Baran

Der König geht spazieren

eine Spielerezension von Anita Borchers - 29.02.2008
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Baran von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

„Waaas soll ich tun? Zu Fuß den Gegner vom Thron stoßen? Seit wann geht ein König spazieren?“ Ein gellender Schrei hallt durch Baran, als der König den Schlachtplan (= Spielregeln) studiert.

Baran ist ein Schlagspiel für zwei Personen. Im Gegensatz zu anderen Schlagspielen darf jedoch der Hauptfigur, dem König, kein Haar gekrümmt werden. Während seine treuen Krieger den Weg frei räumen, schlagen und geschlagen werden, hat der König nur eine Aufgabe: Als erster den Thron des gegnerischen Königs einnehmen. Dabei darf er sich in das Kampfgeschehen, das um ihn herum tobt, nicht einmischen. Er wird aber im Gegenzug auch vom Gegner nicht angegriffen. Er kann sich also gemütlich auf den Weg zum gegnerischen Thron machen und muss darauf vertrauen, dass seine Jungs den eigenen Thron schützen.

Der Kampf findet auf einem rautenförmigen Schlachtfeld mit 49 hexagonal angeordneten Feldern statt und eröffnet den Spielern völlig neue Perspektiven. Kennt man von quadratischen Spielfeldern maximal vier Zugrichtungen, stehen bei Baran bis zu sechs Möglichkeiten für die Bewegung der Spielsteine zur Verfügung. In den beiden Spitzen befinden sich jeweils die begehrten Thronfelder.

Neben dem König stehen jedem Spieler 14 Krieger zur Verfügung, um dem König den Weg zu bereiten und den eigenen Thron zu verteidigen. Während zehn Krieger sich jeweils nur auf das Nachbarfeld bewegen können, verfügt jeder Spieler noch über vier wertvolle schnelle Krieger, die sich in gerader Richtung beliebig viele Felder weit bewegen dürfen. Auch der König darf sich jeweils nur ein Feld weit bewegen.

Direkt benachbart stehende Figuren werden mal eben mit einem Bocksprung überwunden. Dabei ist es völlig egal, ob es sich um einen eigenen oder fremden Krieger handelt. Auch Kettensprünge sind ausdrücklich erlaubt. Dies ermöglicht eine schnelle Fortbewegung direkt in die Schlacht. Der König selbst darf zwar Bocksprünge ausführen, Kettensprünge sind ihm jedoch untersagt. Auch darf er selbst nicht übersprungen werden. Frei nach dem Motto des Autors: „Einen König schlägt man nicht!“

Werden die Sprünge vorwärts, also in Richtung des gegnerischen Throns, vollführt, so werden feindliche Krieger beim Überspringen geschlagen. Achtung! Natürlich herrscht Schlagzwang. Wer nicht schlagen möchte oder die Möglichkeit schlicht weg übersieht, verliert den eigenen Krieger. Die Spielanleitung hält, zum Beispiel für ungleich starke Gegner, die Variante des offenen Spiels bereit, also den Gegner auf eine Schlagmöglichkeit hinzuweisen. Vielleicht auch für nicht-Frust-taugliche Spieler empfehlenswert.

Das Spiel endet, sobald einer der beiden Könige das gegnerische Thronfeld erreicht. Dieses darf er jedoch nur würdevoll erschreiten, ein Sprung wäre für den feierlichen Akt wohl kaum angemessen. Noch zu erwähnen bleibt, dass bei gleichstarken Gegnern eine Pattsituation durchaus nichts Ungewöhnliches ist.

Baran besticht durch sein schönes Material: Sowohl Spielbrett als auch -figuren sind aus Holz und verleihen dem Spiel eine edle Note. Die Varianten des Springens und Schlagens der Krieger machen den besonderen Reiz Barans aus, wobei auch der König nicht aus den Augen zu verlieren ist. Wer gerne Dame oder andere Schlagspiele spielt, sollte Baran unbedingt probieren.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2007
Spielkategorisierung
Spielegattung: 
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