Stone Age

eine Spielerezension von Carsten Pinnow - 01.06.2008
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Stone Age von Reich der Spiele

Nanu, was liegt denn da auf dem Tisch? Sieht zwar so aus, aber das ist ja gar kein Die Säulen der Erde, sondern etwas ganz anderes?!

Nachdem sich die Spieler verwundert die Augen gerieben haben, werden langsam deutliche Unterschiede auf dem Spielbrett sichtbar. Und trotzdem: Offenbar sah es in der Steinzeit genauso aus wie später im Mittelalter. Genauso grandios muss man sagen, denn Michael Menzels Zeichenstil ist ebenso unverkennbar wie klasse!

Doch kaum haben sich alle an das neue steinzeitliche Szenario gewöhnt, wird schnell klar, dass nicht nur das Landschaftsdesign der Erde früher das gleiche war wie heute. Der Spielablauf von Stone Age erinnert nämlich erneut an das erwähnte Mittelalter-Spiel: Figuren werden auf mengenmäßig beschränkte Bauplätze verteilt, und ausgewertet wird erst, wenn alle Figuren platziert sind. Die erworbenen Rohstoffe werden schließlich weiterverwendet, um Siegpunkte zu sammeln.

Dies erleichtert erfahrenen Spielern den Einstieg ungemein, was aber auch notwendig ist. Denn Stone Age ist eben auch etwas komplizierter als vergleichbare Vertreter der Spielezunft. Ist ja nachvollziehbar, denn in der Steinzeit war halt alles noch viel beschwerlicher! Deshalb müssen die Spieler (pardon: Clans) nicht nur konkrete Auftragskarten erfüllen, um Punkte zu bekommen, sondern können über eine separate Kartenauslage gegen Abgabe von Rohstoffen auch spezielle Zivilisationsfortschritte erreichen. Davon gibt’s reichlich; und wer geschickt genug sammelt, kann bei der Endwertung durchaus noch mehr Bonuspunkte erhalten als zuvor im gesamten Spiel.

Durch die Vielzahl der Kombinationsmöglichkeiten ergeben sich verschiedene Strategien, die man über viele Partien ausprobieren kann. Das größte Augenmerk sollte man in allen Fällen jedoch auf das Dorf legen. Dort eingesetzte Clanmitglieder bringen zwar keine Rohstoffe nach Hause, dafür jedoch zusätzliche Nahrung, Werkzeuge, oder eben … äh … Kinder.

Ja, das Kindermanagement ist schon ein Kapitel für sich. Zu Spielbeginn zählen die Sippen nur fünf Familienmitglieder, was folglich nur maximal fünf Aktionen pro Runde erlaubt (und an Agricola erinnert). Wer sich vermehrt, muss stets auch darauf achten, alle Leute ernähren zu können. Oder Strafpunkte in Kauf nehmen, was unter gewissen Umständen sogar eine erfolgreiche Strategie sein kann, wenn die der Landwirtschaft verwehrten Arbeitskräfte an anderer Stelle gewinnbringender eingesetzt werden können.

Zweifelsohne sind die drei im Dorf möglichen Aktionen zu Spielbeginn die wertvollsten. Vier Spieler, drei Aktionen – da kommen nicht immer alle zum Zuge. Man stelle sich das so vor: Der linke Nachbar ist gerade etwas laut beim Liebesspiel zugange, sodass der Gegenüber sich in seine Werkstatt zurückgezogen hat, um dort Lärm zu machen. Der rechte Nachbar bekommt davon nichts mit, hat sich aber den Gemeinschaftspflug geliehen, um sein Beet zu erweitern. Was bleibt einem da schon anderes übrig, als frustriert in den Wald zu gehen und Bäume umzuschubsen? Oder vielleicht besser in den Steinbruch, denn der Wald ist ja schon überfüllt …

Doch auch die Arbeit im Steinbruch oder im Wald ist nicht immer erquickend. Bei Stone Age funktioniert die einfache Rechnung „x Arbeiter ergeben y Rohstoffe“ nämlich nicht! Hier wird stattdessen je Arbeiter ein Würfel geworfen und das Ergebnis durch einen rohstoffabhängigen Divisor geteilt. Für ein Stück Lehm zum Beispiel werden vier ganze Würfelpunkte benötigt. Wer mit drei Würfeln nur eine sieben schafft, hat Pech gehabt und erhält nur ein einziges Lehmklümpchen. Durch den Einsatz von Werkzeug (falls vorhanden) lassen sich Würfelergebnisse jedoch aufrunden – die schnelle Beschaffung von wenigstens zwei oder drei Werkzeugen im Dorf sei deshalb dringend empfohlen!

Apropos Empfehlung: Abgesehen davon, dass die angegebene Spieldauer von 60 Minuten auch von geübten Spielern kaum erreicht werden kann und ein wenig Sitzfleisch erfordert, ist Stone Age eine klare Kaufempfehlung wert! Der Einstieg ist nicht schwierig, das Ausloten der vielen Möglichkeiten dagegen schon. Stone Age besitzt einen hohen Wiederspielreiz und wird auch bei der 30sten Partie nicht langweilig.


 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2008
Spielkategorisierung
Auszeichnungen: 
Spielefamilie: 
Spielethema: 
Fotos
Stone Age von Hans im Glück
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