Robo Rally (2017)

eine Spielerezension von Axel Bungart - 16.05.2017
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Robo Rally Spielszene - Foto von Axel Bungart

Bei manchen Spielen muss man einfach mit der Zunge schnalzen. Robo Rally von Richard Garfield zum Beispiel, das seit seinem Erscheinen 1994 in Deutschland (Wizards oft the Coast) schon mehrere Leben hatte, wurde in 2017 nochmals von Avalon Hill bzw. Hasbro in deutscher Sprache aufgelegt. Schon der Name allein weckt Gelüste. Hohe Erwartungen eingeschlossen.

Was ist neu an Robo Rally 2017?

Zunächst zum Material: Die Roboter können äußerlich durchaus mit der letzten Ausführung von Amigo Spiele (1999) mithalten. Schaut man ihnen unters Röckchen, sieht man den Unterschied: Im Gegensatz zu den Amigo-Robis sind sie innen hohl, und so fühlen sie sich dann auch leichter und weniger robust an. Aber sei’s drum: Wenn sie auf dem Spielfeld stehen, sehen sie schon schön aus.

Jeder Spieler hat neuerdings ein Tableau zur Kartenablage. Das ist nicht nur überflüssig, sondern leider auch hauchzart. Andere würden sagen wabbelig und billig anmutend. Von gleicher „Qualität“ sind die Checkpointmarker, die man für das Erreichen eines Checkpoints erhält. Dünn und knickanfällig. Dagegen sind die Rebootmarker aus fester Pappe. Auch die Updatekarten sind sowohl grafisch als auch materialtechnisch völlig ok. Energiesteine und Checkpoints aus Kunststoff heben das Ganze dann wieder an. Gemischte Gefühle also, was das angeht. Untergebracht wird alles in einem Tiefzieheinsatz, der allem besten Halt gibt. Sehr schön!

Apropos Tiefziehteil: In meiner Sammlung von mehreren hundert Spielen und Erweiterungen gab es bisher nicht eines, dass seine Spielpläne unter (!) dem Tiefzieheinsatz verbirgt. Will man also sein Spiel aufbauen, muss man erst mal den Tiefzieheinsatz herausholen, um an die Pläne zu kommen. Ein Novum. Herrje, was für eine Idee.

Jeder Spieler verfügt nun über ein eigenes Programmierkartendeck. Die Programmierkarten haben keine Zahlen mehr, die die Reihenfolge bestimmen. Vielmehr richtet sich die Zugreihenfolge nach der Entfernung des Roboters zu einer Antenne auf dem Spielbrett. Je näher man sich dieser befindet, desto früher darf man ziehen. Dann gibt es noch Fehlerkarten: Spam, Virus, Trojaner Wurm. Alle Dinge, die einem Programm eben schaden können.

Wie spielt sich Robo Rally 2017?

Insgesamt ist das Spielgefühl nicht anders als bisher. Was aber definitiv anders ist, ist die Programmierung mit dem eigenen Deck. Solange man nicht so viele Schäden eingesammelt hat, ist das Kartendeck mit 20 Karten übersichtlich und damit auch einigermaßen berechenbar. Wer sich die Anzahl der Karten einprägen kann, hat den Vorteil, relativ genau zu wissen, was ihn in der nächsten Kartenhand erwartet. Kommen Schadenkarten ins Spiel, ändert sich das natürlich.

Und Schäden kriegt man früher oder später. Im Spiel zu zweit oder dritt zwar eher wenige, aber ab vier Personen hagelt es Schäden durch Laserbeschuss anderer Spieler. Während die Schießerei bei Amigo Spiele noch eher freiwillig war, gehört sie hier zum festen Bestandteil. Je enger der Parcours, desto schießwütiger werden die Robis. Spätestens dann sind wir bei Robo Rally beim Deckbuilding angekommen. Und ja: Man kann den Schrott auch wieder loswerden.

Ebenso sind in der Grundversion bereits die Updatekarten im Spiel. Gegen Zahlung von Energiesteinen stattet man damit in gewohnter Weise seinen Robi aus und verleiht ihm damit zusätzliche einmalige oder dauernde Eigenschaften.

Wie gut ist Robo Rally 2017?

Robo Rally hinterlässt einen postivien Gesamteindruck. Für jemanden, der keinen Vergleich zwischen einer bisherigen Version und der Neuauflage ziehen will, ist Robo Rally eine absolut zu empfehlende Anschaffung. Ich wäre auch enttäuscht, wenn das nicht der Fall gewesen wäre.

Das Material ist teilweise verbesserungswürdig, mindert aber nicht wirklich den Spielspaß. Die Spielregel weist ein paar kleine Ungenauigkeiten auf. So stehen z. B. Gruben und Wände in einer Liste mit allen anderen Fabrikelementen, was den Schluss zulässt, auch diese würde erst am Ende eines Zuges aktiv. Auch fehlen Hinweise zu Detailfragen (Können Roboter andere Roboter verschieben, wenn sie von einem Band befördert werden? Spezielle Situationen, die durch Upgradekarten entstehen). Dass nun jeder sein eigenes Kartendeck hat, hat vor allem mal den Vorteil, dass viel Mischarbeit entfällt. Es schadet nichts, dass dadurch die Berechenbarkeit eines Zuges steigt, denn die Unwägbarkeiten im Spiel sind noch hoch genug.

Das alte Schadensystem mit den Schadenmarkern fand ich aber bedeutend effektiver, weil es sich unmittelbarer auswirkte als z. B. die Spamkarten. Hatte ich früher zwei Schäden, habe ich sofort zwei Karten weniger erhalten. Das war bitter. Nun kann es sein, dass ich mal Schadenkarten nachziehe und mal nicht. Und selbst wenn ich welche nachziehe, ist der einzige Schaden der, dass ich eine Programmierkarte weniger habe. Die Funktion des Wurms oder Trojaners kommt aber erst zum Tragen, wenn ich sie im Register einsetze, wozu man meist nicht gezwungen ist.

Ich vermisse auch ein bisschen die Möglichkeit, wie bei der Amigo-Version den Spielplan durch einzelne Elemente gezielt zu ergänzen. So konnte man den Schwierigkeitsgrad nahezu stufenlos anpassen. Das gibt es hier leider nicht mehr.

Insgesamt aber entsteht bei der Neuauflage noch immer ein spannendes, witziges und mitunter chaotisches Rennen, das jederzeit ungeahnte Wendungen nehmen kann.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
45-120
Jahrgang: 
2017
Spielkategorisierung
Spielefamilie: 
Spielethema: 
Fotos
Robo Rally Spielaufbau - Foto von Axel Bungart
Robo Rally Upgrades - Foto von Axel Bungart
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