Nautilus

eine Spielerezension von Michael Weber - 31.10.2005
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Nautilus von Reich der Spiele

Es gibt nicht viele Spiele, die sich thematisch mit der Unterwasserwelt befassen. Das schön gestaltete Nautilus (von den Pöppelkiste-Machern Brigitte und Wolfgang Ditt) erinnert an Jules Vernes "20000 Meilen unter dem Meer". In einer farbenfrohen Unterwasserlandschaft errichten die Spieler Forschungsstationen und lassen U-Boote zu Wasser, mit denen sie nach Meeresfunden suchen. Dabei ist die Mischung aus wissenschaftlichem Bezug und literarischer Vorlage in Verbindung mit der Sage um Atlantis gut gelungen. Die U-Boote sehen zum Beispiel dem Roman entsprechend altmodisch aus und ähneln mehr einem kleinen Wal. Ebenso liebevoll sind die Forscher gestaltet, die an den Romanhelden Kapitän Nemo erinnern. Die Währungseinheit im Spiel ist denn auch passend "Nemo". Die verschiedenen Forschungsstationen spiegeln dagegen eher den Bezug zur heutigen Arbeitsweise wieder. Das Spielziel besteht darin, die besten Meeresfunde zu heben und dadurch der erfolgreichste Forscher zu werden. Um diese Aufgabe zu lösen, kaufen die Mitspieler entsprechende Wohn- und Forschungsstationen, die sie dann auf den Meeresboden bauen und durch Forscher in Betrieb nehmen. Dabei ist es durchaus möglich, auch fremde Stationen "für die eigene Arbeit" zu nutzen. Das kostet allerdings alles Geld, und da sind wir auch schon bei der größten Herausforderung im Spiel: Haushalten mit dem Geld. "Nemos" sind wie im richtigen Forscherleben knapp. Man benötigt die Stationen aber, um zum einen Forscher ins Spiel zu bringen und zum anderen Fähigkeiten und Eigenschaften zu verbessern. So darf man zum Beispiel zu Spielbeginn mit Forschern nur maximal drei Felder (Stationen) weit ziehen. Durch Inbetriebnahme von Trainingsstationen verbessert sich diese Eigenschaft auf bis zu fünf Felder. Das gleiche gilt für U-Boote, die zuerst nur vier Meeresfelder weit fahren dürfen, durch Forscher in den Technikstationen erweitern sie ihre Reichweite auf bis zu sechs Felder. Außerdem gibt es noch Analyse-, Versuchs- und Echolotstationen, die weitere Vorteile im Spiel bringen. Diese Phase des Stations- und Forschereinsatzes ist der rein taktische Teil des Spiels. Es gilt zu überlegen, welche Station man zuerst benötigt, um so schnell wie möglich seine U-Boote einsetzen zu können. Denn nur mit den U-Booten kann man die Meeresfunde heben. Die Inbetriebnahme von Stationen bringt bereits Siegpunkte, wer innerhalb einer Stationsart in den meisten Stationen arbeitet, erhält zusätzlich einen Mehrheitsbonus. Nachdem die U-Boote endlich eingesetzt werden können, beginnt die Jagd nach den wertvollen Schätzen. Hier spielt ein teilweise hoher Glücksfaktor hinein, denn die Meeresfunde liegen verdeckt aus. Wer ausreichend "Nemos" besitzt, kann sich den Einsatz eines Echolots leisten und darf sich die Meeresfunde in einem bestimmten Umkreis um sein U-Boot ansehen. Das Bergen der Funde kostet natürlich auch Geld. Diese bringen entweder sofort Punkte oder lassen sich sofort in "Nemos" versilbern. Besondere Atlantisfunde sorgen für etwas Nervenkitzel, denn erst zum Schluss erhält man für diese Schätze in Abhängigkeit von der Anzahl die entsprechenden Punkte. Auch das Gesamtergebnis bleibt bis zum Spielende offen. Das liegt an der außergewöhnlichen Endwertung, denn es werden zwei Summen gebildet, die miteinander multipliziert werden: Punkte für die Forschungsstationen mal Punkte für die Meeresfunde. Das ergibt oft noch überraschende Ergebnisse. Aufgrund des zahlreichen Materials und der umfangreichen Spielregel vermutet man zunächst ein komplexes Spiel, der Ablauf erschließt sich aber sehr schnell. Die Anleitung ist gut strukturiert und verständlich geschrieben. Gelegenheitsspieler werden sicherlich zu Beginn vor der Frage stehen, was das alles soll - gerade in Hinblick auf die Endwertung, Vielspieler sollten nach wenigen Runden zügig ins Spiel finden und werden sich dann schnell Gedanken über Strategie und Taktik machen. Nautilus ist ein optisch ansprechendes Taktik-Spiel. Der Glücksfaktor ist unter anderem von der Spielerzahl abhängig. Das Spiel funktioniert auch zu zweit überraschend gut, der Glücksanteil ist dabei allerdings um einiges höher als im Spiel mit voller Besetzung. Wer dabei in seinem Forschungsgebiet die besseren Schätze hat, ist im Vorteil. Bei mehreren Spielern ist ein schneller Einsatz der U-Boote entscheidend, wobei sich ein Wettlauf um die wertvollsten Meeresfunden entwickelt. Wegen des sich in jedem Spiel anders entwickelnden Spielablaufs ist der Spielreiz von Nautilus hoch und fordert schnell zur nächsten Tauchpartie heraus.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
100
Jahrgang: 
2002
Spielkategorisierung
Spielefamilie: 
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