Rokoko: Schmuckkästchen

eine Spielerezension von Axel Bungart - 01.01.2017
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Rokoko: Schmuckkästchen - Foto Pegasus Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Rokoko Schmuckkästchen (eggertspiele/Pegasus Spiele) ist die Erweiterung zu Rokoko. In der kleinen Schachtel gibt es jetzt zusätzlich zum Grundspiel einen Juwelier(spiel)plan, Schmuckplättchen (Colliers und Ringe) sowie Prüfungs- und Arbeiterkarten. Alles wird zusammen ins Spiel gebracht, es sind keine einzelnen Module.

Was ist neu an Rokoko Schmuckkästchen?

Bevor das Spiel losgeht, wird das Setup ein wenig verändert. Jeder Spieler erhält als sechste Arbeiterkarte einen spezialisierten Lehrling, den er aber erst über die übliche Aktion „Anwerben“ auf die Hand holen muss. Doch bevor er das darf, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Beim Juwelier kann man beim Schneidern eines Kleides zusätzlich ein Schmuckstück erwerben, das einem mehr Einkommen und am Schluss Siegpunkte einbringt. Und schließlich kann man seine Lehrlinge zu Gesellen und diese zu Meistern ausbilden, jeweils mit erweiterten Fähigkeiten. Die Rundenzahl und der Spielablauf bleiben weitgehend unverändert, lediglich die Aufwertung der Arbeiter(karten) bildet eine zusätzliche Aktionsmöglichkeit.

Ist Rokoko Schmuckkästchen ein Schmuckstück?

Zunächst mal muss der Stapel der Arbeiterkarten generiert werden. Es werden Karten herausgesucht, mit anderen vermischt, davon wieder welche herausgenommen und in den ursprünglichen Stapel eingemischt. Das ist aufwendig und kann (mit viel Pech) zum selben Ergebnis führen, als wenn man alles beim Alten gelassen hätte. Erweiterungen, die das Setup des Grundspiels in dieser Art verändern sind einfach unpraktisch und vom Handling abschreckend. Das restliche Material wird einfach zum Aufbau hinzugefügt und erweitert damit die benötigte Spielfläche auf XXL-Format.

Die einzelnen Ergänzungen haben einen recht unterschiedlichen Charakter. Die Schmuckstücke beim Schneidern eines Kleides können ganz einfach gegen zusätzliches Geld erworben werden können (sofern man schon eine Marker beim Juwelier abgelegt hat). Das passiert quasi beiläufig, ist somit prima integriert und sorgt nicht für Entscheidungsstaus. Dagegen muss man für die Ausbildung eines Lehrlings zu einem Gesellen schon vier Voraussetzungen erfüllen. Aber auch das ist alles machbar, weil es zum Teil einfache Regelvorgänge sind, die als Voraussetzung gelten (z. B. Rohstoffe erwerben). Für eine Meisterprüfung sind dann drei weitere Voraussetzungen zu erfüllen. Man erhält nach abgelegter Prüfung einen Gesellen/Meister aus einem Extrastapel; beide bringen besondere Bonusaktionen mit. Bei den Meistern macht das natürlich einen großen Unterschied, da diese ja bisher keine Bonusaktionen hatten. Da es aber jeweils elf neue Gesellen und Meister gibt, die auch neue Bonusaktionen mitbringen, wird hier regelmäßig a) die Spielregel als Hilfe herangezogen und b) genau abgewogen, welchen neuen Meister man denn am besten nimmt. Das kostet Zeit und bringt den Spielfluss ins Stocken.

Die dritte Neuerung, die spezialisierten Lehrlinge, müssen über die Anwerbe-Aktion eines Meisters auf die Hand genommen werden. Allerdings müssen auch dafür erst Voraussetzungen geschaffen werden. Spätestens hier darf man an der Sinnhaftigkeit zweifeln. Die Lehrlinge bringen alle jeweils drei Punkte bei jedem Einsatz ein. Doch die Voraussetzungen zum Anwerben dieser Lehrlinge sind teilweise so hoch angesetzt, dass man sich fragen muss, ob es zum Zeitpunkt, da man diese erfüllen kann, überhaupt noch lohnt, den Lehrling anzustellen. Zudem gibt es eben auch Voraussetzungen, die ungleich schwerer sind als andere. Das scheint nicht austariert.

Rokoko alleine war in einer Besetzung von mehr als zwei Spielern schon für sich ein umfangreiches Spiel. Mit Schmuckkästchen wird es nun zum Abendfüller im wahrsten Sinne des Wortes. Zu dritt waren drei Stunden eher die Regel als die Ausnahme; solange man die neuen Symbole noch nicht kennt, allemal. Zu viert oder fünft wollte daher schon das Grundspiel keiner mehr spielen. Die ohnehin schon hohe Komplexität des Grundspiels wird eben durch die zusätzlichen Optionen der Erweiterung noch gesteigert und erreicht ihre Grenze.

Hinsichtlich des Materials und der Anleitung gibt es nichts auszusetzen. Alles passt grafisch wunderbar zusammen, die Plättchen und Karten sind von erwartet guter Qualität und die Anleitung gibt alles verständlich wieder. Aber der Reiz, diese Erweiterung zu verwenden, dürfte nur bei entschiedenen Rokoko-Fans anhaltend vorhanden sein. Manche Spiele brauchen einfach keine Erweiterung. Dazu gehört für mich auch Rokoko.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
60-120
Jahrgang: 
2016
Spielkategorisierung
Spielefamilie: 
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