Gangster

Die Bosse von Chicago

eine Spielerezension von Michael Weber - 31.12.2006
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Gangster von Reich der Spiele

Eine hübsche Holzbox, gefüllt mit dicken Pappplättchen, die mehr oder weniger bekannte Gangster der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und ein paar Überraschungsgäste wie Autor Czarne zeigen, ein stabiler Plan und eine Wertungstabelle. Höhepunkt des Auspackens sind die vier echten, aber nicht mit Pulver gefüllten Patronen. Das ist alles, was man benötigt, um sich als Gangster in Chicagos Straßenzüge die Zeit zu vertreiben. Doch so sehr das Material und Thema gefällt, so abstrakt (und nicht besonders innovativ) ist der Mechanismus. Aber das heißt noch lange nicht, dass Gangster keinen Spaß macht.

Jeder Spieler ist Chef von neun Gangstern, je drei mit einen, zwei und drei Machtpunkten. Anfangs hat jeder eine Auslage mit je einen dieser Stärken, also drei Karten vor sich liegen. Der Rest kommt in einen allgemeinen Nachziehstapel, von dem zusätzlich zwei Karten offen liegen. Außerdem hat jeder Spieler eine Patrone (zu zweit jeder Spieler zwei). Schon geht es los.

Wer am Zug ist, setzt entweder einen eigenen, offen liegenden oder verdeckten Gangster offen auf den Plan ein, verschiebt einen Gangster um ein Feld oder erschießt mit der Patrone einen an einen seiner Gangster angrenzenden Gegner. Nach und nach füllt sich auf diese Weise das Brett, langsam verdichten sich die Reihen. Sobald eine der Reihen auf dem Spielbrett komplett mit Gangstern gefüllt ist, wird dieser "Straßenzug" gewertet. Dazu wird für jede Bande (Spielerfarbe) der aufaddierte Machtfaktor der anwesenden Gangster ermittelt. Die stärkste Bande bringt dem jeweiligen Spieler die Differenz zur Zweitplatzierten in der reihe an Punkten. Doch wehe, die beiden stärksten Banden neutralisieren sich gegenseitig, haben also gleich viele Punkte als Machtfaktor zu bieten. Dann freut sich die dritte Bande und erhält die Punktedifferenz zur vierten (oder zu null).

Eine so gewertete Reihe darf nicht mehr durch Verschieben eines Gangsters gelöst werden. Das reduziert nach und nach die Möglichkeiten und offenbart immer mehr die eigenen Stärken und Schwächen in den Straßen von Chicago. Gegen Spielende kann es sogar passieren, dass ein Spieler tatenlos zusehen muss, wie die letzten Reihen ohne sein Zutun unter den Banden aufgeteilt werden.

Das geschickte Platzieren auf dem Brett ist das A und O des Spiels. Dazu gehört auch, ab und an einen fremden Gangster so zu verschieben oder zu setzen, dass sich starke Gegnerbanden neutralisieren. So kommt die eigene Gang mitunter zu unverhofften Punkten. Auch die eine Patrone pro Spiel kann eine verlorene Reihe sichern, aber immer mit der Gefahr, dass die Rache der anderen sicher ist. Die anderen sind übrigens neben dem Zufall beim Einsetzen eines verdeckt liegenden Gangsters die große, aber mitentscheidende Unbekannte im Spiel. Leider ist der Erfolg und Misserfolg nämlich nicht unwesentlich davon abhängig, wie gut der Spieler ist, der in der Reihenfolge direkt vorher am Zug ist. Spielt dieser schlecht, hat man leichtes Spiel. Spielt dieser gut, muss man um jedes Pünktchen kämpfen.

Gangstern ist ein kleines, schnell erklärtes und pfiffiges Spiel in edler Aufmachung. Je nach Spielstärke der Mitspieler wird es aber zum russisch Roulette oder/und langwierigen Optimierungsspiel. Besonders im Spiel zu zweit bietet es eine faszinierende Spieltiefe, die nicht zuletzt durch das Neutralisieren von Banden ermöglicht wird. Ein Tipp für das kurze Spielvergnügen mit optischem Mehrwert - gültig für Sammler und Runden mit etwa gleich starken Spielern.

 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
9
Spieldauer (Minuten): 
90
Jahrgang: 
2006
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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