Entensuppe

und 53 andere Spiele

eine Spielerezension von Carsten Pinnow - 11.11.2008
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Entensuppe von Bambus Spieleverlag

Das dritte Spielebuch des Bambus Spieleverlages trägt den Titel Entensuppe und beinhaltet über fünfzig verschiedene Spiele. Bei den meisten davon handelt es sich um Kartenspiele, die mit einem halben Romme-Blatt (52 Karten) gespielt werden.

Etwa zwei Drittel der beschriebenen Varianten eignen sich für zwei bis vier Spieler, doch kommen auch größere Runden von bis zu sieben Personen sowie Solospiele nicht zu kurz.

Die Bandbreite der beschriebenen Spiele ist erstaunlich groß: Von einem Nim-Spiel, das von einem Menschen nicht mehr berechenbar ist, über unzählige Stichspiele bis hin zu Poker-Varianten und Versteigerungsspielen reicht das Angebot alleine bei den Kartenspielen. Und dabei handelt es sich keineswegs nur um „Ideen, die nicht das Potential zur zielgruppengerechten Vermarktung“ haben, sondern vielmehr um interessante Mechanismen, die zum Ausprobieren anregen. Spontan fühlt man sich dabei an Mau-Mau erinnert, das Kinder auch heute noch gerne und ausgiebig spielen. Denn wer statt Uno Mau-Mau spielt, der braucht auch die vielen Kartenspiele nicht mehr, die jedes Jahr neu erscheinen. Demjenigen schenkt man einfach einen Satz Romme-Karten und dieses Buch – und schon hat man seine Ruhe. Liebe Eltern, ihr wisst was ich meine …

Allerdings sollte man sich darauf einstellen, dass der Nachwuchs das eine oder andere Spiel auch mal mit Erwachsenen spielen möchte. Berührungsängste sind hier unangebracht, denn manche Spiele stellen höhere Ansprüche, die von Kindern nur bedingt erfüllt werden können. Beispielsweise Wortspiele wie „Aufgegebene Sätze“, einer Nobody-Is-Perfect-Variante.

Zu den Highlights des Buches zählt zweifellos auch „Entensuppe“, das dem Printwerk seinen Namen gegeben hat. „Entensuppe“ ist ein Stichspiel für nur zwei Personen, das überraschend gut funktioniert. Eine Runde wird in zwei „Gänge“ geteilt – im ersten Gang gewinnen die niedrigsten Karten die Stiche, im zweiten die höchsten. Für die Punktwertung ist es zudem entscheidend, ob die Karten eines Stiches aus verschiedenen oder der gleichen Spielfarbe bestehen. Ein Bedienzwang besteht dabei zwar nicht, das Bedienen einer Farbe ist jedoch absolut empfehlenswert, wenn man den Stich nicht bekommt, denn zwei Karten gleicher Farbe bringen nur halb so viele Punkte.

Doch nicht nur ein höherer Kartenwert schlägt die ausgespielte Karte, sondern auch ein gleicher Rang, beispielsweise eine Herz-5 auf eine Pik-5. In solchen Fällen darf mit weiteren Karten des selben Ranges noch einmal gekontert werden. Spätestens wenn alle vier Karten des entsprechenden Wertes gespielt sind ist natürlich Schluss – einen solchen Vierling nennt man dann „Entensuppe“. Dafür gibt es zwar auch nicht mehr Punkte, ärgert aber schön. Zumindest den Mitspieler.

Nach etwa zwei bis drei Runden ist die zum Sieg benötigte Punktzahl erreicht und die Frage nach einer Revanche steht an. Trotz des spürbaren Zufallselements gibt es dank der stets dreizehn Handkarten genügend taktische Möglichkeiten, die in der nächsten Partie zu neuen Strategien anregen. Von klarem Vorteil ist es natürlich, sich zu merken, welche Karten schon ausgespielt wurden – dann kennt man im zweiten Gang nämlich des Gegners Blatt! Kein Spiel also für Grübler oder Alles-Merker, wohl aber für alle anderen.

Ein Fazit zu ziehen, ist nicht leicht bei so vielen verschiedenen Vorschlägen, die dieses Buch bietet. Manche der beschriebenen Spiele wurden schon besser und professioneller auf den Markt gebracht, andere wiederum reizen nur zum Ausprobieren und bieten eher wenig dauerhaften Spielspaß. Dazwischen ein paar echte Perlen und viele Spielideen, die die ganze Familie für viele lange Winterabende beschäftigen können. Alleine schon deshalb ist Entensuppe die Anschaffung wert – trotz des eher biederen Covers.

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