Schlag den Raab

eine Spielerezension von Michael Weber - 04.06.2010
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Schlag den Raab von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Wie bitte? Schlag den Raab als Spiel? Das ist doch bestimmt wieder so eine billige Merchandisekiste. Und tatsächlich ist der Stefan der Nation mit einem dicken blauen Auge als Pappaufsteller dabei. Auch sonst sieht das Material erst einmal nicht besonders robust aus, dafür ist die Schachtel rappelvoll. Karten, Pappaufsteller, kleine Figuren, Pappstücke, die zu Footballtoren werden, Eier-Flummis, Würfelbecher, kleine Kunststoffchips, ein Tischtennisball und vieles mehr. Das deutet dann auch gleich darauf hin, dass es sich hier nicht um ein Spiel handelt, sondern um eine Art Spielesammlung. Und die hat es quantitativ und teilweise auch qualitativ in sich.

Mit Action, Geschick und Köpfchen wirbt die Schachtelrückseite und so ist es denn auch. Die Spiele sind alle ganz nah an der gleichnamigen TV-Sendung auf Pro 7 und bieten bei dem vorhandenen Material eine unglaublich große Variationsmöglichkeit.

Es geht darum, dass ein Mitspieler Stefan Raab übernimmt und die anderen Spieler eine Gruppe bilden, aus der bei jedem der kleinen Spiele einer gegen den Raab-Spieler antritt. Dieser hat noch eine Wild Card und kann auch mal einen Spieler ablehnen. Ein Kreisel wird gedreht, um das zu spielende Spiel zu ermitteln, einer der Mitspieler schlüpft jeweils noch in die Rolle des (neutralen!) Kommentators und Moderators. Und schon gehen die Spiele los. Auf diese Weise geht es über eine vorgegebene Runde von Spielen, sodass auch bei den Gegnern des Raabspielers jeder einmal dran kommt. Die Anzahl der vereinbarten Spiele wird vorab festgelegt und bestimmt zudem in etwa die Spieldauer.

Bei den Spielen geht es jeweils um einen Punkt mehr, der für die Gewinnbedingung erzielt werden kann. Spiel eins bringt einen Punkt, das nächste schon zwei und so weiter. Auf diese Weise bleibt es bis zum Schluss recht spannend, weil die hinten liegende Fraktion mit wenigen Spielgewinnen gegen Ende leicht aufholen kann. Sobald der Vorsprung des Führenden nicht mehr aufgeholt werden kann oder das letzte Spiel gespeilt ist, endet Schlag den Raab.

Die Spiele selbst sind eine unfassbare Sammlung witziger und guter Umsetzungen aus der Fernsehsendung. Während Kartenspiele wie „Blamieren oder Kassieren“ oder das Rückwärtsbuchstabieren längerer Worte noch eindeutig und wenig überraschend sind, geht es bei den Actionspielen richtig zur Sache. Das Wettpusten mit dem Tischtennisball oder das Spiel, bei dem Kunststoffchips aus etwa Brusthöhe in den kleinen Knobelbecher geworfen werden, ist noch leicht, aber mit den Chips über die Mikadostäbchenlatte der aufgebauten Footballtorminiatur zu treffen, ist extrem schwer. Oder wie ist es, wenn ein Flummi auf den Boden geworfen werden und wieder aufgefangen werden muss? Ach so, in Flummi in Eiform und deshalb extrem eigenwillig, was die Flugrichtung nach dem Aufkommen angeht. Wie wäre es, sich diesen Flummi zwischen die Knie zu klemmen und einen Wettlauf um den Tisch zu starten? Ja, hier wird spätestens klar, Schlag den Raab ist kein Wissensspiel, sondern ein lupenreines Partyspiel für jedermann. Auch wenn es teilweise bei den Spielchen an Kindergeburtstag erinnert und sicher viele Partyspielhasser vergrätzt. Doch es geht noch mehr. Mit einem Katapultgeschoss soll ein Pappaufsteller mit Dosen umgeschossen werden, Memory ist inklusive oder das fiese Setzkastenspiel, bei dem die Spieler sich die Anordnung von 25 Memorykarten einprägen müssen, um sie danach aus dem Kopf auf den Tisch zu legen.

Schlag den Raab ist ein unglaubliches Spiel. Es sieht aus, als ob man es nicht anfassen möchte, überzeugt nach dem Auspacken aber mit einem riesigen Spaßpotenzial von kleinen Spielen, was übrigens genau die Kurzweile ausmacht. Abgesehen von der Einschränkung das bei gleicher Spielbesetzung die Spiele mit den „Wissenskarten“ schnell an Reiz verlieren, ist Schlag den Raab ein wahrlich gelungenes Merchandiseprodukt, das als Party-Spielesammlung einen Kultcharakter bekommen könnte. Und zwar nicht nur bei Raab-Fans. Ein ungewöhnliches und überzeugendes Spiel für Partylaune. Und mir mag man das glauben, ich mag Partyspiele nämlich nicht besonders ...

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2 - 6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
90
Jahrgang: 
2010
Spielkategorisierung
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