Arlecchino

eine Spielerezension von Michael Koch - 10.12.2014
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Gesellschaftsspiel Arlecchino - Foto von Asmodee
Lesezeit: 4 Minuten

Arlecchino ist ein abstraktes Brettspiel für zwei bis vier Personen, das seine Verwandtschaft zu Klassikern wie Steck-Solitaire und Dame nicht leugnen kann. Auf einem sechsmal sechs Felder großen Spielfeld werden die 36 quadratischen Spielsteine zunächst mit der Rückseite nach oben zufällig verteilt und anschließend auf die Vorderseite gedreht. Der schwarz-weiße Stein wird vom Spielfeld entfernt und hinterlässt eine Lücke.

Die verbliebenen Spielsteine besitzen eine bunte Vorderseite, die in jeweils vier Dreiecke in den Spielerfarben unterteilt ist. Eine Farbe kann dabei von „gar nicht“, kein Dreieck dieser Farbe, bis zu vier Mal, alle Dreiecke haben die gleiche Farbe, vertreten sein. Die Dreiecke geben an, welche Spieler den Stein benutzen können und wie viele Aktionen (eine pro passendem Dreieck) sie damit durchführen dürfen.

Wie wird Arlecchino gespielt?

Die Regeln sind kurz und einfach. Wer an der Reihe ist, sucht sich einen Stein aus und führt damit die folgenden Aktionen aus:

  • Schlagen: Diese Aktion muss durchgeführt werden. Wenn man mit einem Stein keinen anderen schlagen kann, dann darf dieser nicht gewählt werden. Ein Stein kann geschlagen werden, wenn hinter ihm eine Lücke ist (wie beim Steck-Solitaire oder Dame). Das Schlagen muss auch dann durchgeführt werden, wenn es zum eigenen Schaden ist, also man einen Stein schlägt, auf dem die eigene Farbe vertreten ist.
  • Bewegen: Den Stein auf ein angrenzendes, freies Feld ziehen. Einzige Regel hier: Am Ende darf der Stein nicht wieder auf dem Ursprungsfeld landen. Ausnahme: Ein Stein mit vier gleichfarbigen Dreiecken kann theoretisch vier Mal hintereinander schlagen und so wieder auf dem Ursprungsfeld landen – das ist in diesem Falle erlaubt.
  • Passen: Nur erlaubt, wenn man nachweislich keinen Stein schlagen kann.

Das Spiel endet, wenn kein Spieler mehr einen Stein schlagen kann. Dann werden die farbigen Dreiecke auf den verblieben Steinen gezählt und Sieger ist der Spieler, dessen Farbe noch am meisten vertreten ist.

Wie gut ist das Brettspiel Arlecchino?

Optisch und vom Material her hinterlässt Arlecchino von Asmodee einen guten Eindruck (auch wenn ich mir einen Stoffbeutel für die Steine gewünscht hätte). Die Spielsteine haben Mah-Jongg-Qualität und auch das Spielfeld aus Hartplastik wirkt passend und fast schon „edel“.

Spielerisch sieht es da etwas anders aus. Die ersten zwei Züge eines Spielers sind durch die Anfangslücke und die Startverteilung meist klar vorgegeben. Dann folgt eine Phase von vielleicht drei bis vier Zügen, in denen ein Spieler taktisch vorgehen kann. Es folgt dann aber auch schon das Endspiel, bei dem die Möglichkeiten durch das nun recht leere Brett wiederum so eingeschränkt sind, dass man von Zwängen sprechen kann.

Auch die Spielfeldgeometrie sollte beachtet werden. In der Mitte des Spielfeldes erlebt man das große Hauen und Stechen. Ein Stein ist hier schneller geschlagen, als man hingucken kann. Am Rand sind die Steine halbwegs sicher und in einer der Ecken haben sie sogar eine gute Chance zu den Überlebenden zu zählen. Klar, dass man da versucht seine wertvollen Steine an den Rand oder in die Ecken zu bringen anstatt diese beim Schlagabtausch zu verheizen.

Für wen ist Arlecchino geeignet?

Bei abstrakten Spielen muss auch immer die Frage nach einem Startspieler-Vorteil gestellt werden (in der Regel hat man einen kleinen Vorteil, wenn man anfangen darf). Dieser ist hier durch die zufällige Anfangsverteilung und den absoluten Schlagzwang nicht unbedingt gegeben; kann man doch gezwungen sein, einen für sich wertvollen Stein zu schlagen. Man kann aber ganz klar sagen, dass es schlecht ist, Letzter in der Runde zu sein. Bereits in der allerersten Runde kann der scheinbare Vorteil, mehr Lücken zu haben und damit flexibler in der Steinauswahl zu sein, den zu erwartenden Verlust guter Steine durch die Mitspieler nicht ausgleichen.

Daher kann das Spiel zu dritt oder viert nicht empfohlen werden. Beim Zwei-Personen-Spiel (jeder Spieler hat zwei Farben, die er abwechselnd ziehen muss) ist die taktische Phase gefühlt länger und man bekommt den Eindruck, mehr Herr seines eigenen Schicksals zu sein. Das ergibt ein deutlich besseres Spielgefühl. Insgesamt: Zu dritt oder viert: Finger weg! Zu Zweit: Ganz okay - aber das klassische Dame bietet deutlich mehr taktische Möglichkeiten.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-4
Spieldauer (Minuten): 
15
Jahrgang: 
2010
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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