Riff Raff

eine Spielerezension von Michael Weber - 30.09.2012
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Riff Raff von Zoch Verlag

Riff Raff ist dieser Gesellschaftsspiele, das viele links liegen lassen, weil es wie Kinderkram aussieht. Das ist jedoch ein fataler Fehler, denn es bietet einen Spielspaß, der ganz am oberen Limit der Möglichkeiten liegt. Selbst gestandene Spielerunden haben mit Riff Raff richtig viel Spaß.

Vorweg: Das Fazit für die schnelle Leserschaft

Na klar, die Warnung vorweg: Wer ungeschickt ist, wird bei diesem Spiel fluchen. Aber sind nicht alle ein bisschen ungeschickt? Und letztlich geht es nicht nur darum. Doch zunächst der Spielaufbau: Zwei richtig dicke Pappteile werden im Schachteleinsatz aufgestellt, darüber ein Holzring gestülpt. Dort hinein wiederum ein Stab mit einer dicken Kugel am unteren Ende. Gehalten wird er im Ring von einem Holzstab. Das ist eine extrem wackelige Angelegenheit, sorgt doch die Kugel mehr oder weniger für eine ständige Bewegung. Auf dem Stab wird nun ein Schiffsrumpf gesteckt. Darauf ein Mast mit drei Holzstäben (Rahen), auf denen ein schmaler und dünner Holzstreifen liegt. Schon ist ein stilisiertes und richtig hübsches Segelschiff fertig.

Wie wird Riff Raff gespielt?

Der erfahrene Spielerblick trügt nicht, sämtliche böse Vorahnungen werden von Riff Raff bestätigt. Denn dieses Wackelkonstrukt steht im Zentrum eines Stapelspiels, bei dem jeder Spieler versuchen muss, acht Holzteile (alle sehr hübsch gestaltet) auf dem Schiff zu platzieren. Natürlich verändert sich durch das zusätzliche Gewicht der Scherpunkt des Schiffes und die nicht mehr sichtbare Kugel sorgt für ordentlich Bewegung. Wohl dem, der jetzt sein Teil noch sicher auf dem Schiff abgestellt hatte.

Aber so einfach ist  es dann auch nicht. Jetzt kommt bei Riff Raff noch Taktik ins Spiel. Jeder Spieler hat zehn Karten (mit Zahlen von eins bis zehn). Vor jeder Spielrunde legt jeder Spieler eine Karte verdeckt aus. Nun wird umgedreht. Wer die höchste Spielkarte gelegt hat, „darf“ nun als erster eines seiner Holzteile auf das Schiff legen. Dabei stellt Riff Raff die Spieler vor zwei Probleme. Problem eins: Je höher die gelegte Zahl ist, desto höher liegt der Schiffsbereich, auf dem die Ware abgelegt werden muss. Das wiederum sorgt für ein schnelleres Kippen (ist klar, haben ja alle in Physik gelernt, jedenfalls, wenn sie aufgepasst hätten). Legt man jedoch eine niedrige Karte, ist das Schiff vielleicht schon randvoll, bis man am Zug ist und ein weiteres Holzteil bringt es ebenfalls zum Kentern. Riff Raff ist ein fieses Spiel. Problem zwei: Das Abstellen der Holzteile auf dem Schiff ist weit schwieriger als gedacht. Sind die dicken Kisten für die unteren Bereiche noch gut geeignet, sorgen sie auf höheren Ebenen für sofortige Schlagseite (Physik und so). Allerdings sind besonders leichte Teile zwar gut auf die oberen Rahen zu legen, aber sie sind auch schnell am Rutschen, wenn das Schiff sich etwas unter der Last bewegt. Da jede Karte nur einmal gespielt werden kann, müssen die Spieler sich ihre Kartenwahl bei Riff Raff sehr gut überlegen, denn die falsche Karte zur falschen Zeit bringt das Schiff in Seenot. Und dann purzeln die Holzteile.

Gelingt es einem Spieler, ein Holzteil sauber zu platzieren, ist der nächste bei Riff Raff am Zug. Fällt jedoch ein Teil oder mehrere vom Schiff, ist Reaktion gefragt. Denn alle Teile, die der Spieler mit der Hand auffängt, kommen aus dem Spiele. Alle, die auf dem Tisch landen, legt er vor sich als Strafe ab. Von seinem Spieleziel, die wenigsten Teile nach zehn Karten vor sich zu haben, ist er wieder seemeilenweit entfernt. Damit man auch mal mutig spielen darf, hält Riff Raff eine besondere Regel vor. Liegt auf den oberen Ebenen bereits ein Holzteil und hat er eine entsprechende Karte gespielt, darf der Spieler auf dieser Ebene zwei Teile platzieren. Problem: Wenn er zwei setzen möchte, darf er nach dem ersten nicht mehr zurückziehen. Selbst dann, wenn das Schiff eine gefährliche Schräglage bekommt. Ein ewiges Dilemma, wie bei allen anderen Aktionen in diesem Spiel auch.

Wie gut ist das Geschicklichkeitsspiel Riff Raff?

Ein Kritikpunkt bleibt: Die Regel, dass Teile aus dem Spiel kommen, die aufgefangen werden, führte in den Testrunden dazu, dass bei vermeintlich schwierigen Ebenen die Spieler vorsichtig ein leichtes Teil auf dem Schiff platzierten, das sicher abrutscht, aber die Schieflage nicht verändert. Das dann rutschende Teil wurde sofort mit der anderen Hand aufgefangen, die bereits in Position gebracht wurde. Da das Teil dann aus dem Spiel kommt, ist das eine Beugung des Spielspaßes, über die sich die Anleitung von Riff Raff leider ausschweigt.

Riff Raff von Christoph Cantzler (Zoch Verlag) ist dennoch ein großartiges Spiel. Das Mitfiebern reicht weit über die Frage, ob ein Teil noch passt, hinaus. Ob und wie groß die Schräglage wird, ob und wie stark damit dem nachfolgendem Spieler sein Zug vermasselt wird und ob der Spieler geschickt genug ist, nicht nur das Holzteil zu platzieren, sondern im Zweifelsfall auch herunterpurzelnde Teile aufzufangen, das ist spannend und macht Jung und Alt, Neuling und Spieleexperten gleichermaßen Spaß. Riff Raff ist eine Herausforderung spielerischer Art, bei der es nicht ums Gewinnen geht, sondern um den Spaß. Und genau das ist gut so. Verdammt gut!

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2012
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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