Inquisitio

eine Spielerezension von Christoph Brandt - 10.02.2010
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Inquisitio von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Der kleine finnische Spieleverlag Tuonela ist bisher eher wenigen bekannt. Dies wird sich leider auch nicht durch das neueste Spiel aus diesem Hause ändern, denn um Inquistio gut zu finden darf man nicht zu pietätvoll sein, und eine gehörige Menge schwarzen Humors gehört obendrein dazu. Das Spiel reiht sich also nahtlos in die bisherigen, eher ungewöhnlichen Spiele des Verlages aus dem hohen Norden ein. Dafür werden die bisherigen Tuonela-Fans wohl wieder begeistert sein.

Wir schreiben das Jahr 1609 und befinden uns im Norden Spaniens. Die Spieler werden von der Heiligen Inquisition der Hexerei angeklagt und sehen sich schweren Folterungen ausgesetzt, unter denen sie ihre unheiligen Taten gestehen sollen. Wer möglichst wenig gesteht, nur wenige typische Hexenmerkmale besitzt, seine Mitspieler erfolgreich der Häresie bezichtigt und trotz brutaler Folter weder stirbt noch verrückt wird, gewinnt das Spiel. An dieser kurzen Beschreibung des Spielhintergrundes sieht man schon, dass das Spiel nichts für Zartbesaitete ist.

Inquisitio kommt als Kartenspiel daher, bestehend aus 138 schön illustrierten Karten und zehn hölzernen Zählsteinen. Die Karten sind in Finnisch und Englisch bedruckt, so kann man ganz nebenbei auch noch etwas lernen. Die Regeln liegen in Finnisch, Schwedisch und Englisch bei und sind überraschend übersichtlich und gut strukturiert. Auch mit einem nicht allzu guten Schulenglisch sind sie problemlos zu verstehen, dafür einen dicken Pluspunkt.

Jeder Spieler wird mit Geld und Hexenmalen ausgestattet, die dieser verdeckt auf der Hand hält, sowie einer Karte, auf der physische und psychische Trefferpunkte angezeigt werden, und schon kann es los gehen. Hinzu kommen noch zwei Hilfekarten, die noch einmal die verschiedenen Karten erklären und den Rundenablauf skizzieren.

Die Spieler werden der Reihe nach der Hexerei angeklagt. Dies geschieht, indem der erste Spieler eine Befragungs-Karte, den „Interrogator“, vom Stapel zieht. Auf dieser ist angegeben, welcher schrecklichen Hexentat der Spieler bezichtigt wird (Flug auf einem Besen, Blasphemie, Teilnahme an einem Hexen-Sabbat, Pakt mit dem Teufel, das Wirken von Hexenzaubern etc.) und nach welchen Hexenmerkmalen (Warzen, Muttermale, Narben, taube Körperstellen, dritte Brustwarze etc.) der „Interrogator“ sucht. Eine zweite Karte gibt schließlich an, welcher Foltermethode sich dieser bedient. Der Spieler muss nun entscheiden ob er sich der Befragung stellt, oder ob er den „Interrogator“ besticht, womit sich dieser dem nächsten Spieler zuwendet. Dieser kann den „Interrogator“ erneut bestechen, selbstverständlich zu einem höheren Preis, und so kann es vorkommen, dass der „Interrogator“ von einem Spieler zum anderen wandert und schließlich wieder beim Ausgangsspieler landet.

Stellt sich der Spieler der Befragung, so muss er alle Hexenmale von seiner Hand aufdecken, nach denen der „Interrogator“ sucht. Außerdem nimmt er den physischen und psychischen Schaden, der auf der Folterkarte angegeben ist. Weiterhin erleidet der Spieler durch die Folter Verletzungen, die in weitere Hexenmerkmale münden, die dieser verdeckt auf die Hand nimmt. Allerdings bekommt der Spieler auch Geld, dass ihm die Verwandten in den Kerker schmuggeln. Der „Interrogator“ wandert schließlich auf den Ablagestapel. Der Spieler kann sich aber auch schuldig bekennen, womit der „Interrogator“ mit seiner Befragung erfolgreich ist und auf einen zweiten Stapel, den Zählstapel, wandert. Darüber hinaus werden die Auswirkungen der Folter reduziert, womit man sein Leben retten kann, und man darf einen weiteren beliebigen Spieler der Hexerei bezichtigen und nach einem bestimmten Hexenmal fragen. Hat der Spieler dieses Hexenmal auf der Hand, so muss er dieses vor sich hinlegen. Im Gegenzug gilt man als Überführt und muss eine Karte, die die blasphemische Tat des Spielers darstellt, vor sich auslegen.

So geht es der Reihe nach weiter bis alle 18 Befragungskarten durchgespielt sind. Spieler, die vorher alle ihre psychischen oder physischen Trefferpunkte verlieren, werden durch die Folter verrückt oder sterben und scheiden aus. Für alle anderen geht es nun ans Punkte zählen. Hierzu werden die Symbole auf den „Interrogator“-Karten des gemeinsamen Zählstapels mit den Hexenmalen und den überführten Taten der Spieler verglichen. Je mehr Übereinstimmungen es gibt, desto mehr Schuld-Punkte bekommt der Spieler. Der Spieler mit den meisten Schuld-Punkten wird auf dem Scheiterhaufen verbrannt und scheidet ebenfalls aus. Die verbleibenden Spieler zählen nun ihre physischen und psychischen Trefferpunkte zusammen, multiplizieren das Ergebnis mit drei und ziehen davon ihre Schuld-Punkte ab. Wer nun die höchste Punktzahl hat gewinnt.

Wer sich weder an dem morbiden Hintergrund des Spiels noch an der englischen Anleitung stört, den erwartet mit Inquisitio ein überraschend komplexes und taktisches Kartenspiel, das recht leicht zu erlernen ist. Um das Spiel zu gewinnen muss man sehr klug vorgehen. Zum einen muss man möglichst viele Folterungen ertragen, um nicht allzu viele Hexentaten zuzugeben, umgekehrt muss man aber auch darauf achten, nicht zu viele Trefferpunkte einzustecken, sonst gerät der Gesamtsieg in Gefahr, und überleben will/muss man ja auch. So bleibt einem nichts anderes übrig, als schließlich doch irgendwann Taten zu gestehen. Welche Taten man gesteht, will aber ebenfalls gut überlegt sein, denn diese zählen ja am Schluss als Schuld-Punkte. Gesteht man gar die gleiche Tat mehrfach, so potenzieren sich die Schuld-Punkte hierfür noch. Etwas merkwürdig ist zwar im ersten Moment, dass ein Spieler für das Ertragen der Folter Geld bekommt, aber die Spielmechanismen wollen es so und dadurch kann man getrost darüber hinweg sehen. Denn durch wilde Bestechungsrunden gerade in kleinen Spielrunden kann es ganz schnell sein, dass man sich plötzlich selbst erneut auf der Anklagebank wieder findet und man sich eine weitere Bestechung nicht mehr leisten kann. Umgekehrt kann man mit diesem Instrument aber auch die Mitspieler herrlich reinreißen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
3 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
13
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2009
Spielkategorisierung
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