Ghost Stories

eine Spielerezension von Silke Groth - 01.10.2009
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Ghost Stories von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Wu-Feng, seines Zeichens Herr der Neun Höllen, muss man zumindest eine gewisse Ausdauer zusprechen. Auch eine Niederlage und die damit verbundene Verbannung in die Unterwelt kann ihn von seinem Ziel, die Zerstörung der Welt der Lebenden, nicht abringen. Nach langer Zeit hat er den Aufenthaltsort seiner Bestattungsurne entdeckt und bereitet nun seine Wiederkehr auf Erden vor. Nur ein kleine Gruppe Mönche versucht sich ihm in den Weg zu stellen ...

Die Spieler versuchen gemeinsam, lange genug zu überleben, die geisterhaften Helfer Wu-Fengs zu vernichten und damit ihr kleines Dorf zu beschützen, um schlussendlich den Oberbösewicht selbst zurück in seine Privathölle(n) zu schicken. Das Dorf besteht aus drei mal drei Feldern auf denen sich jeweils ein Bewohner niedergelassen hat. An jeweils einer Seite des quadratischen Dorfes legen die Spieler ihre eigene Tafel. Hierauf sind neben der jeweiligen Spezialfähigkeit des Spielers (zum Beispiel ein zusätzlicher Würfel oder die Fähigkeit zu fliegen) leider auch noch drei Plätze auf denen im Laufe des Spieles Geister erscheinen werden.

Jeder Spielzug eines Spielers ist in zwei Phasen aufgeteilt, Yin und Yang genannt. In der Yin-Phase kommt zunächst das Böse zum Zuge. Hier haben bereits auf der eigenen Spielertafel ausliegende Geister ihre Aktionen und eine neue Geisterkarte kommt ins Spiel, häufig auch mit direkten negativen Folgen für die Spieler. Letzteres allerdings nur, wenn noch einer der drei Plätze frei ist. Eine volle Tafel bedeutet einen Verlust an Lebensenergie. Geister können grob in drei Kategorien eingeteilt werden. Einige "bespuken" ausgehend von ihrer Karte alle zwei Runden ein Dorffeld und vertreiben deren Bewohner. Das Dorffeld wird umgedreht und die Spezialaktion des Feldes steht nicht mehr zur Verfügung. Die Spieler sollten dies tunlichst vermeiden, da vier vertriebene Dörfler das sofortige Spielende bedeuten. Eine andere Art von Geistern können die Spieler foltern, mit anderen Worten einen Würfel werfen lassen, der natürlich nichts gutes verheißt. Verlust von Lebensenergie, zusätzliche Geister oder ähnliches stehen hier im unheilvollen Angebot. Die letzte Geisterart gehören zu der Kategorie nerviger Quälgeist. Sie machen zwar keinen direkten Schaden, behindern die Spieler aber immens, in dem sie zum Beispiel Angriffswürfel stibitzen.

In der Yang-Phase kann der Spieler endlich selbst handeln. Hierbei stehen ihm nach einer optionalen Bewegung auf ein angrenzendes Dorffeld zwei Alternativen offen. Möglichkeit eins ist, die Hilfe eines Dorfbewohners in Anspruch zu nehmen. Die Spieler können zum Beispiel wieder ausheilen oder gar wiederbelebt werden, aber auch Buddha-Figuren oder sogenannte Tao-Marker erhalten. Buddhas können einen eintreffenden Geist direkt besiegen, die Tao-Marker sind von essenzieller Bedeutung bei der zweiten Aktionsmöglichkeit des Spielers: Die Austreibung eines Geistes.

Jeder Geist ist genau einem Dorffeld zugeordnet. Steht der Spieler auf diesem, kann er versuchen, den zugehörigen Geist auszutreiben. Um dies zu schaffen, muss er eine bestimmte Anzahl an Farbpunkten zu würfeln, die dem Widerstandswert des Geistes entspricht. So benötigen die normalen Geister ein bis vier gewürfelte Punktsymbole. Die Würfel selbst haben jeweils ein Symbol in jeder Farbe, plus einem zusätzlichen Joker. Da im Normalfall nur mit drei Würfeln gearbeitet wird, ist das Austreiben somit bei robusteren Widersachern keine leichte Angelegenheit. Eine kleine Hilfe sind da die Tao-Marker, die es in allen Würfelfarben gibt. Diese können zusätzlich abgeben werden, um auch bei Würfelpech oder starken Gegnern auf den geforderten Wert zu kommen. Auch können zwei Spieler auf einem Feld ihre Tao-Marker gemeinsam nutzen und so Voraussetzungen verbessern. Geister sind nachtragende Geschöpfe. Darum gibt es für erfolgreiche Austreibungen neben Belohnungen auch den einen oder anderen Fluch hinterher geschmissen.

Das Spiel endet vorzeitig, wenn entweder alle Mönche einen dauerhaften Altersruhesitz auf dem Friedhof erhalten haben, vier Dorffelder umgedreht oder der komplette Geisterstapel durchgespielt wurde, ohne Wu-Feng zu besiegen. Schaffen es die Spieler, genügend von Wu-Fengs Geisterschar auszutreiben, um schlussendlich dem natürlich noch viel fieseren Meister selbst gegenüberzustehen, und besiegen sie ihn in diesem Endkampf, haben sie das Spiel gewonnen.

Ghost Stories ist genau das richtige Spiel für diejenigen, denen andere Kooperationsspiele immer zu leicht waren, denn auch im "einfachen" Schwierigkeitsgrad werden die Spieler zunächst wohl kein Land sehen. Das Spiel trotzdem zu besiegen, ist ein großer Anreiz, setzt aber auf jeden Fall eine gewisse Frustrationstoleranz voraus, um Spaß haben zu können. Auch der Einstieg fällt, trotz mittlerweile überarbeiteter Regel und eigentlich überschaubaren Handlungsspielraum nicht sehr leicht. Schuld daran sind im großen Maße die nicht sehr eingängigen Symbole, von denen es allein bei den Geistern 16 verschiedene gibt. Die unterschiedlichen Dorffelder, sowie verschiedenen Fähigkeiten der Spieler, die man zunächst nicht wirklich sinnvoll einzusetzen weiß, tun ihr übriges.

Wer sich erst einmal eingearbeitet hat, bekommt optisch ansprechendes (eine Art Comic-Hommage an die Chinese Ghost Story – Trilogie) und spannendes Spiel mit Atmosphäre. Für Abwechslung ist gesorgt: Die Dorffelder liegen immer unterschiedlich, das Auftreten der Geister ist zufällig und jeder Mönch hat zwei mögliche Spezialfähigkeiten. Der große Schwierigkeitsgrad erfordert gute Kooperation und Koordination bei den einzelnen Aktionen. Das Spiel ist durchaus in gewissen Maße planbar, mit der Einschränkung, dass das Eintreffen besonderer Geister zum falschen Zeitpunkt (insbesondere mit der Spukfähigkeit) und durchweg negative Würfelergebnisse alle Planungen zunichte machen können.

Was bleibt ist ein gutes Kooperationsspiel, dass aber durch die beschriebenen Einschränkungen nicht von jedem gleichermaßen positiv aufgenommen wird. Für viele ist es einfach zu schwer oder glücksbetont. Optimalerweise finden sich vier Mönche zusammen, allerdings ist es auch bei weniger Spielern, sogar als Solovariante, gut spielbar.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
1 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2008
Spielkategorisierung
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