De ontembare Stad

eine Spielerezension von Wolfram Troeder - 31.10.2005
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De ontembare Stad von Anita Borchers
Lesezeit: ca. 5 Minuten

De ontembare Stad - der Titel bedeutet übersetzt „Die unbezwingbare Stadt“ und der Spielplan zeigt auch die Grundfläche einer Stadt, mit Wäldern, Feldern, Wegen und Flüssen. Dies alles umgeben von der Stadtmauer, die als Leiste zur Punktewertung dient. Gegliedert ist das Innere in drei konzentrische Ringe aus Grundstücken, die bebaut werden wollen.

Gebäudekarten zeigen eine Illustration des Bauwerks, die Kosten des Baus, eine Farbe für die Kategorie und einen Buchstaben A, B oder C als Kennzeichnung für die historische Periode. Die Ereigniskarten kommen zusammen mit den Gebäudekarten in den Talon. Die Handelskarte „Pfandhaus“ wird offen ausgelegt. Jeder Mitspieler verkörpert einen Ritterorden. Er erhält zu Beginn unter anderem fünf Bausteine und drei zufällige Gebäudekarten. In der umgekehrter Reihenfolge werden nun zwei bis drei Grundstücke von den Spielern mit einem Pöppel nach festgelegten Regeln beansprucht. Die 48 Grundstücke auf dem Brett liegen unregelmäßig verteilt. Sie zeigen die Art des Felds und dem Wert des Grundstücks von eins bis acht sowie Boni für den Ertrag. Zusätzlich können Felder eine Straße oder einen Wasserlauf oder beides enthalten.

Wer an der Reihe ist, muss Karten vom Stapel ziehen, bis eine Gebäudekarte kommt. Ereigniskarten gelten sofort für alle Spieler. Alle Spieler erhalten nun Ertrag in Bausteinen von einem eigenen Gebäude der gezogenen Kategorie und zusätzlich den Bonus des Felds, auf dem das Gebäude steht. Bei einem Stadtgebäude wird vorher jeder Spieler auf fünf Bausteine herunterbesteuert. Mit seinen Gebäudekarten und seiner Kriegskasse an Bausteinen stehen dem Spieler mehrere Möglichkeiten offen.Bis zu zwei Felder kaufen, dabei müssen diese Felder an eigene Felder angrenzen, und bis zu zwei Gebäude auf eigenen Feldern bauen.Hat er Gebäude im Überfluss, können diese für den halben Preis an das Pfandhaus verkauft werden. Fehlen ihm Gebäude, kann er diese im Pfandhaus für einen Einheitspreis von fünf Bausteinen erwerben. Oder einen Gebäudekarte vom verdeckten Stapel ziehen, ebenfalls für fünf Bausteine.

Das Bauen von Gebäuden ist verschiedenen Einschränkungen unterworfen. Stadtgebäude dürfen nicht auf einem Feld mit Wasser gebaut werden, Gewerbegebäude dürfen nur auf den beiden äußeren Ringen gebaut werden und Handelsgebäude nur auf Felder mit Straßen. Gebäude des Bürgertums dürfen dagegen auf alle Felder gebaut werden. Zusätzlich kann man noch für fünf Bausteine eine Karte vom Einflussstapel ziehen. Diese Karten erweitern die Möglichkeiten erheblich, es ist dadurch zum Beispiel möglich, auch Felder, die nicht angrenzen, zu erwerben oder unliebsame Konkurrenz einfach von einem Feld zu entfernen. Deshalb darf man nur zwei Einflusskarten auf der Hand halten.

Der Zug endet mit der Punktewertung, dabei erhält der Spieler für die neu gebauten Gebäude den Wert in Punkten hinzu. Kommt er dadurch auf ein rot markiertes Feld, erhält er eine Einflusskarte. Im Gegenzug werden aber auch verlorene Gebäude abgezogen. Erreicht ein Spieler eine nach Anzahl der Mitspieler gestaffelte Punktezahl, wird die Runde noch zu Ende gespielt. Dann gewinnt der Spieler mit der höchsten Punktzahl.

Die unbezwingbare Stadt spielt man locker vor sich hin. Selbst in der strategischen Variante kommt für erfahrene Spieler selten Spannung auf. Die Regeln sind zwar solide und die Mechanismen klar und ausgewogen, aber auch aus anderen Spielen bekannt. So spielt man sich schnell ein, eine Dauermotivation fehlt. Dass der Extrakick fehlt, um zu einem guten Spiel zu werden, liegt an mehreren Faktoren. Da sind zum einen handwerkliche Schwächen. Die Kombination des nicht plan liegenden Spielbretts mit kleinen Holzzylindern führt schon bei kleinen Erschütterungen zu einem rollenden Chaos. Auch die übersetzten Texte der holländischen Anleitung führen öfter zu Heiterkeit als zur Klärung von Fragen. Insbesondere die Übersetzung der Kartentexte erinnert an Anleitungen für koreanische Videorecorder und ist zudem schwer zuzuordnen. Dass die Gebäudekarten so groß geraten sind, dass ein darunter liegende Gelände kaum noch zu erkennen ist, ist ebenfalls sehr bedauerlich.

Weitere Schwächen zeigen sich bei der Umsetzung des Themas. Fast möchte man meinen, alles, was nur entfernt mit Mittelalter zu tun gehabt haben könnte, wurde hier verwendet. Wälder und Felder in diesem Umfang innerhalb der Mauern einer Stadt sind ebenso Fehl am Platz wie die Kartenillustrationen, die der italienischen Hochrenaissance entnommen sind, mehr als 400 Jahre nach dem in den Regeln genannten Zeitpunkt. Unbegreiflich ist auch, warum die Spieler unbedingt Ritterorden verkörpern müssen, ein in einer Stadt, noch dazu einer niederländischen, ebenso seltenes Phänomen wie ein Aquädukt, dass nicht ans Wasser gebaut werden darf. Die angekündigten Wikinger haben genauso wenig einen Auftritt, wie die Stadtbewohner, die Bürger. In der Schule hieße so etwas „Thema verfehlt“.

Dass ein eigentlich solides Spiel an solchen Fehlern leidet, ist zu bedauern. Sollten diese nicht abgestellt werden, ist der Käufer mit anderen Spielen zu Thema Mittelalter oder Aufbausimulation wesentlich besser bedient. Selbst dann wird De ontembare Stad nie ein wirklich großes Spiel, dazu fehlt der neue Ansatz, die Innovation, dieses kleine Quäntchen Besonderes.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
75
Jahrgang: 
2004
Spielkategorisierung
Fotos
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