Manitoba

eine Spielerezension von Jörn Frenzel - 22.03.2019
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Gesellschaftsspiel Manitoba - Ausschnitt - Foto von dlp Games
Lesezeit: ca. 6 Minuten

Viel bin ich umhergereist in meinem Leben und kann sehr viel mit den Spieletiteln der Szene anfangen. Meistens kann ich das den Ländern zuordnen, aber bei Manitoba war ich überfordert. Weder wusste ich, was das heißt, noch hatte ich eine Ahnung, um was für ein Thema es sich handelt. Nun bin ich wieder etwas schlauer und weiß, dass Manitoba in Kanada liegt. Nach dem Betrachten des Covers war klar: Indianer! Ich mag dieses Thema und gebe zu, so richtig übersättigt wurde man damit noch nicht. Wikinger, Orks, Cowboys, Zombies - alles fällt zeitweilig in Massen über diesen Markt, aber Indianer bleiben eine kleine Oase in der Spielewelt.  Nun also springt dlp Games mit dem Gesellschaftsspiel von Marco Pranzo und Remo Conzadori auf diesen Zug und macht das richtig gut! Wir führen hier einen Clan von Indianern und versuchen, auf verschiedenen Pfaden möglichst viele Siegpunkte zu erreichen.

Manitoba - der Spielablauf

Indianer-Spielmaterial bei Manitoba - Foto von Jörn FrenzelJeder bekommt seinen Spielplan mit Zeromonienplatz, seinen Lagern, dem Dorfplatz und einem Platz für das Totem. Vier verschiedene Pfade werden in Totemanordnung zusammengelget und deren Farben entsprechen den Totemholzsteinen, mit denen wir spielen und Entscheidungen treffen. Bis auf Blau, die Farbe ist im Visionspfad nicht vertreten. Das Totem besteht eben aus diesen fünf Holzfarbsteinen und die dazugehörigen Pfade geben uns einige Vorteile.

Gespielt wird über vier Jahreszeiten zu jeweils fünf Zügen. Nur der Beginn, der Winter, dient als Einstieg und beinhaltet nur zwei Züge. In der Mitte des Tisches legen wir nun Territoriumteile je nach Spieleranzahl aus und legen die jeweils passenden Güter auf die passenden Landschaften. Diese wiederum entsprechend auch den Farben des Holztotems. Zusätzlich gibt es noch Wampumplättchen im Spiel, die uns Siegpunkte einbringen. Dazu später mehr. Das Spiel verläuft über 15 Runden, wenn man den Winter nur als Einstieg sieht, denn mehr ist er nicht und dient dem Ausgleich bei  der Startspielerreihenfolge. Als erstes setzten wir einen Cree (Indianer) auf ein Territorium und nehmen uns das dort liegende Gut. Drei Cree kommen ins Zelt zum Schlafen und sind erst Mal unbeteiligt, einer geht auf die Siegpunktleiste und der Rest steht im Dorf zur Handlung bereit.

Der Stamm der Cree benötigt Güter

Spielaufbau Manitoba - Foto von Jörn FrenzelDer aktive Spieler nimmt sich das Holztotem und dreht es so, dass die ihm angenehme Farbe oben ist. Nun hat er in diesem Bereich zwei Aktionen. Die oben liegende Farbe gibt dem aktiven Spieler an, wo er einen Cree auf dem Territorium einsetzen darf. Am Anfang geht das nur angrenzend an den eigenen Cree. Das darauf liegende Gut legt man entweder in das passende Lager seines Dorfes oder auf einen der Zeremonienplätze. Federn gelten dabei als Joker und ersetzen alles. Anschließend darf der aktive Spieler auf dem passenden farbigen Pfad des Totems seinen Cree weiterbewegen oder eben einsetzten. Sind man im Verlaufe des Spiels alle Indianer eingeschlafen, kann man auch, je nach Anzahl abgehobener Holzsteine, Crees wieder aufwecken.

Früher spielen oder mehr machen?

Die passiven Spieler können nun aus aus dem gesamten Holzstapel eine Farbe aussuchen und dort entweder auf dem Visionenspfad ebenfalls ihren Cree weiterbewegen oder aber einen Cree in ein passendes Feld des Territoriums setzten. D. h., der aktive Spieler hat immer eine Doppelaktion und die folgenden habe eben nur eine Aktion, dafür aber aus mehreren Farben die Auswahl, wenn der aktive Spieler das zulässt. Auf den Pfaden gibt es Siegpunkte, Waren oder eben Vorteile für das Spiel. Danach führt jeder Spieler das Ereignis aus, das durch die Jahreszeitenkarte vorgegeben ist. Bei der dritten und fünften Karte gibt es dabei dann auch noch Wertungen. Diese werden durch verschiedene Wolken jedesmal anders platziert.

