Lustprinzip

eine Spielerezension von Michael Weber - 29.04.2018
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Partyspiel Lustprinzip - Foto von Noris Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Ein Spiel, das Lustprinzip heißt? Eins, bei dem es um die Beschreibung anzüglicher Begriffe geht? Klar, dass ist natürlich Chefsache. Denn so ein Thema hatten wir grob schon bei Privacy: Scharf wie Chili oder Privacy: Quickie. Und da und bei ähnlichen Gesellschaftsspielen haben die eigentlich bestimmten (zufälligerweise) Rezensentinnen gemurrt und sich teilweise sogar verweigert. Also. Lustprinzip hin oder her, hier muss der Herausgeber vom  Reich der Spiele ran und - genau: Seinen Mann stehen!

Worum geht es bei Lustprinzip?

Losgelöst vom Thema ist Lustprinzip von Noris Spiele ein einfaches Kommunikationsspiel. Ein Erklärer umschreibt ähnlich wie bei Tabu einen Begriff, ohne bestimmte Begriffe (hier: aus dem erotischen/körperlichen Kontext) zu nutzen. Die anderen müssen raten. Passen gilt jedoch nicht. Wer richtig rät, bekommt einen Punkt, wer richtig erklärt ebenfalls. All das läuft auf Zeit. Am Ende gewinnt, wer die meisten Punkte sammeln konnte. So einfach ist das.

So wird Lustprinzip im Besonderen gespielt

Lustprinzip hat noch zwei Besonderheiten. Zum einen gehören 25 von 100 Karten zu einem Durchgang (lässt sich abseits der Spielanleitung aber individuell anpassen). Diese Karten werden zweimal durchspielt. Wobei der gerade erklärende Spieler im zweiten Durchgang nicht die gleichen Umschreibungen aufgreifen darf wie der erklärende Spieler im ersten Durchgang. Zum anderen sind da eben die Begriffe. Und die sind ausschließlich aus der Welt der sexuellen Körperzonen und der Erotik. Das müssen die Spieler natürlich mögen. Was bei pubertierenden Teenies noch rote Köpfe und Lacher verursachen kann, steigert bei gestandenen Erwachsenen jedoch kaum die Lust auf das Lustprinzip. Beispiele gefällig?

Beispiele für Begriffe bei Lustprinzip

Lustprinzip stößt mit Begriffen wie "Befriedigung", "Doktorspiele", "Eichel", "Jungfrau", "Einlochen", "Muschi", "Ritze" usw. klar in die wenig bediente Lücke der "besonderen Erwachsenenspiele". Neben scheinbar harmlosen oder anatomischen Begriffen wie "Damm", "G-Punkt" oder "Vorhaut" sind auch umgangssprachliche Redewendungen wie "Holz vor der Hütte", "ein Rohr verlegen" oder "den Pinsel eintauchen" dabei. Die Bereitschaft, bei solchen Aufgaben in heiße Wallungen zu geraten, ist jedoch gering.

Lohnt sich Lustprinzip als Partyspiel?

Es gibt sicher irgendwo auf der Welt Runden, bei denen Lustprinzip gut ankommt. Jugendliche können mit diesem allerdings ab 16 Jahren ausgezeichneten Partyspiel die ersten verbalen Blamagen oder heißen Wortgefechte rund um ein Tabuthema erfahren. In Erwachsenenrunden ist die Aufgabenstellung jedoch deutlich unter dem Niveau einer Anzüglichkeit. Rein technisch taugt Lustprinzip daher kaum als Party- und Erklärspiel, obwohl es den kreativen Umgang mit dem Wortschatz durchaus fördert. Die Kommunikationsbereitschaft wird in eher psychologisch ausgerichteten Gesellschaftsspielen wie Liebesgeflüster ohnehin deutlich besser gefördert.

Als Anheizer für einen Pärchenabend, bei dem es explizit ein offenes Ende geben soll, mag es funktionieren. Aber auch da müssen die bereitwillig Spielenden schon zielgerichtet dumpfes Feuer in der Lendengegend entfachen wollen, soll das Lustprinzip nicht genau das Gegenteil erreichen.

Für mich ist es ein desolater Flopp, der weder auf eine spielerische Art anzüglich ist, noch meine verbale Akrobatik herausfordert, noch in irgendeiner Weise besonders anheizend ist. Lustprinzip ist einfach nur der Versuch, Tabu in einen sexuellen Kontext zu verfrachten. Dummerweise passiert etwas, was auch die Lust in den Schlafzimmern schnell sinken lässt: Das Spielprinzip geht nicht besonders zärtlich mit den potenziell erogenen Zonen um, sondern versucht, mit dem Holzhammer für Stimmung zu sorgen. Genau das könnte man vielleicht nutzen, um den ebenfalls enthaltenen Begriff "Rammeln" zu umschreiben. Das mag der eine oder andere mögen, ist aber nicht besonders prickelnd.

Zusammenfassung der Rezension zu Lustprinzip

Lustprinzip nutzt das als Tabu bekannte Spielprinzip, um sexuelle und körperliche Begriffe zu umschreiben, ohne dieses Themenfeld streifen zu dürfen. Das funktioniert mäßig als Spiel und leidet unter einem lieblos präsentierten Thema, das meiner Meinung nach allenfalls für Teenierunden mit pubertätsbedingtem Hormonüberschuss interessant ist.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spielerzahl: 
3-8
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
16
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2018
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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