Santo Domingo

eine Spielerezension von Markus Nussbaum - 14.09.2017
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Santo Domingo - Foto von Pegasus Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Mit Santo Domingo (zuvor Visby bei Ostia Spiele) hat Stefan Risthaus ein Spiel entwickelt, dass sowohl thematisch als auch optisch hervorragend zum bereits bei Pegasus erschienenen Port Royal passt. Grafiker Klemens Franz hat Spielplan und Karten erneut so gestaltet, dass man sich sofort in die Karibik zur Zeit der Piraten zurückversetzt fühlt. Auch bei den Kartenbezeichnungen findet man Anklänge an das erfolgreiche Kartenspiel aus dem Jahr 2014. Und doch ist das Spielprinzip hier ein ganz anderes.

Wie wird Santo Domingo gespielt?

Bis zu sechs Mitspieler setzen identische Kartensets geschickt ein, um am Ende des Spiels möglichst viele Siegel zu erringen, denn Siegel sind hier das Maß aller Dinge. Auf dem Spielplan sind drei Leisten vorhanden, auf denen Holzmarker platziert werden. Rot steht hier für die Siegel-, Blau für die Waren- und Gelb für die Kaufmannsleiste. Alle Marker können bis zu einem Wert von 15 hinaufwandern. Das Kartenset für jeden Spieler besteht aus acht Karten, die aufsteigend nummeriert sind und entweder Personen oder Schiffe zeigen. Zusätzlich erhält jeder Spieler für den Überblick über den eigenen Bestand eine eigene Siegel- und eine Warenkarte.

Zu Beginn einer Runde werden zunächst die Holzmarker auf den drei Leisten hochgesetzt. Wie hoch, richtet sich nach der Anzahl der Teilnehmer. Je höher der Marker auf der Leiste rutscht, umso mehr gibt es an Siegeln und Waren unter den Spielern zu verteilen. Bei der gelben Kaufmannsleiste verbessert sich durch das Hochsetzen das Tauschverhältnis von Waren zu Siegeln.

Jeder Spieler wählt nun eine Handkarte aus (bei weniger als vier Spielern sind es zwei) und legt sie verdeckt vor sich ab. Haben dies alle getan, werden die Karten gleichzeitig aufgedeckt und der niedrigste Kartenwert darf beginnen. Das führt dazu, dass man im weiteren Spielverlauf ein hohes Augenmerk darauf richten sollte, welche Karten von den Konkurrenten bereits gespielt wurden, um die Karten dann taktisch klug einzusetzen. Spiele ich einen Kartenwert nämlich alleine aus, darf ich die Belohnung aus dieser Aktion auch alleine einstecken. Sobald mehrere Spieler die gleiche Karte spielen, wird der Gewinn geteilt und dann so lange von der entsprechenden Leiste abgetragen, bis alle den gleichen Anteil erhalten haben.  Der Kapitän als niedrigster Kartenwert bringt mir zum Beispiel maximal zwei Siegel ein, sofern noch genug auf der Leiste vorhanden sind. Bei einem Admiral wären es schon fünf Siegel, dafür müsste ich die Karte aber idealerweise als einziger spielen und es müssen noch ausreichend Siegel zu verteilen sein.

Schiffskarten bringen Waren, die keinen direkten Nutzen für die Endwertung haben, aber gegen Siegel eingetauscht werden können. Um zu tauschen, muss man die Kaufmannskarte spielen. Spiele ich diese als Einziger, darf ich in dem Verhältnis Waren in Siegel tauschen, die die Position des Markers auf der Leiste angibt. Es lohnt sich also, den Kaufmann erst einzusetzen, wenn der Marker auf den höchsten Werten steht, da man dann für zwei Waren drei Siegel erhält. Da aber die böse Konkurrenz auch so denkt, kommt es häufiger vor, dass die Karte in einem Durchgang mehr als einmal aufgedeckt wird. Für jede weitere Kaufmannskarte die dann offen ausliegt, wird der Marker zwei Felder nach unten gesetzt, was das Tauschverhältnis rapide verschlechtert.

Hat man die Kartenhand der Gegner gut im Blick und ahnt, was als nächstes ausgespielt werden wird, kann man auch die Karten Gouverneur oder Zöllner aufdecken. Diese bringen nämlich für in der gleichen Runde ausgespielte niedrigere Kartenwerte Boni in Form von Waren oder Siegeln.

Und dann gibt es noch als höchste Karte den Bettler. Der wird immer als letzte Karte gespielt und bringt zunächst Waren abhängig davon, wie viele Handkarten man noch besitzt. Zudem darf man alle seine bereits abgeworfenen Karten wieder auf die Hand nehmen und hat im nächsten Durchgang wieder alle zur Verfügung. Nach jedem Durchgang werden die Holzmarker auf den Leisten wieder hochgesetzt und das Ablegen und Ausführen der Funktionen beginnt von neuem. Dies solange, bis der erste Spieler auf seiner Siegelkarte die maximale Anzahl von 30 erreicht. Dann werden noch alle verbliebenen Waren getauscht und der Spieler mit den meisten Siegeln gewinnt.

Lohnt sich Santo Domingo?

Santo Domingo spielt sich flott und macht wirklich Spaß. Die kurze, gut verständliche Regel erklärt jede Eventualität, aber wie bei fast jedem Spiel hat man sie erst ab der zweiten oder dritten Partie richtig verinnerlicht und weiß automatisch, wann man wo welche Holzmarker hoch- und runtersetzen muss. Ist man bereits Profi, kann man auch die Rückseite des Spielplans nutzen, bei der eine Winterversion dafür sorgt, dass das Tauschverhältnis auf der Kaufmannsleiste jahreszeitlich bedingt viel schlechter ist (wobei ich mich schon frage, ob man auf Santo Domingo bei einer Durchschnittstemperatur von knapp 20° im Januar wirklich von Winter sprechen kann). Bei voller Besetzung mit sechs Spielern muss die Beobachtungsgabe schon sehr gut geschult sein, um alle Karten zu ermitteln, die von den Gegnern schon gespielt wurden. Aber auch wenn die Spielzüge mal nicht so laufen, wie man sich das vorgestellt hat, tut das dem Spielspaß keinen Abbruch. In meinen Runden wird das Spiel sicherlich noch oft auf den Tisch kommen, auch gerne vor oder nach einer Partie Port Royal.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2-6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
20-30
Jahrgang: 
2017
Spielkategorisierung
Spielefamilie: 
Spielethema: 
Spielegattung: 
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