Caylus 1303

eine Spielerezension von Axel Bungart - 19.09.2020
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Caylus 1303 - Ausschnitt - Foto von Space Cowboys
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Lesezeit: ca. 5 Minuten

Ystari hatte 2005 mit Caylus (William Attia) ein Spiel im Programm, das zurecht mehrfach ausgezeichnet wurde und sich als einer der Urväter der modernen Worker-Placement-Spiele zum Strategieklassiker entwickelt hat. Im zwischenzeitlich erschienenen Relaunch zeigten sich nur kosmetische Veränderungen der Schachtel. Doch 2020 ist nun ein neues Caylus erschienen, das nicht mehr im Jahr 1289 spielt, sondern einige Jahre später. Daher heißt es nun auch Caylus 1303.

Nachdem es das alte Caylus mittlerweile nur noch bei Rio Grande Games gibt, haben sich die Space Cowboys Caylus 1303 angenommen. Das Schachtelformat ist gewachsen, aber auch sonst hat sich einiges verändert.

Was ist neu an Caylus 1303?

Eigentlich ist kaum noch was beim Alten geblieben. Der Spielplan sieht zwar auf Anhieb dem alten sehr ähnlich: die Straße zum Schloss. Doch nun führt sie tatsächlich hin zum Schloss (und nicht davon weg), denn die Spielrichtung geht von unten nach oben. Das hat spieltechnisch keine Bewandtnis, da auch „der Anzeiger für das Ende der Einsetzphase“ - die Gildenbrücke - mit nach unten gezogen wurde. Verbessert hat sich damit aber die sprachliche Aufbereitung in der Spielregel, da im alten Caylus auch stets vom „Anzeiger für das Ende der Einsetzphase“ die Rede war, was beim sechsten Erscheinen schon keiner mehr vorlesen mochte.

Besser in der Spielregel ist auch die Schrift, die eine dioptrinfreundliche Größe hat. Überhaupt ist die Spielregel sehr übersichtlich und insgesamt gut strukturiert. Ein paar Mängel weist sie aber auf; dazu später.

Caylus 1303 - Spielszene - Foto von Axel Bungart

Das Spielmaterial ist bedeutend schöner. Insbesondere die Spielsteine sind nicht mehr nur einfache Würfelchen, sondern wurden ihrem Zweck entsprechend gestaltet. Ein paar Veränderungen in Zahlen:

  • Gebäudeplättchen (alt/neu): 40/34 (aber doppelseitig, teils mit unterschiedlichen Funktionen),
  • Häuser pro Spieler: 20/10,
  • Arbeiter: 15/6, aber dafür
  • kein Geld mehr,
  • kein Seneschall mehr,
  • Prestigepunktchips statt -leiste.

Letzteres führt dazu, dass der Spielstand nicht mehr offen erkennbar ist, sodass es schwieriger einzuschätzen ist, wie viele Prestigepunkte man ggf. zum Sieg noch benötigt.

Caylus 1303 - Plättchen - Foto von Axel Bungart

Die Art und Vielzahl der Neuerungen, auch technischer Art, führen letztlich zu teils bedeutenden Veränderungen im Spielablauf. Statt einer unbekannten Anzahl an Runden werden nun genau neun Runden mit je vier (statt sieben) Phasen gespielt. Das verkürzt die Spieldauer und das Ende ist planbarer. Das Erlangen und vor allem die Verwendung einer Gunst sind stark vereinfacht worden, da man nur noch die Wahl zwischen zwei Optionen hat. Die Spielerreihenfolge ergibt sich durch die Reihenfolge, in der die Spieler passen.

Neu im Spiel sind Charaktertafeln, die Spielern bestimmte Vorteile gewähren, solange man sie besitzt. Eine Charaktertafel kann immer dann ihren Besitzer wechseln, wenn eine Gunst vergeben wird.

Alle eingesetzten Arbeiter wandern nach ihrer Arbeit in ein Camp auf dem Spielplan, von wo ein paar von ihnen erst wieder am Rundenende oder durch die Nutzung eines Gebäudes zum Spielervorrat zurückkommen. Hat mindestens ein Spieler gepasst, muss man sogar für jeden eingesetzten Arbeiter einen zusätzlichen Arbeiter ins Camp schicken. Das ist der Preis, der anstelle des Geldes nun gezahlt werden muss. Gleiches gilt auch für die Bewegung des Vogts, für die man früher Geld bezahlen musste.

