Kobold

eine Spielerezension von Florian Kirchhof - 30.06.2018
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Kinderspiel Kobold - Foto von Queen Games
Lesezeit: ca. 6 Minuten

Wo habe ich denn mein Lieblingsball gelassen? Und wo ist überhaupt mein Teddy schon wieder hin? Jeder von uns kann sich wohl mehr oder weniger dunkel daran erinnern, als Kind im Kinderzimmer nach verloren geglaubten Sachen gesucht zu haben. Das eventuell Kobolde im Spiel sind, haben uns unsere Eltern wohl nie so richtig geglaubt. Aber jetzt Jahre später kommt der Gegenbeweis in Form eines Kinderspiels. Kobold von Marco Ruskowski und Marcel Süßelbeck (Queen Games) lässt uns in die Rolle der kleinen fiesen Kobolde schlüpfen und dem armen Moritz die Spielsachen aus dem Zimmer stibitzen. Naja, jedenfalls solange er uns nicht mit seiner blöden Taschenlampe erwischt.

Kobold: Unsere erste Diebestour

Ich habe das Spiel im Kindergarten mit Kindern von vier bis fünf Jahren ausprobieren dürfen. Bevor es losgeht müssen die 66 runden Chips ausgestanzt werden. Auf ihnen sind Bälle, Teddys, Kristalle in vier verschiedenen Farben, Autos und Kasperpuppen. Toll an Kobold ist, dass der Karton zum Kinderzimmer, sprich zum Spielbrett wird. Auf zwei diagonalen Stegen findet der doppelseitig bedruckte Spielplan halt. Je nach Mitspieleranzahl wird eine der beiden Seiten gewählt. In der Mitte findet sich Moritz als 3D-Pappaufsteller, dem man schlussendlich noch den Lichtschein der Taschenlampe in Form eines geviertelten Kreises aus Pappe überstülpt. Das auf dem Spielplan gedruckte Kinderzimmer ist mit einem Kreis versehen. Innerhalb des Kreises gibt es sieben Teilstücke auf denen unterschiedlich viele Chips Platz finden. Zwei der sieben Teile sind immer vom Schein der Taschenlampe blockiert. Das Ganze sieht dann in etwa wie folgt aus.

Bevor es losgehen kann, werden auf allen sichtbaren Feldern die Chips verteilt. Die Felder unter dem Lichtkegel bleiben natürlich frei. Dann kann es auch schon losgehen. Jeder Spieler erhält drei Kobolde. In der ersten Runde heißt es nun: Kobold platzieren. Wir suchen reihum einen Gegenstand im Zimmer aus, den unser Kobold stibitzen soll und stellen ihn in den Bereich, wo der Gegenstand liegt. Ist einer von uns an der Reihe, der bereits einen Kobold ins Kinderzimmer geschmuggelt hat, hat er die Wahl. Holt der den Kobold zurück oder traut er sich, einen weiteren ins Kinderzimmer zu stellen? Dabei gilt, es dürfen nie mehr Kobolde einer Farbe in einem Bereich des Kreises stehen, als es dort Chips zu ergattern gibt. So verteilen wir nun also unsere Kobolde, bis einer von uns sagt: Kobolde, komm zu mir zurück. Alle vom Spieler aufgestellten Kobolde wandert samt geklauten Gegenständen zurück zum Spieler. Nun kommt der Würfel ins Spiel. Dieser zeigt uns nach einem erfolgreichen Diebstahl an, ob Moritz sich mit der Taschenlampe weiterdreht. Je nach Richtung und wie viele Felder sich Moritz dreht, kann es nun passieren, dass die Kobolde der anderen vom Lichtstrahl getroffen werden. Passiert dies, wandern sie zu ihren Spielern zurück, natürlich mit leeren Taschen. Nun werden alle freien Felder wieder mit neuen Chips ausgelegt und es geht weiter. Kehren die nächsten Kobolde zurück oder wird ein weiterer Kobold ins Kinderzimmer geschmuggelt?

Kobold: Ziel des Spiels?

Um Kobold gewinnen zu können, benötigen wir Punkte. Punkte gibt es unteranderem dafür, dass wir alle vier farbigen Diamanten einsammeln und eintauschen. Dem ersten Spieler, dem dies gelingt, erwarten dafür fünf Punkte. Jedem weiteren Spieler immer weniger. Sind alle Diamanten Punktetafeln (fünf an der Zahl) verteilt endet das Spiel.

