Mafia de Cuba

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 25.11.2016
  Spiel kaufen kommentieren
Mafia de Cuba - Foto von Asmodee
Lesezeit: ca. 4 Minute

Allein schon der Titel weckt Assoziationen aller Art: Mafia de Cuba  - wer da nicht gleich einen inneren Film am Laufen hat mit dunklen Gestalten und etwas heruntergekommenen, aber überaus malerischen Locations … Und dann erst noch die äussere Ausgestaltung des Ganzen! Das komplette Gesellschaftsspiel von Loïc Lamy und Philippe des Pallieres (lui-même/Asmodee) ist in eine handliche, aufklappbare Box verpackt, die unweigerlich und sehr bewusst an eine Zigarrenkiste erinnert. Darin hat Don Alessandro, der Chef und Pate der Gang, denn auch einige Edelsteine abgelegt, die er (aus welchen Gründen auch immer) im Kreis der Mitglieder seines Clans zirkulieren lässt. Wenn das nur gut geht …

Worum geht es bei Mafia de Cuba?

Der Pate, verkörpert durch einen der Spieler in der Runde, füllt also die Zigarrenkiste mit Diamanten und verschiedene Personenchips entsprechend der Anzahl der Beteiligten. Dann lässt er die Kiste rumgehen. Jeder der Mitspieler nimmt daraus nach eigenem Belieben (wenigstens so lange das noch möglich ist) verdeckt entweder einen oder mehrere Diamanten oder aber einen der Chips, mit dem seine Rolle und Aufgabe für den Rest der Partie bestimmt wird. Wenn dann die Kiste wieder beim Paten eintrifft, ist sie meist komplett geleert, worauf der Pate schauen muss, wie er wieder an seine Diamanten kommt.

Dazu befragt er die Anwesenden der Tischrunde und versucht so, Aufschlüsse über die jeweiligen Rollen und Motive zu erhalten. Ist der andere ein schnöder Dieb, der Diamanten aus der Kiste genommen hat? Oder aber ein Getreuer, der den Paten unterstützen und ihm Tipps zum Wiederauffinden der Diamanten und zum Entlarven der Diebe geben will? Oder ist der Befragte gar ein Agent, der nur darauf wartet, vom Paten zu Unrecht angeklagt zu werden, um ihn dann auffliegen zu lassen?

Mafiaspiel mit verschiedenen Rollen

Je nach Größe der Runde gibt es noch weitere Rollen, die den ganzen Ablauf vielfältiger und interessanter, aber auch anspruchsvoller machen. Die Spieler dürfen bei den Befragungen durch den Paten nämlich nach eigenem Belieben (bzw. gemäß der Interessen und Ziele ihrer Rolle) die Wahrheit sagen, lügen, die Aussage verweigern oder aber selbst sprechen, wenn sie gar nicht gefragt sind. Daraus resultiert im Normalfall ein ziemliches Durcheinander aus meist widersprüchlichen Aussagen und Behauptungen aller Art, aus denen der Pate die richtigen Schlüsse  ziehen sollte. Bezichtigt er nämlich jemanden zu Unrecht des Diebstahls, hat er dem Opfer seiner falschen Anschuldigung zur Wiedergutmachung einen Joker abzugeben, um die Partie nicht sofort zu verlieren.

Hat er jedoch effektiv einen Dieb aufgespührt, muss dieser alle seine Diamanten rausrücken und scheidet aus dem Spiel aus. Der Pate dagegen setzt die Befragungen fort, bis er entweder alle Diebe und Diamanten entdeckt oder aber keine Joker mehr hat oder gar auf den Agenten reingefallen ist, Im ersten Fall gewinnt der Pate mit den Getreuen die Partie, im letzten der Agent. Und wenn der Pate keine Joker und auch noch nicht alle Diamanten hat, gewinnt jener Dieb, der die meisten Edelsteine geklaut hatte.

Wie gut ist das Gesellschaftsspiel Mafia de Cuba?

Das alles kann viel Spaß bereiten oder aber in bleierne Rat- und Trostlosigkeit versinken. Entscheidend ist dabei die Zusammensetzung der Runde und das Engagement der Mitwirkenden. Vor allem die Besetzung der Rolle des Paten ist von zentraler Bedeutung. Fühlt er sich wohl in seiner Aufgabe und geht er mit der nötigen List und Aufmerksamkeit ans Werk, kommt meist alles gut und ist ein positiver Verlauf des Spiels absehbar. Ansonsten herrscht bald einmal tote Hose.

Und diese Gefahr ist leider durchaus real. Ungünstig ist vor allem die Tatsache, dass sich die Befragungen arg in die Länge ziehen können und die nicht unmittelbar Beteiligten eventuell das Interesse daran verlieren und sich gedanklich ausklinken oder gar anderem zuwenden können. Und da ist dann der Weg zum totalen Absturz und dem vorzeitigen Übungsabbruch relativ nah. Es ist halt schon wirklich sehr Vieles auf den Paten ausgerichtet und von ihm abhängig, was das Interesse und die Beteiligung aller übrigen Mitspieler entsprechend abfallen lässt.

Positiv ist allenfalls, dass die Spieler ihre Rolle mehr oder weniger frei wählen können. Das ändert allerdings nichts am Umstand, dass Mafia de Cuba im direkten Vergleich mit ähnlichen anderen Spielen in unserer Runde deutlich schlechter abgeschnitten hat und sich kurzfristig niemand mehr für weitere Partien hat begeistern lassen. Das war dann der stille Untergang für Don Alessandro, und da halfen selbst seine Joker nicht mehr weiter.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
6-12
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
10-20
Jahrgang: 
2015
Spielkategorisierung
Mehr zum Spiel