Wertung bei Manitoba

Spielstein von Manitoba - Foto von Jörn FrenzelBei der Wertung heißt es dann, die gewerteten Waren abzugeben und die angegebene Punktzahl zu erhalten. Umgehen kann man das nur auf bestimmten Feldern des Visionenpfades. Die Waren werden dann wieder abgegeben und die Crees kommen vom Territorium zurück in das Dorf zum Schlafen und sind somit erst mal aus dem Spiel. Die Federn kommen nach jeder Wertung aus dem Spiel, es sei denn sie liegen auf dem Zeremonienplatz. Ist dieser mit drei bzw. fünf verschiedenen Waren gefüllt, bekommen wir auch hier Wampumplättchen. Diese ermöglichen es uns, entweder eine Traube gegen eine beliebige Ware zu tauschen oder einen Cree aufzuwecken. Nutzen wir dieses, gibt es am Ende dafür aber nur einen Siegpunkt, ungenutzt gibt es zwei. Nachdem die fünf Karten einer Jahreszeit durchgespielt wurden, folgt die nächste und der Kampf um die Punkte geht weiter. Die nicht genommen Steine werden oben auf das Holztotem gelegt, sodass wieder eine andere Konstellation entsteht. In jeder dieser einzelnen Runden wechselt natürlich der aktive Spieler, sodass man oft vor dem Dilemma steht: Wie viel lasse ich den andern zu? Am Ende müssen wir dann auch nochmal von allen Gütern eine Ware abgeben, sofern man nicht auf dem weißen Visionspfad am Ende angekommen ist, der das erlässt, und es wird gewertet.

 

Fazit: Manitoba ist ein richtig gutes Spiel für Experten

Tableau bei Manitoba - Foto von Jörn FrenzelDas ist schon ein komplexes Spiel und man braucht eine Weile, ehe man den ganzen Rhythmus durchschaut. Jeder einzelnen Weg der Pfade zu beschreiben würde die Rezensionslänge sprengen und diese sind hervorragend im Anhang der Anleitung erklärt. Leider sind sonst die  kleinen Erklärungshilfen dabei gar keine Hilfe. Für ungeübte Spieler sind sie gut wie gar nicht zu gebrauchen. Die Grafiken auf den Karten sind unverständlich.

Aber sonst ist Manitoba ein ungewöhnliches Spiel mit einer enormen Tiefe. Bis jetzt habe ich noch keine Siegstrategie erkennen können und jedes Mal führte ein anderer Weg zum Ziel. Das klingt gut und das ist es auch, aber eben eher für die gehobene Spielerklasse. Ein Familienspiel für einen Weihnachtsabend ist es keineswegs. Die angegebene Altersgrenze ab 12 ist hier echt das Minimum. In allen Spielegruppen kam das Spiel gut an, aber es sind eben auch Spieler. Für den Familienspieler sind die Zusammenhänge doch sehr komplex, obwohl es für mich ganz schlüssig war.

Cover Manitoba - Foto von dlp GamesManitoba strahlt eine angenehme Tiefe und Ruhe aus und will in allen Facetten erforscht werden. Denn hier siegte jedes Mal ein anderer Weg. Es ist schon ein Dilemma zu entscheiden, wie viele Holzsteine ich den anderen lasse oder ob ich praktisch mal aussetze, um meine Crees aufzuwecken. Da ist viel versteckte Interaktion bei, denn immer sind alle Spieler am Geschehen dran. Ein Spiel, das irgendwie anders ist und aus der Masse der Neuerscheinungen hervorsticht. Tolle Grafiken, tolle thematische Einbettung und eine angenehme Spieldauer für die Komplexität lassen hier einem Vielspieler das Herz höher schlagen. Manitoba ist ruhig und anders, aber es gibt uns ein intensives Spielgefühl. Gehört für mich auf alle Fälle auf die Liste des Kennerspiels dieses Jahres. Lassen wir uns überraschen!

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
60-75
Jahrgang: 
2018
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
Fotos
Spielstein von Manitoba - Foto von Jörn Frenzel
Indianer-Spielmaterial bei Manitoba - Foto von Jörn Frenzel
Tableau bei Manitoba - Foto von Jörn Frenzel
Spielaufbau Manitoba - Foto von Jörn Frenzel
Cover Manitoba - Foto von dlp Games
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