Doppelt so clever

eine Spielerezension von Steffi Münzer - 13.06.2019
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Doppelt so clever - Ausschnitt - Foto von Schmidt Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Wisst ihr noch? Das Internet der späten 90er-Jahre? Als plötzlich regenbogenfarbige Comic-Sans-Schriftzüge die ersten, selbstgeschriebenen Html-Seiten zierten? Keine Sorge, das wird jetzt keine Omma-erzählt-von-damals-Litanei. Zurück zum Thema: Mein erster Blick auf das Spielblatt von Doppelt so clever schickte mich gedanklich auf Zeitreise: Grelle Farben, zu viele Zeichen und kein Anhaltspunkt, wohin die Augen zuerst gucken sollen. Ganz wie früher ...

Hätte ich den Vorgänger, das Würfelspiel Ganz schön clever, schon vorher gekannt, hätte ich mir diese unnötige Einleitung sparen können. Schmidt Spiele hat sein erfolgreiches Spiel nämlich weiterentwickelt und eine neue Version auf den Markt gebracht. Rein optisch unterscheiden sich die beiden kaum. Das Roll-n-Write-Spiel ist für bis zu vier Spielende ab acht Jahren geeignet. Ob das Spielprinzip nun besser ist, sich die Augen irgendwann wieder beruhigen und ob sich der Kauf lohnt, kannst Du hier lesen.

Würfelspiel Doppelt so clever, Bild: Steffi Münzer

Wie wird Doppelt so clever gespielt?

Ziel des Spiels ist es, die meisten Punkte zu sammeln. Das Spielprinzip ist genau wie bei Ganz schön clever: Der aktive Spieler würfelt sechs verschieden farbige Würfel und sucht sich im besten Fall den perfekten Würfel zum Punktenotieren aus. Würfel mit niedrigerem Wert wandern auf das Silbertablett (aka Spieleschachtel) und mit den restlichen Würfeln darf er das gleiche noch zweimal wiederholen, bevor sich die übrigen Spieler Würfel vom Silbertablett aussuchen dürfen. Jeder Würfel hat auf dem Spielblatt ein passendes Feld, in dem die Punkte eingetragen werden können. Beim ersten Wurf muss natürlich gut überlegt werden, welchen Würfel man nutzt und welche(n) man schon vorab ins Aus legt. Beim Eintragen werden an manchen Stellen Boni ausgelöst, die entweder sofort oder später verwendet werden. Dadurch kommt es manchmal zu minutenlangen Boni-Ketten. Nach einer durch die Spieleranzahl bestimmten Rundenzahl ist das Spiel zuende und der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Wie gut ist Doppelt so clever?

Hat man das Spielblatt mit seinen dutzenden Kästchen, sechs Farben, Symbolen, Boni-Grafiken, Pfeilen und Linien einmal durchschaut, wissen die Augen genau, wohin sie schauen sollen. Nach den ersten Runden erkennt man schnell die besseren Züge (zum Beispiel, einen 1er-Würfel zuerst zu wählen, weil danach noch alle Würfel im Spiel sind). Und sobald man einmal eine mehrminütige Boni-Kette durchlaufen hat, hat das Spiel einen am Wickel. Wer gerne um die Ecke und in die Zukunft denkt, wer gerne mit Zahlen jongliert und keine malerische Geschichte zum Spielen braucht, kommt bei diesem Spiel voll auf seine Kosten. Es ist anspruchsvoll, allerdings auch familientauglich und für Gelegenheitsspieler geeignet. Die Altersangabe hätte ich eher auf zehn Jahr gesetzt. Aber ich kann mich irren: Leider stand mir kein achtjähriges Testobjekt zur Verfügung. Das Spiel funktioniert sehr gut zu zweit und sogar auch in der Soloversion. Mit einer halben Stunde Spielzeit ist es durchaus kurzweilig, wobei die Revanche und nächste Spielrunde oft schon beim Auszählen angekündigt wird.

Was ist der Unterschied zum Vorgänger?

Material Doppelt so clever, Bild: Steffi MünzerWolfgang Warsch hat das Rad nicht neu erfunden. Braucht er aber auch nicht. Es gibt eine andere Würfelfarbe, einige andere Mechaniken und ergänzende Bonus-Felder. Vor allem die Würfel-Rückhol- und Zusatzwürfel-Boni haben es mir angetan. Wenn ich Doppelt so clever und Ganz schön clever nebeneinander betrachte, möchte ich weniger von Nachfolger und Vorgänger sprechen, mehr von zwei Geschwistern. Sie ähneln sich aufs Haar, sind im Charakter aber dennoch unterschiedlich. Und ich kann keines der beiden Spiele als Gewinner hervorstellen. Die Neuerscheinung ist komplexer und dadurch interessanter, aber nicht unbedingt besser. Gelegenheitsspielern empfehle ich Ganz schön clever zum Einstieg. Ambitionierteren Spielern die Neuauflage. Und wer wirklich Spaß an dem Spielprizip hat, dem seien beide ans Herz gelegt.

Aber ...

Wie anfangs schon erwähnt, ist mir das Spielblatt zu hektisch gestaltet. Ebenso die Spielanleitung. Weiße, leichte, englaufende Schrift auf schwarzem Hintergrund. Das mag schick sein, lässt sich bei gemütlicher Wohnzimmerbeleuchtung aber schlechter lesen als Kaffeesatz. Und die Anleitung konnte mir das Würfelspiel leider nicht erklären. Neu-Spieler, lasst euch nicht abschrecken, schaut euch online Erklär-Videos an oder lasst es Euch persönlich erklären. Das sind Kleinigkeiten, die den Spielspaß nicht beeinflussen, aber wie sagt man so schön: Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Und der ist bei mir für immer mit wild blinkenden Internet-Grafiken verbunden.

Video: 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
1-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2019
Spielkategorisierung
Fotos
Material Doppelt so clever, Bild: Steffi Münzer
Würfelspiel Doppelt so clever, Bild: Steffi Münzer
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