Vom Kap bis Kairo
Um es vorweg zu nehmen. Dieses kleine Kartenspiel ist ein Mal mehr ein Spiel aus dem Hause Adlung, das jeder andere Verlag als Brettspiel konzipiert hätte. Dass es trotzdem als Kartenspiel funktioniert, ist bemerkenswert. Denn der Mechanismus ist nicht so leicht mit Karten umsetzbar, wie es den Anschein hat.
Wir befinden uns in der Wiege der Menschheit: Afrika, der Kontinent, dem es immer noch an einer durchgängigen Eisenbahnverbindung zwischen Kap und Kairo fehlt. Die Spieler sollen nun dieses Manko beheben. Dabei sind Flüsse, Berge, Savannen und Wüsten zu überwinden. Gespielt wird Vom Kap bis Kairo - na klar - mit Karten. Acht davon müssen als Streckenverlauf von der eigenen Lock überfahren werden, um das Spiel zu gewinnen. Jeder Spieler hat zudem ein Startkapital von 100 Pfund, mit denen er auskommen muss (Schulden machen verboten). Das wird knapp.
Zunächst werden so viele Landschaftskärtchen aufgedeckt, wie Spieler am Tisch sitzen. Das Recht, als erster eine davon auszuwählen wird versteigert. Das Gebot wird von den 100 Pfund abgezogen. In der Reihenfolge der Gebotshöhen entsprechend legen nun die Spieler eine der Landschaften vor sich ab. Im Laufe des Spiels entsteht so eine regelrechte Strecke, die es zu überwinden gilt. Strecken über Gebirge und Flüsse sind teuer, durch Savannen und Dörfer geht es "billiger". Doch was liegt, muss überbaut werden. Der eben Höchstbietende zieht jetzt ein weiteres Landschaftskärtchen vom Nachziehstapel. Dieses legt er aber nicht als Strecke vor sich ab, sondern nun zählen die ein bis drei Gleisteile, die darauf abgebildet sind - diese helfen nämlich beim Bau. Solche Gleisteile gibt es auch auf den zu überbauenden Landschaftsteilen. Diese werden wie die Gleisteile auf den nachgezogenen Karten von den Baukosten der gerade zu bewältigenden Landschaft abgezogen. Fehlende Gleisteile kann man mit 10 Pfund das Stück nachkaufen. Doch das ist auf Dauer zu teuer. Lieber verzichtet man zähneknirschend, denn die nicht genutzten gerade nachgezogenen Karten kommen bei Vom Kap bis Kairo dem folgenden Spieler zugute.
Auch der zieht eine Karte nach, darf aber auch auf die in dieser Runde nicht genutzten Nachziehkarten der Mitspieler zurückgreifen. Das ist besonders dann vorteilhaft, wenn ein Fluss oder Berg bewältigt werden muss, was mindestens neun Gleisteile kostet. Gebaut wird so lange, bis mindestens ein Spieler seine derzeit letzte Landschaft mit der Lok befahren hat und entsprechend neue Landschaftskärtchen benötigt werden. Ist die achte und damit Gewinn bringende Landschaft überbaut, endet das Eisenbahnbauspiel Vom Kap bis Kairo.
Der Mechanismus Vom Kap bis Kairo verwirrt zunächst etwas, erschließt sich aber nach wenigen Minuten und zeigt zudem, wie durchdacht das Spiel ist. Geld ist Mangelware, Gleisteile sind knapp. So verzichtet man aufs Bauen, der folgende Spieler hat Vorteile - aber möglicherweise ein Problem, wenn seine Landschaft schwer zu durchqueren ist. Beim Bieten muss man aufpassen, nicht die Berge oder Flüsse abzubekommen, dennoch muss man auch hierbei mit dem wenigen Geld auskommen. Denn jedes Gebot wird vom Konto abgezogen. Baut man noch zwei oder drei Zusatzgleise, ist Geld schon Mangelware. Lediglich kur vor Ende ist das Spielergebnis bei Vom Kap bis Kairo absehbar. Vorher kann ein Spieler in nur einer einzigen Bauphase vier oder sogar fünf Landschaftskärtchen aufholen. Ein Luxus, der bei allem Kartenglück von den Mitspielern am Ende sicher verhindert wird. Vom Kap bis Kairo ist ein erfrischend anderes Eisenbahnspiel - nicht nur weil das eigentlich sinnvolle Spielbrett nicht in eine Kartenspielschachtel von Adlung passt ...
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