Das Spiel des Jahres 2009 ist gewählt

Dominion bekommt den roten Pöppel

ein Spiele-Artikel von Michael Weber - 29.06.2009
Dominion von Hans im Glück
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Die Nominierungsliste zum Spiel des Jahres 2009 war mit fünf Spielen besetzt, die aus dem einen oder anderen Grund hätten gewinnen können. Der Jury traute man zum Beispiel zu, das seichte, an Tetris erinnernde Fits zum Sieger zu küren. Ein mutiger Schritt wäre der Sieg von Pandemie gewesen, einem kooperativen Spiel mit ungewohntem Thema. Finca wäre eine Entscheidung auf Nummer sicher gewesen, kombiniert es doch bekannte Mechanismen. Fauna war bei der Umfrage von Reich der Spiele Favorit und hätte mit leichtem Zugang und ungewohnten Schätzfragen aus der Tierwelt viele neue Spieler für Brettspiele begeistern können. Diese vier sind aber nicht Spiel des Jahres geworden.

Sieger ist Dominion von Donald Vaccarino (Hans im Glück). Was soll man sagen. Das Spiel ist einwandfrei ein würdiger Preisträger und hat Potenzial für Erweiterungen und a la Trading-Card Games die Möglichkeit zu Regeländerungen und -ergänzungen allein über Kartentexte. Die Spielanleitung ist kurz und relativ verständlich und bietet mehrere alternative Aufbauten, der Ablauf nach kurzer Eingewöhnung ist sehr eingängig und der Spaß groß. Ein deutlicher Kritikpunkt ist jedoch, dass man selbst bei interaktiven Varianten nebeneinanderher spielt und schon bald nicht mehr darauf achtet, was die Mitspieler eigentlich so treiben. Familientauglich, was die Jury als ein wichtiges Kritierium bei der Wahl auf der Liste stehen hat? Nur bedingt. Der relativ leichte Einstieg in das Spiel darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sowohl Thema als der eigenwillige Deckbaumechanismus nicht jedermanns Sache ist und bei weitem fordernder, als es für geübte Spieler scheint. Hier wäre Fauna der geeignetere Sieger gewesen.

Die Jury hat aber dieses Jahr nach vielen kritisierten Entscheidungen ein Spiel gekürt, dass die Spieleszene liebt. Denn Dominion ist klares Topspiel des Jahrgangs 2008/2009 für erfahrene Spieler. Das heißt nicht, dass "Familien" und Gelegenheitsspieler mit Dominion nichts anfangen können, aber es ist ein Spiel für die Szene. Ob das Nebenher am Spieltisch dafür sorgt, Familien und Gelegenheitsspieler auch ohne Regelerklärer ans hier nicht vorhandene Brett zu bekommen, muss man abwarten. Zu hoffen ist es, hat Dominion doch genug Potenzial und Möglichkeiten der Abwechslung.

Großer Sieger ist 2009 aber auch der Vertrieb Schmidt Spiele, der mit dem Kinderspiel des Jahres und dem Erwachsenenspiel des Jahres beide Preisträger an den Handel weitergibt. Ob das nicht ein zu starker Marktvorteil ist, muss sich die Jury schon fragen lassen. Wenn es gut läuft, wird der Vertrieb bis zu einer Million zusätzlicher Spiele absetzen. Die Jury hat dieses Jahr wie eigentlich nie zuvor einen Einfluss auf den Markt. Bei dieser Gelegenheit muss auch die Frage gestattet sein, ob Hans im Glück wirklich Jahr auf Jahr immer wieder ausschließlich nur gute Spiele macht oder ob der Verlag mit den Juryleuten so eng befreundet ist, dass er dadurch einen leichten Vorteil gegenüber anderen Verlagen hat. Alle Preisträger von Hans im Glück sind sicher verdiente Sieger gewesen, man denke nur an Carcassonne. Andere Verlage, die jedes Jahr ebenfalls gute und zugängliche Spiele veröffentlichen, scheinen aber weit weniger stark im wohlwollenden Blickpunkt der Jury zu stehen.

Das alles wird aber bald niemanden mehr interessieren. Der Würfel ist gefallen, Domion ist Spiel des Jahres. Eine Entscheidung, an der man herumkritteln kann, die aber andererseits spielerisch schon schwer in Ordnung ist. Die Frage nach der tatsächlichen Familienspieltauglichkeit wartet aber noch auf Antwort und die wirtschaftliche Tragweite der Doppelentscheidung der Jury Spiel des Jahres ist 2009 enorm.

 

Hinweis:
Wir haben Dominion rezensiert.