I am Zombie: Toxic Field Manual

ein Spiele-Artikel von Christoph Brandt - 30.12.2016
I am Zombie: Toxic Field Manual - Foto von Make Believe Games
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Mit I am Zombie liegt das lang erwartete, neue Rollenspielsystem von World-of-Darkness-Schöpfer Mark Rein*Hagen vor. Bereits im Sommer 2013 startete Rein*Hagen über Kickstarter die Finanzierung seines neuen Rollenspielprojektes „I am Zombie“. Nun ist es zumindest schon auf Englisch erschienen, eine deutsche Ausgabe ist aber in Vorbereitung und wird wohl über Ulisses Spiele vertrieben werden. Wir werden uns hier zunächst der englischen Originalausgabe widmen, die neben dem hier zu besprechenden Settingband „Toxic Field Manual“ noch mit dem „Play Kit“ aufwartet, dem eigentlichen Regelwerk zu I Am Zombie.

Die 286 Hochglanzseiten des Toxic Field Manual kommen tatsächlich komplett ohne Regeln aus. Ein zweigeteiltes Grundregelwerk, bestehend aus einem Spieler- und einem Spielleiterhandbuch, ist ja mittlerweile hinreichend bekannt, aber die Konsequenz, mit der bei I am Zombie diese Trennung von Regelwerk und Hintergrundband betrieben wird, ist schon einzigartig. Und wie ich in der Rezension zum Play Kit ausgeführt habe, nicht immer vorteilhaft.

Die Spielwelt von I am Zombie

Im Rollenspiel I am Zombie spielt man – wie überraschend – einen Zombie. Allerdings handelt es sich hierbei mitnichten um die hinlänglich bekannten, dumpfen Fressmaschinen, sondern die hier beschriebene Zombies, die sich selbst als „Toxic“ bezeichnen, sind intelligente, soziale Wesen, die eine geheime Parallelgesellschaft gegründet haben. Die Gesellschaft der Toxic ist letztendlich so alt wie die Menschheit selbst, denn auch jeder „normale“ Mensch kann durch eine Infektion jederzeit selbst zum Toxic werden und damit diese Parallelgesellschaft brauchen, um zu überleben. Eine große Gefahr für die Toxic ist das Odium, eine Substanz, die sich in den Toxic sammelt und bei hinreichender Konzentration die Toxic zu den aus einschlägigen Filmen bekannten hirnlosen Fressmaschinen macht. Daher sind regelmäßige, kollektive Reinigungsrituale notwendig, um dies zu verhindern.

Geprägt wird die Gesellschaft der Toxic von verschiedenen Clans, alle mit unterschiedlichen Zielen und moralischen Vorstellungen. Hier ist Ärger vorprogrammiert. Doch damit nicht genug, hinzu kommen noch zahlreiche äußere bzw. menschliche Feinde. So zum Beispiel die paramiltärische Elitetruppe „Bleach“, die allen Zombies den Garaus machen will, oder auch die WHO, die die Verbreitung der Toxic als Epidemie verstehen und diese eindämmen wollen. Es finden sich also genug Ansätze um Intrigen zu spinnen, Interessen durchzusetzen oder auch einfach nur zu metzeln. Jeder so, wie er es am liebsten hat.

Das Toxic Field Manual ist aus Sicht einer Gruppe erst kürzlich infizierter Toxic geschrieben worden. Hierdurch bekommt man den Eindruck eine Art Überlebenshandbuch in den Händen zu halten, um sich als frisch infizierter Toxic dieser verdeckten Welt nähern und überleben zu können. 

Die Aufmachung des Toxic Field Manual

Wie auch das Play Kit ist das Toxic Field Manual von einer hohen Qualität. Allerdings ist das Layout Fluch und Segen zugleich. Jede Seite, und ich meine damit wirklich jede Seite, hat ein anderes Design. Großformatige Illustrationen, Zitate, Sprüche, Textblöcke sind wie wild und in stetig wechselnden Schriftarten über die Seiten verteilt. Optisch ist das Toxic Field Manual ein absoluter Hingucker und gibt hervorragend die Stimmung dieses Rollenspielsettings wieder. Um es aber durchzuarbeiten und sich systematisch mit der Spielwelt zu befassen ist es ein graus. Hinzu kommt, das gefühlt zweidrittel der Seitenzahlen dem Layout zum Opfer gefallen sind und somit trotz recht gut strukturiertem Inhaltsverzeichnis das Auffinden spielrelevanter Informationen eher zufällig passiert. Aber vielleicht bin ich auch einfach nur zu pragmatisch oder gar zu alt (konservativ) für das Design, schließlich ist so etwas ja auch immer Geschmackssache.

Fazit: Lohnt sich das Toxic Field Manual?

Zombies sind ja nun schon seit einiger Zeit in Mode, da ist es ja fast schon naheliegend auch ein Rollenspiel hierzu auf den Weg zu schicken. Im ersten Moment ist es sehr angenehm, dass Rein*Hagen sich bei seinen Zombies nicht den einschlägigen Klischees bedient und diese als tumbe Fressmaschinen anlegt. Es wäre auch die Frage, ob dies für ein eigenes Rollenspielsystem trägt. Aber das stattdessen von ihm entwickelte Setting einer verdeckten Geheimgesellschaft mit ihren Antagonisten lässt dann doch zu viele Parallelen zu seiner World of Darkness erkennen. Insgesamt bekommt man den Eindruck, mit I am Zombie versucht Rein*Hagen eine neue, bessere World of Darkness zu erschaffen, und kein wirklich eigenständiges Setting zu kreieren. Allerdings ist die I-am-Zombie-Spielwelt deutlich brutaler als die World of Darkness. Durch den kompletten Verzicht auf Regeln kann das Toxic Field Manual universell für viele Rollenspielsysteme eingesetzt werden. Selbst wenn man sich einfach nur mit einer (möglichen) Zombiewelt beschäftigen möchte,  ist das Toxic Field Manual eine interessante und lohnenswerte Anschaffung. Vorausgesetzt man stört sich nicht am Layout.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieleautor: 
Grafik: 
Altersangabe: 
13+
Jahrgang: 
2016