La Granja

eine Spielerezension von Ralf Schallert - 27.09.2016
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Brettspiel La Granja - Foto von PD Verlag
Lesezeit: ca. 6 Minuten

Spanien, Mallorca. Blauer Himmel, flirrende Hitze, die gleichmäßigen Geräusche der Zikaden. Wir plantschen im Pool, wenn wir uns nicht gerade in einer Sonnenliege herumlümmeln. Moment mal … hier stimmt doch etwas ganz und gar nicht.

Also, noch mal alles auf Anfang: Spanien, Mallorca. Blauer Himmel, flirrende Hitze, die gleichmäßigen Geräusche der Zikaden, und wir versuchen eine Finca samt dem angeschlossenen Bauernhof so gut zu bewirtschaften, dass sie einen ordentlichen Ertrag abwirft. Das bedeutet Arbeit, richtig viel Arbeit. Noch dazu, wenn wir nicht allein diese Idee haben, sondern ein harter Wettbewerb mit den Besitzern der anderen Bauernhöfe rund um das Städtchen Esporles entbrannt ist. Der dortige Marktplatz ist klein und nur, wer zuerst seinen möglichst großen und wohl ausgestatteten Marktstand errichten und die örtlichen Handwerksgebäude beliefern kann, wird seinen Schnitt machen.

Das Brettspiel La Granja ist das Erstlingswerk von Mike Keller und Andreas Odendahl und erschien in seiner ersten Auflage bei Spielworxx. Schnell war diese nur auf 1.000 Exemplare beschränkte Auflage ausverkauft, und ein großer Hype entstand um dieses Spiel. Dankenswerterweise brachte der PD Verlag eine neue Auflage auf den Markt. Wichtigste Änderung dabei: Alle Kartentexte waren nunmehr in deutscher Sprache gehalten.

Worum geht es beim Brettspiel La Granja?

Im Spiel bewirtschaften die Spieler jeweils kleine Bauernhöfe, bauen Korn, Oliven und Weintrauben an und züchten Schweine. Diese Lebensmittel können sowohl als Erntegut an den Markt oder die städtischen Handwerksbetriebe geliefert oder zu Nahrung, Wein oder Fleisch weiterverarbeitet werden. Zentraler Bestandteil des Spiels sind die 66 Hofkarten. Diese können auf vier verschiedene Arten an das jeweilige Spielertableau angelegt und dadurch auch völlig unterschiedlich genutzt werden. So ist es möglich, Felder mit Erntegut anzubauen, Hofausbauten mit verschiedenen Nutzungen zu errichten, Marktkarren zur Befüllung und der anschließenden Belieferung der eigenen Marktstände in der Stadt bereitzustellen oder spezielle Helfer mit Sonderfähigkeiten anzuheuern. Dabei sind die Marktkarren und Helfer auf jeweils drei limitiert, eine Beschränkung für Felder oder Hofausbauten gibt es nicht. Die Stadt wird dabei durch ein zentrales, für alle Spieler zugängliches Spielbrett realisiert.

Wie wird das Brettspiel La Granja gespielt?

Das Brettspiel La Granja läuft über sechs Spielrunden die sich jeweils wiederum in jeweils vier Phasen aufgliedern: die Hofphase, die Ertragsphase, die Transportphase und die Wertungsphase.

In der Hofphase wird durch die Spieler jeweils eine Hofkarte auf ihr Tableau ausgespielt und eine neue nachgezogen. Sie erhalten anschließend ihr Einkommen, auf leeren Feldern wachsen Erntegüter und ggf. vermehren sich Schweine. Außerdem können die Spieler sogenannte Dachmarker kaufen. Damit bessern sie Runde für Runde das schadhafte Dach ihrer Scheune aus, erhalten dafür Siegpunkte und können vom Dachmarker abhängige Bonus-Aktionen ausführen.

In der Ertragsphase kommt ein weiteres Spielelement hinzu, das Vielspieler schon aus anderen Spielen kennen: Die Ertragswürfel. In Abhängigkeit von der Anzahl der Spieler wird mit W6-Würfeln gewürfelt, welche nach den Würfelergebnissen geordnet werden. Dabei ist jedem Würfelergebnis ein Ertragsfeld mitsamt der zugehörigen Aktion zugeordnet. Von diesen Würfeln bzw. Aktionen wählen sich die Spieler in Reihenfolge einen und später einen zweiten aus. Die Aktion des übrig geblieben Würfels können alle Spieler ausführen. So ist es möglich, Grundrohstoffe oder Geld zu erhalten, Grundrohstoffe aufzuwerten oder Lieferungen durchzuführen.

