rolle Jakob Fuggers und verleihen Geld an Kaiser, Könige und Kirche. Als Gegenleistung erhalten sie zahlreiche Privilegien, mittels derer sie an möglichst viel Prestige und Macht zu gelangen versuchen.

Doch bevor die großzügigen Gegenleistungen erhalten werden können, müssen die säumigen Schuldner erstmal von der Notwendigkeit überzeugt werden, ihre Schulden zurückzuzahlen. Diese sind jedoch leider der Überzeugung, in jeder Spielrunde nur einem Spieler seine Schulden zurückzahlen zu müssen - und zwar dem, der die meisten Schuldscheine vorweisen kann. Diese werden am Rundenende von den Spielern nachgekauft (sie verleihen den Adeligen Geld) und zeigen unterschiedliche Werte, die sich auch auf den Kaufpreis auswirken.

Für jeden der insgesamt fünf prominenten Schuldner gibt es spezielle Schuldscheine, mit denen in der Versteigerungsrunde reihum geboten werden kann. Ein Gebot muss nicht erhöht werden, die Spieler können ähnlich wie beim Bieten bei Poker zum jeweiligen Höchstgebot auch gleichziehen – vorausgesetzt sie haben noch genügend Scheine für die betreffende Person auf der Hand. Haben alle noch nicht ausgestiegenen Bieter gleichgezogen, endet die Versteigerung und die gebotenen Schuldscheine werden offengelegt. Wer den wertvollsten Schuldschein besitzt (die Karte mit der höchsten Zahl), gewinnt die Auktion und erhält dafür zwei Privilegien (Aktionen). Die unterlegenen erhalten einen kleinen finanziellen Trost, dürfen aber immerhin ihre Karten behalten.

Prinzipiell müssen die Spieler bei der Wahl der Privilegien zwischen drei strategischen Entwicklungsrichtungen wählen: Verbesserung des Einkommens, mehr Siegpunkte oder Erhöhung der Schuldschein-Auswahl zum Kauf. Ein echtes Dilemma, denn einerseits müssen alle drei Entwicklungspfade mittelfristig ausgebaut werden und bedingen teilweise einander. Was bringt zum Beispiel ein großes Einkommen, wenn man am Ende zu wenig Schuldscheine angeboten bekommt, um das Geld investieren zu können? Was bringen viele Siegpunkte, wenn die zur Überschreitung der 25-Punkte-Grenze notwendige Kirche noch nicht gebaut werden konnte, weil entweder das Geld oder das Privileg gefehlt hat? Was bringen Kirche und Dom, wenn es kaum Siegpunkte gibt? Andererseits benötigt man für bestimmte Boni die letzte Entwicklungsstufen, sodass es manchmal vorteilhafter ist, eine etwas einseitige Strategie zu nutzen – vorausgesetzt ein Mitspieler ist nicht auf dieselbe Idee gekommen. Ein stets waches Auge für die eigenen Bedürfnisse ist hier in jedem Fall von Vorteil.

Weiteres Konfliktpotential birgt die Verknappung der Entwicklungsschritte. Während die Entwicklungsplättchen in der ersten Stufe noch in ausreichender Zahl vorhanden sind, ist das letzte Plättchen nur noch einmal da. Will sich ein Spieler nun irgendwo verbessern und das entsprechende Plättchen ist nicht mehr vorrätig, so darf er es sich von einem Mitspieler nehmen. Da überlegt man sich besser dreimal, ob man einen bestimmten Entwicklungsschritt eher am Ende einer Runde plant oder doch das Risiko eingeht, ein gerade gewonnenes Plättchen gleich wieder zu verlieren. Denn wer hier nicht aufpasst, kann sich unter Umständen ganz schön ärgern.

Nach vier bis sieben Runden ist Schluss, oft genug genau dann, wenn man „gerade kurz davor war aufzuholen“ oder „nur noch eine Runde gebraucht hätte“. Das liegt zum Teil daran liegt, dass führende Spieler durchaus kollektiv gebremst werden können. Dadurch erhält das optisch ansprechende Augsburg 1520 einen großen Wiederspielreiz, der sich auch nach mehreren Partien kaum abnutzt.

 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
3 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2006
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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