Booray!

Der Kartenhit aus Louisiana

eine Spielerezension von Frank Biesgen - 24.09.2015
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Booray - Foto von Winning Moves
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Auf der immer währenden Suche nach unverbrauchten Spielideen hilft es gelegentlich, dem Volk aufs Maul zu schauen. Booray (oder Bourré) ist ein traditionelles Kartenspiel aus den USA, das der Verlag Winning Moves nunmehr professionell vertreibt. Dabei handelt es sich um ein einfaches Stichspiel, gespielt mit einem Rommé-Blatt und mit Poker-Elementen vermengt.

Wie wird Booray gespielt?

Fünf Karten erhalten die Spieler auf die Hand. Nachdem die Trumpffarbe bestimmt wurde, entscheidet jeder, ob er sich in der Lage sieht, mit seinem Blatt mindestens einen Stich zu machen. Wer das nicht glaubt, kann an dieser Stelle aus der Runde aussteigen und verliert nur seinen Mindesteinsatz (1 Dollar von zunächst 200). Die verbliebenen Spieler dürfen beliebig viele ihrer Handkarten abwerfen und entsprechend viele nachziehen, mit denen sie die Runde dann bestreiten müssen. Das Spiel selbst erweist sich als gewöhnliches Stichspiel mit Bedienzwang. Einzige Besonderheit: Wer nicht bedienen kann, muss, sofern vorhanden, Trumpf ausspielen - auch wenn der Stich bereits verloren ist. Hat ein Spieler am Ende einer Runde alleine die meisten Stiche erzielt, erhält er das gebotene Geld, bei einem Gleichstand bleibt es für die nächste Runde im "Pott" liegen. Wer keinen Stich errungen hat, ist "Booray" gegangen und muss in der folgenden Runde den im Pott liegenden Betrag als Mindesteinsatz aufbringen. Spieler mit hierfür nicht mehr ausreichendem Vermögen scheiden aus. Gewinner ist, wer als Erster sein Startkapital verdoppelt hat.

Wie gut ist das Kartenspiel Booray?

Booray hält sich streng an die traditionellen Regeln und liefert auch gleich einige Varianten mit. Bei der Beliebtheit des Originals sollte sich also durchaus Spielspaß einstellen, zumal die Idee, Stich- und Pokerelemente zu vereinen, auf dem Papier nicht die schlechteste ist. Allein - Booray macht leider keinen Spaß. Das liegt in erster Linie an oben genannter Bedienregel, welche die Spieler zwingt, sehenden Auges ins Unglück zu rennen und auch in hoffnungslosen Situationen Trumpf ausspielen zu müssen. Drei mittelhohe Trumpfkarten etwa sind schnell verloren, wenn jeweils ein anderer Spieler mit einer einzigen höheren Karte ebenfalls nicht bedienen kann. Zudem ist die entstehende finanzielle Abwärtsspirale bei einem "Booray" gegangen Spieler nur theoretisch interessant. In den Testrunden kam regelmäßig der Punkt, an dem Mitspieler ihre komplette Kartenhand austauschten und nur noch auf ein besseres Blatt hofften. Kommt es zur Verbesserung? Fein! Passt es nicht? Auch egal, ist ja nur Spielgeld. Die Stiche selbst werden nur lustlos abgespielt, da es selten einen wirklichen Entscheidungsfreiraum gibt.

Ebenso ist es fraglich, ob ein Spiel, dessen Regeln frei im Netz verfügbar sind und das mit einem herkömmlichen Kartendeck auf den Tisch gebracht werden kann, unbedingt den Rahmen einer solchen Veröffentlichung braucht. Wizard beispielweise umgeht dieses Problem durch seine herausragende grafische Gestaltung; Booray bietet hier lediglich Standard. Daher bleibt im Ergebnis nur das Fazit eines Mitspielers: "Das macht höchstens dann Spaß, wenn es um echtes Geld geht. Aber dann würde ich erst recht nicht mehr mitspielen wollen." Dem ist nichts hinzuzufügen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spielerzahl: 
3-6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
13
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
2011
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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