Etwas geändert hat sich auch die Gebäudelandschaft. Die Bezeichnungen sind anders, aber wie vorher gibt es eine logische Reihenfolge, in der Gebäude von eigenen oder Startgebäuden über Residenzen in Monumente umgewandelt werden. Schon durch die Umwandlung in Residenzen gehen aber die Grundfunktionen der Startgebäude verloren. Also sollten die Spieler aufmerksam sein, damit nicht wichtige Teile der Grundversorgung stark verknappt werden oder ganz verschwinden.

Caylus 1303 - Illustrationen - Foto von Axel Bungart

Was leider beim Aufbau passieren kann, ist, dass das Startgebäude für den Bau anderer Holzgebäude sehr weit unten ausliegt. Das bewirkt, dass man sich die Rohstoffe für den Bau bereits eine Runde vorher besorgt haben muss, um das neue Holzgebäude überhaupt bauen zu können. Diese Reihenfolge fühlt sich aber zäh an und verlangsamt das Spielgefühl unnötigerweise.

In der Spielregel fehlt zwar die Erklärung der Startgebäude. Die Symbole lassen sich aber durch Ableitung von anderen Gebäuden erklären.

Bei der Aktivierung der Gildenbrücke hätte verbal und strukturell in der Regel etwas genauer abgegrenzt werden können, dass hierfür keine Arbeiter eingesetzt werden müssen. Zumal das Einsetzfeld für die Gildenbrücke auf dem Spielplan den anderen ähnlich sieht, was vermuten lassen könnte, dass es auch genauso verwendet wird.

Auf dem Spielplan sind (oben rechts) ein paar willkürlich ausgesuchte Phasenelemente als Spielhilfen angedruckt, die, aus dem Zusammenhang gerissen, eben jenen vermissen lassen. Ganz oder gar nicht wäre hier besser gewesen.

Caylus 1303 – Caylus light

Es sind sehr viele Dinge, die das neue Caylus 1303 vom alten unterscheiden. Im Spiel macht sich das deutlich bemerkbar. Caylus 1303 ist sehr vereinfacht worden. Zwar wurde der Wegfall des Geldes über die Mehrkosten an Arbeitern kompensiert, das gilt aber nur für den Fall, dass bereits (mindestens) ein Spieler gepasst hat. Bis dahin setzt man alle Arbeiter umsonst ein. Gefühlt entfällt damit die ganz elementare Sorge, zu wenig Geld zu haben.

Auch die Verwertung einer Gunst ist bedeutend einfacher. Es gibt nur noch zwei Möglichkeiten, diese einzusetzen, wobei beide mit den Charaktertafeln zu tun haben. Und gleichzeitig ist dies auch ein interaktives Element, weil man anderen eine Tafel wegnehmen kann. Dafür erhält man aber in einem Zug nie mehr als eine Gunst.

Worker-Placement-Spiel Caylus 1303 - Material - Foto von Space Cowboys

Der Wegfall einiger sehr taktischer Gebäude (z. B. Wirtshaus, Ställe, Tor) macht Caylus 1303 geradliniger und entlastet die Spieler von Gehirnakrobatik während der Einsetzrunden. Man könnte sagen, es ist eher eine Light-Version des Ursprungs-Caylus. Es ist immer noch ein interessantes Spiel ohne Glücksfaktor, das aber freundlicher zu seinen Spielern ist, da man weniger Zusammenhänge beachten muss. Zu zweit macht Caylus schon ebenso viel Spaß wie in Vollbesetzung. Der Unterschied ist, dass bei mehr Spielern auch mehr Gebäude gebaut werden. Seine Ausstattung ist prima gelungen; die kleinen Mängel in der Anleitung sind nicht gravierend.

Ich würde nicht sagen, dass es egal ist, welche Version man spielt. (Da das alte Caylus kaum noch zu bekommen ist, hat man bei der Neuanschaffung sowieso kaum eine Wahl.)  Wer aber auf der Suche nach einem Spiel mit hohem strategischem Anspruch ist, sollte sich nicht vom Namen leiten lassen. Da gibt es dann doch andere Titel. Aber das gilt nur für den direkten Vergleich der alten mit der neuen Version. Für sich gesehen, ist Caylus 1303 sehr gelungen und die angegebenen 60-90 Minuten wert.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2-5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
60-90
Jahrgang: 
2020
Spielkategorisierung
Spielefamilie: 
Fotos
Caylus 1303 - Spielszene - Foto von Axel Bungart
Caylus 1303 - Plättchen - Foto von Axel Bungart
Caylus 1303 - Illustrationen - Foto von Axel Bungart
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