Es gibt jedoch auch Punkte im Kinderzimmer zu erhaschen. Ab und an landet ein Chip auf dem Spielfeld, der ein extra Punkt gibt. Wer ihn zuerst stibitz, darf sich glücklich schätzen. Und dann gibt es da noch die „Blitzchips“. Darauf sind die Spielsachen und ein Blitz zu sehen. Sammelt ein Kobold diesen Chip ein, wird geguckt, wer bereits am meisten des angezeigten Spielzeugs gemopst hat. Dieser Spieler erhält zwei Punkte. Bei Gleichstand beide Spieler jeweils einen. Schaffen es die Kobolde nicht die Diamanten zu erhaschen, wird solang gespielt, bis keine Spielsachenchips mehr nachgelegt werden können. Spätestens dann endet das Spiel. Nun wird es allerdings noch einmal spannend. Denn am Ende des Spiels winken die Bonuspunkte. Wer am meisten Chips eines Spielzeugs ergattert hat bekommt dafür nun nochmal Punkte. Bei Gleichstand gehen alle leer aus.

Hach ihr kleinen fiesen Kobolde, was macht ihr uns Freude!

Ich muss sagen, das Spiel macht wahnsinnig viel Spaß. Ich habe es oft, mit ganz verschiedenen Kindern und in unterschiedlichsten Konstellationen gespielt und jedes Mal hat es uns allen richtig viel Freude gemacht. Der Aufbau des Spiels geht schnell von der Hand. Lediglich das verdeckte austeilen der 66(!) Spielsachenchips zieht sich ein kleines bisschen.

Das Kinderzimmer ist wunderschön illustriert und auch die Chips, die Pappaufsteller für die Bonuspunkte und Moritz sind einfach nur schön anzuschauen. Kinderaugen finden im Kinderzimmer auch nach der 5. Spielrunde noch etwas Neues zu entdecken.

„Kobold“ ist eines dieser Kinderspiele, die leicht zu erlernen, aber schwer zu meistern sind. Da es unterschiedlichste Wege gibt Punkte zu sammeln, gibt es verschiedenste Strategien die angewandt werden können. Und trotzdem ist es für die Kinder verständlich. Ich habe die Erfahrung gesammelt, dass Kinder mit vier Jahren nach einigen Runden ebenfalls sehr gut mitspielen konnten. Das gesamte Spiel lebt von Weitsicht und Taktik.

Nicht schlecht habe ich gestaunt, als ich einen Jungen fragte, warum er denn jetzt den grünen Diamanten einsammeln will, da er bereits einen habe und dieser ihm absolut nichts bringen würde. Seine kurze und ehrliche Antwort: „Damit du keine vier Diamanten bekommen kannst!“. Und recht hatte er, die Punkte konnte ich mir nicht holen. Schwierig ist es für die Kinder manchmal zu überblicken, dass ein Spieler vor ihnen bereits einen Kobold gesetzt hat und der Diamant, den sie eigentlich haben wollen, wahrscheinlich nicht mehr da sein wird. Jedoch lernen die Kinder das schnell und werden es sicher später auch auf andere Spiele übertragen können.

Manchmal setzen die Kinder ihre Kobolde direkt neben die Taschenlampe, was sehr gewagt ist, jedoch auch zum Erfolg führen kann. Einige Felder im Kinderzimmer werden verdeckt belegt, was dem ganzen Spiel auch eine kleine Priese Glück verleiht. Ebenso verhält es sich natürlich mit dem Würfeln. Toll ist, dass der Würfel links und rechts mit den Farben Gelb und Blau ersetzt. Somit kann man mit den Kindern direkt über spielerisch Links-Rechts-Übungen machen.

Eines sollte man sich vor einer Runde Kobold bewusst machen. Es dauert. Ich weiß beim besten Willen nicht, wie hier von einer Spieldauer von 20 Minuten gesprochen werden kann. Ich habe keine Runde in unter 45 Minuten spielen können. Anfangs dachte ich, vielleicht werden wir noch schneller, aber durch die taktischen Komponenten und die Menge an Chips, möchte man sich die Zeit lassen. Viel erstaunter bin ich darüber, dass die Kinder die Zeit tatsächlich komplett am Ball bleiben. Ich habe kaum Kinder erlebt, die aufhören wollten, weil sie den Spaß verloren haben. Im Gegenteil, die meisten wollen sogar direkt eine weitere Runde spielen. Mehr Lob geht in diesem Alter kaum.

Zusammengefasst handelt es sich bei Kobold um ein wirklich tolles Kinderspiel. Es erweitert das taktisch vorausschauende Denken der Kinder und durch die geschickt eingebauten Glückselemente (Würfel, verdeckte Chips) merkt man förmlich, wie die Kinder in das Spiel eintauchen und sich fesseln lassen. Selbst die lange Spieldauer tut hier keinen Abbruch, sondern schafft es eher, dass Kinder sich über längere Zeit auf ein Spiel konzentrieren und am Ball bleiben. Ich werde direkt morgen eine weitere Runde im Kindergarten spielen, soviel steht fest.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
6
Spieldauer (Minuten): 
20
Jahrgang: 
2018
Spielkategorisierung
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