Menara

eine Spielerezension von Michael Weber - 17.11.2018
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Blick auf den Tempel von Menara - Foto von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Kennt noch jemand Villa Paletti? Das Spiel des Jahres von 2002 stand irgendwo im Hintergrund Pate für Menara von Oliver Richtberg (Zoch Verlag). Zumindest scheint es so. Es sind Ebenen zu bauen. Wackelige Säulen werden platziert und Zwischenebenen möglichst ruckelfrei aufgelegt. Dann geht es weiter nach oben. Ein typisches Geschicklichkeitsspiel halt. Allerdings eins, bei dem Taktik eine wichtige Rolle spielt. Und genau das ist der wichtigste Unterschied zu Villa Paletti, dem Menara am Ende gar nicht so ähnelt, wie es scheint.

Wie funktioniert das Geschicklichkeitsspiel Menara?

Bei Menara entscheiden die Spieler sich abwechselnd für eine der möglichen Auftragskarten. Diese sind grob nach Schwierigkeitsgrad getrennt verdeckt ausgelegt. Je schwieriger die Aufgabe ist, desto mehr Säulen kann der Aktive jedoch verbauen. Das wiederum ist gut. Denn viele Säulen erlaube es, schneller eine neue Ebene aufzulegen. Da die Spieler gemeinsam gewinnen, wenn das Bauwerk (der Tempel) hoch genug ist, entspricht das dem gewünschten Ziel.

Es gibt nur ein Problem: Die Säulen sind farbig und müssen auf die ebenfalls farbig markierten Punkte auf den Ebenen passen. Was nun kommt, ist doppelt schwierig. Zum einen muss der Spieler versuchen, passende Farbsäulen in seinem Vorrat zu sammeln. Zumindest weiß er, welche Farben auf den Ebenen gefordert sind. Da er aber vorher nicht weiß, welche Menge er verbauen muss, ist er zum taktischen Abschätzen verdonnert. Dazu darf er vor dem Zug Säulen mit einem sehr beschränkten allgemeinen Vorrat tauschen. Ist die Lage kompliziert, kann er noch immer eine Auftragskarte von einem leichteren Stapel nehmen - so lange diese verfügbar sind. Zum anderen ist es damit selbst dann nicht getan, wenn alles passt. Denn die Säulen müssen auch halten. Da das Gesamtkonstrukt nach und nach immer wackeliger wird, lassen sich nicht alle Säulen ohne Gefahr platzieren. Schnell verrutscht der Schwerpunkt und es kracht. Dann hätten die Spieler verloren. Aber selbst wenn alles hält, ist nicht immer alles super. Denn neue Ebenen müssen ebenfalls von den darunter liegenden Säulen gehalten werden …

Menara bietet noch einige Zusatzregeln, die unter anderem die Höhe und die Verlagerung von Säulen betreffen. Am Ende gewinnen die Spieler, wenn der Tempel hoch genug ist. Sie verlieren gemeinsam, wenn es kracht. Das Spiel funktioniert auch zu zweit sehr gut und ermöglicht sogar ein Solospiel.

Ist Menara ein gutes Geschicklichkeitsspiel?

Menara macht Spaß. Das ist die wichtigste Botschaft. Die Spielregeln sind überschaubar, wenn auch nicht besonders elegant formuliert. Die taktischen Möglichkeiten durch das Tauschen von Säulen, das Wählen eines Schwierigkeitsgrades und das Platzieren der Zwischenebenen sind in ausreichendem Maß vorhanden, um Glück und zitterigen Hände halbwegs auszugleichen. Dennoch bleibt bis zum Schluss ein Spielverlauf, der alle wie gebannt fesselt und mitfiebern lässt.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Die genial gedachte Säulenhalterung als "Vorratskammer" ist in der Praxis einfach untauglich. Das Konstrukt hält schlecht und so ist es einfacher, die Säulen einfach hinzulegen. Die Aufträge (Bauplankarten) sind okay. Allerdings sind die Piktogramme nicht zwingend selbsterklärend und auch die Schwierigkeit kann je nach Mischresultat von Spiel zu Spiel variieren. Die Ebenen sind zwar interessant gestaltet, aber sie sind extrem unhandlich. Eine etwas bessere Form und etwas dickeres Material wäre schöner gewesen. Ebenso fehlt mir ein Schachteleinsatz. 

Allerdings geht es am Ende um den Spaß. Und der ist gegeben. Menara fasziniert sowohl gestandene Runden, als auch Gelegenheitsspieler und Familien. Für völlige Neulinge sind die Regeln anfangs nicht besonders intuitiv, das gibt sich aber schnell. Eine ruhige Hand ist jedoch definitiv erforderlich.

Alternativen zu Menara sind vom gleichen Verlag Riff Raff, Villa Paletti und Bamboleo. Menara hat jedoch den Vorteil, dass es kooperativ ist und eher ein Gesellschaftsspiel als ein reines Geschicklichkeitsspiel ist.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
1-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
2018
Spielkategorisierung
Fotos
Blick von oben auf Menara - Foto von Reich der Spiele
Der Tempel wächst - Menara - Foto von Reich der Spiele
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