My Love

eine Spielerezension von Michael Weber - 19.08.2018
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Paarspiel My Love - Foto von HUCH
Lesezeit: ca. 4 Minuten

My Love! Oh, ja. Was habe ich nicht immer wieder über Paarspiele berichtet. So zum Beispiel Traumpaar gesucht, Lustprinzip oder auch Privacy: Scharf wie Chili. Und nun also My Love. My Love von HUCH! ist anders. Es ist noch weniger Spiel. Vielmehr ist es Animation für zwei. Häh? Ich erkläre es euch.

Worum geht es bei Paarspiel My Love?

Zunächst: Paarspiel meint nicht Memo. Es geht nicht darum, zwei gleiche Motive zu finden. Es geht vielmehr darum, dass ein Paar sich spielerisch besser kennenlernt oder eben die Beziehung spielerisch vertieft. Das grenzt fast schon an Therapie. Ist aber ein Spiel. Ein animierendes Spiel. Als lebenserfahrener Mann weiß ich, dass es "Erotikspiele" gibt. Ja, diese mit dem Würfel, bei dem dann Stellungen imitiert werden. Es geht um das gegenseitige Anheizen. Wer so etwas bei My Love sucht, wird auf den ersten Blick enttäuscht. Und dann aber doch nicht. Denn genau genommen ist My Love das Vorspiel zu diesen Stellungswürfelorgien (um mal im Bild zu bleiben).

Das heißt: Ein Paar arbeitet sich anhand von vier Kategorien durch Frage- und Aufgabenkarten. Dabei geht es manchmal um das Kennen des Gegenübers, manchmal um profane Dinge, manchmal fallen auch Kleidungsstücke und dann geht es hin und wieder auch um das S-Wort mit dem X hinten. Ehrlich! Nicht, dass es hier Stellungen zum Nachmachen gibt. Aber es liegt ein Hauch von Erotik in der Luft, der sich während oder nach dem Spiel in wilde Spielereien abseits der Fragen verändern kann und vielleicht auch darf oder soll.

Das Spielprinzip von My Love

Doch vor dem Vergnügen kommt etwas Arbeit. Bei My Love gilt es, eine bestimmte Anzahl von Herzen in verschiedenen Farben zu bekommen. Diese sind Punktersatz für das "richtige" Beantworten von Fragen. Wer zuerst die benötigte Herzkombination aufweist, hat gewonnen. Das wäre natürlich zu profan, wenn das Paarspiel nicht gleich noch eine Belohnung in Form einer zufällig gezogenen Karte mitliefern würde. Das kann zum Beispiel sein: "Bringe mir Sonntag Frühstück ans Bett", "Massiere mich eine Woche lang jeden Abend" oder "Putze nächste Woche für mich - nackt". So oder so ähnlich sind die Belohnungen.

Das eigentliche Problem von My Love als Spiel ist, dass es nur unzureichend funktioniert. Denn auf der Suche nach den Herzen sind Aufgaben zu erfüllen oder Fragen zu beantworten. Manchmal auch Kleidungsstücke abzulegen. Nur entscheidet über die erfolgreiche Runde eben der Partner. Das heißt: Während sich einer freut oder quält, die richtige Antwort auf eine Beziehungsfrage zu finden oder dem Partner die Füße massiert, muss eben dieser mit seinem Okay das Herz verteilen. Will der Partner jedoch nicht - aus welchen Gründen auch immer, geht der aktive Part leer aus. Und dann? Dann hängt der Haussegen schief, es gibt Ärger, Unverständnis oder Frust bis hin zur gefühlten absichtlichen Niederlage durch den Gegenüber.

Lohnt sich My Love als Paarspiel?

Das ist unschön. Und ärgerlich. Denn die Redaktion geht bei den Spielkarten geradezu zärtlich mit dem Thema Partnerschaft und Liebe um. Daher ist es umso ärgerlicher, dass der Spielmechanismus auf Wunsch durch eine an eine SM-Session erinnernde Unterdrückung des Gegenübers die Stimmung kippen lassen kann. Abseits von diesem Makel, der natürlich bewusst und eher unromantisch ausgenutzt werden muss, ist das Konzept stimmig. Die Kategorien Liebe, Zärtlichkeit, erotisches Wissen und Sex bieten wunderbar und behutsam eigesetzte Hilfsmittel, mit denen Paare sich kennen- und lieben lernen können.

Natürlich sind die Aufgabenkarten eher als Anreiz zu verstehen, ins Gespräch zu kommen. Die eine oder andere Antwort ist vorhersehbar, andere werden überraschen. Das Thema wird jedoch gezielt auf Partnerschaft und im engen und weiteren Sinne damit verwandte Aspekte gelenkt. Das gelingt hervorragend. Wenn da nicht der völlig überflüssige Spielmechanismus wäre. Okay, am Ende wartet die Belohnung. Aber muss die sein? Bei diesem Spiel kommt es wie so oft, wenn es um Zweisamkeit geht, auf den Weg an. Und der funktioniert abseits der Spielregeln mit den Karten auch ohne Gewinner und Verlierer ganz hervorragend. Wer muss schon Herzchen verteilen, wenn er seins ohnehin dem Gegenüber geschenkt hat?

Dem Verlag ist mit My Love atmosphärisch ein toller Wurf gelungen. Einige Paare werden diesen "Quatsch" nicht brauchen und sprechen ohnehin über alles. Aber viele andere können sich mit diesen Karten ein paar Minuten Zeit nehmen. Zeit für sich und die Beziehung. Ob sie dabei den Regeln folgen oder völlig losgelöst davon mit den Karten eine schöne Zeit verbringen, ist zweitrangig. My Love animiert durch die sehr gute Auswahl bei den Aufgaben, dem "Wir" mehr Zeit einzuräumen. Und das kann ja nicht so verkehrt sein - ob mit oder ohne spielerische Belohnung.

Zusammenfassung der Rezension zum Paarspiel My Love

My Love ist ein Paarspiel, noch mehr aber ein Instrument. Die Redaktion animiert die Spielenden durch den behutsamen Umgang mit Fragen und Aufgaben, die eigene Beziehung spielerisch zu thematisieren. Das grenzt im positiven Sinn an therapeutische Unterstützung und entfernt sich vom Thema Gesellschaftsspiel. My Love ist daher jedoch kein Spiel im klassischen Sinn, sondern ein Vorspiel auf mehr "Wir".

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spielerzahl: 
2
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
16
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
2018
Spielkategorisierung
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