In der Transportphase wählt jeder Spieler geheim einen seiner vier verfügbaren Eselsmarker aus. Diese haben immer ein bestimmtes Verhältnis von möglichen Lieferungen und Ruhezeiten. Geliefert wird zu den Transportkarren auf dem eigenen Hof oder den Handwerksgebäuden in der Stadt. Ruhezeiten hingegen sorgen für ausgeruhte und frische Mitarbeiter, beeinflussen die Spielerreihenfolge und können Siegpunkte generieren. Sind die eigenen Transportkarren voll, werden sie zum Markt gebracht und lassen dort einen neuen, eigenen Marktstand entstehen, der kleinere, konkurrierende Marktstände verdrängt. Wird durch eine Lieferung zu den Handwerksbetrieben deren Bedarf vollständig gedeckt, erhält der Spieler einen Handwerksmarker mit einem Sofort-Bonus und einer Dauerfunktion die in jeder Runde greift. Zusätzlich wird eines der drei seit Spielbeginn gesperrten Handwerksgebäude für alle Spieler geöffnet und kann ab sofort beliefert werden.

In der Wertungsphase gibt es dann Siegpunkte für die Position auf der Siestaleiste und für die Anzahl der Marktstände. Zudem wird die neue Spielrunde vorbereitet.

Zusätzlich können in jeder Phase während des eigenen Zuges noch die so genannten Jederzeit-Aktionen ausgeführt werden. Dazu gehören neben der Ausführung von mit Handelswaren oder Dachmarkern verbundene Aktionen auch der Kauf und Verkauf von Grundrohstoffen oder deren Aufwertung zu Nahrung, Wein oder Fleisch. Durch diese zusätzlichen Möglichkeiten zur Geld- oder Rohstoffbeschaffung ist das Spiel immer flexibel und selten kommen die Spieler an einen Punkt, an dem sie in einer Sackgasse stecken.

Wie gut ist La Granja?

La Granja ist aufgrund seiner Regelfülle, deren starke Verzahnung und seiner Spieldauer eindeutig ein Spiel für Vielspieler. Öffnet man die Schachtel zum ersten Mal, so ist man allerdings überrascht, dass sich im Vergleich zu ähnlichen Schwergewichten nicht unbedingt extrem viel Material im Karton verbirgt. Dafür ist aber erst einmal ein intensives Regelstudium nötig, um sich in die Spielabläufe einzuarbeiten. Zudem sollte man ein bis zwei Probepartien gespielt haben, um die gut verzahnten Möglichkeiten überblicken und ausloten zu können. Hat man diese aber erst einmal erfasst, läuft das Spiel überaus logisch und geradlinig ab.

Schon durch den variablen Spielaufbau kommt es immer wieder zu unterschiedlichen Startsituationen und auch durch die Vielzahl von Hofkarten und deren verschiedene Einsatzmöglichkeiten sowie die vielen Aktionsmöglichkeiten gibt es eine hohe Varianz im Spiel und damit verbunden einen extrem großen Wiederspielreiz. Man hat immer das Gefühl, es besser machen zu können und ist gespannt auf die nächste Partie. Interaktion ist vor allem über den Marktplatz gegeben, zudem ist gutes Timing und die Beobachtung der Mitspieler gefragt. Stumpfes optimieren des eigenen Tableaus führt hier also eher selten zum Sieg. Die Würfel sorgen zudem als Zufalls- bzw. Glücksmomente immer für die Prise Unberechenbarkeit.

Leider müssen aber auch ein paar Kritikpunkte geäußert werden. So ist die von Spielworxx-Verlagschef Uli Blennemann vielfach gelobte Grafik von Harald Lieske suboptimal. Spielplan und Tableaus sind zu klein und dadurch teilweise überfrachtet. Daher ist es schnell möglich, dass man etwas übersieht. Zudem ist diese Unübersichtlichkeit speziell beim Spieleinstieg kontraproduktiv, da die verwendete Symbolik nicht unbedingt selbsterklärend ist. Hat man allerdings später die Regeln intus, helfen die Spielübersichtshilfen doch weiter. Gleichzeitig wird mehr Platz benötigt, als man denkt, denn ständig verrutscht irgendwas, speziell durch das Unterschieben der Karten unter das Spielertableau.

Das ist jedoch Jammern auf hohem Niveau. Was unter dem Strich bleibt, ist ein exzellentes Brettspiel mit einem Mix aus verschiedenen Spielmechaniken für das Vielspielern eine eindeutige Kaufempfehlung ausgesprochen werden kann. Die Mechaniken sind einzeln zwar nicht neu, in dieser Kombination aber überaus spannend und fordernd. Durch die Vielzahl von Möglichkeiten werden Fehler verziehen und man bleibt immer im Spiel. La Granja kann auch in einer Solovariante gespielt werden. Diese kann u. a. auch zum Verinnerlichen von Spielregeln und –abläufen genutzt werden.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
1-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
90-120
Jahrgang: 
2014
Spielkategorisierung
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