Zug um Zug

Ausstellung, Vortragsreihe und Spielaktionen im Landesmuseum Hannover

ein Spiele-Artikel von Gerlinde Rode und Michael Weber - 14.02.2003
Altes Pachisi von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Die Völkerkundeabteilung des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover richtet vom 13. November 2002 bis zum 30. März 2003 die Ausstellung "Zug um Zug - Würfeln - Setzen - Gewinnen" aus. Da die Ausstellung selbst relativ klein ist, hat das Museum auf ein interessantes Rahmenprogramm Wert gelegt. Neben einigen Vorträgen zu Themen wie "Der (spiel-)steinige Weg" von Dr. Reinhold Wittig (Edition Perlhuhn) oder "Warum das Spielen zum Leben gehört" von Dr. Max J. Kobbert (Sammler und Autor von Das verrückte Labyrinth) werden besondere Aktionen angeboten. Dabei stellen Experten Spiele wie Go oder Carcassonne vor und lassen Interessierte selbst ihr Glück versuchen. 

Awase von Reich der SpieleDie Ausstellung selbst wird auf nur etwa 75 Quadratmetern gezeigt. Hier trifft der Ausdruck "klein, aber fein" zu. Die Besucher erwartet in erster Linie ein grober Überblick über historische Klassiker, die mehr oder weniger zu Recht zu den Wurzeln der modernen Spiele gehören.

Zu den Ausstellungsgegenständen gehören eine ganze Reihe von Würfeln, besonders aus Knochen, die so genannten Astragale (Sprunggelenkknochen). Interessant ist hier eine Gegenüberstellung mit heutigen Würfeln. Das uns mit Mensch ärgere Dich nicht als Light-Version bekannte indische Pachisi ist etwa 500 Jahre alt und dürfte zu den bekanntesten Laufspielen der Welt gehören. Ebenfalls aus Indien stammen die traditionellen Spiele Moghul- und Dasavatar-Ganjita. Beide Stichspiele werden mit kreisrunden Karten gespielt. Vermutlich ursprünglich ebenfalls ein Kartenspiel war Mahjongg, das man heute nur noch mit Spielsteinen kennt.

Ganjita von Reich der SpieleGezeigt werden auch die unterschiedlichen Varianten von Schach: Das japanische Shogi und das chinesische Xiang-Qi. In der langen Geschichte des klassischen Schach gab es immer wieder besonders aufwendig gestaltete Figuren. Ein schönes Exemplar wird in der Ausstellung gezeigt. Ebenfalls für Taktiker ist das etwa 4000 Jahre alte Go, das Spiel ohne Zufall.

Alte Schachfigur von Reich der SpieleVermutlich nicht ganz so alt ist Backgammon. Dennoch lassen Ausgrabungsfunde darauf schließen, dass es bereits vor knapp 3000 Jahren bei den Sumerern gespielt wurde. Ebenfalls ein sehr altes Spiel, dessen Ursprung immer wieder weiter zurück datiert wird, ist das afrikanische Mancala, das bei uns auch als Bohnenspiel bekannt ist. Dieses Spiel kann man wie unter anderem Schach und Pachisi direkt im Ausstellungsraum spielen.

Pachisi darf gespielt werden ... von Reich der SpieleEin wahres Prachtstück der Ausstellung ist ein schönes Awase. Das Spiel ist ein altes japanisches "Memory". Hierfür wurden jeweils zwei Muschelhälften mit identischen Miniaturbildern bemalt, die Darstellungen aus berühmten Werken der klassischen Literatur zeigten.

... genau wie Schach von Reich der SpieleDie gezeigten Spiele und Spielsteine bieten leider nur einen kleinen Einblick in die lange Geschichte des Spielens. Die Verantwortlichen hatten nur zwei Monate Zeit, um die Ausstellung vorzubereiten. Die Leihgaben stammen folglich aus wenigen Quellen, die meisten von der Portheim Stiftung Heidelberg und dem Autor Max J. Kobbert, der eine große Sammlung interessanter Spiele und Spielsteine besitzt. Das Ergebnis ist eine grobe Entdeckungsreise in die Grundthemen des Spiels: Glück und Taktik, Karten und Würfel, Figuren und Steine.

Trotz der kleinen, aber feinen Auswahl an Exponaten ist es erst die begleitende Reihe von empfehlenswerten Vorträgen und Spielaktionen, die der völkerkundlichen Ausstellung Leben einhaucht. Denn dabei werden die Verbindungen zu modernen Spielen geknüpft und die Besucher "Zug um Zug" für ein sehr altes und nach wie vor schönes Hobby begeistert: das Spielen.