Verbindung gesucht

eine Spielerezension von Ralf Schallert - 30.09.2007
  Spiel kaufen kommentieren
Verbindung gesucht von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Nach der Politik und den Herstellern von Walking- und Wellnessartikeln hat auch endlich die Spielbranche die Zielgruppe der über 50-Jährigen für sich entdeckt. Einige namhafte Hersteller haben eigenständige Serien aufgelegt, welche genau auf die Anforderungen und Bedürfnisse dieser Altersgruppe zugeschnitten sein sollen. So ist Verbindung gesucht ein Zwei-Personen-Spiel aus einer Reihe von Neuerscheinungen des Herstellers innerhalb der dafür neu geschaffenen Serie „Spiel und Vergnügen“.

Die Verpackung ist stabil und haltbar, man hat sich für die Serie eigens ein eigenständiges Logo einfallen lassen. Dieses kommt so edel und blank geputzt wie entsprechende Vorabendserien für Senioren im öffentlich-rechtlichen Fernsehen daher, verträgt sich damit allerdings nicht unbedingt mit der moderneren Gestaltung der restlichen Schachtel. Ein einheitliches Layout wäre hier in jedem Fall ansprechender.

So viel zum Äußeren, nun zu den inneren Werten des Spieles. In der Schachtel befinden sich ein stabiler und funktional gestalteter Spielplan, sowie 36 Spielsteine und eine kurze und knappe Spielregel. Die recht großen, würfelförmigen Spielsteine sind aus Holz und von allen sechs Seiten mit unterschiedlichsten Linienführungen, Kreuzungen und Kurven in den Spielfarben Schwarz und Rot bedruckt. Dazu kommen noch Jokerkreuzungen in der neutralen Farbe Weiß.

An jeder Seite des quadratischen Spielplanes sind jeweils ein Ausgangsfeld für den roten und den schwarzen Spieler vorhanden. Es gilt, durch überlegtes Einsetzen der Würfel alle vier Felder als Erster mit einer durchgehenden Linie seiner Farbe zu verbinden. Der Spieler würfelt dazu mit drei Würfeln und kann danach bis zu zwei der erwürfelten Linienführungen verbauen. Weiße Jokerwürfel, so sie gewürfelt wurden, müssen in jedem Fall eingesetzt werden, allerdings gilt auch hier: maximal zwei. Die Würfel werden angrenzend zu den eigenen vier Startboxen oder bereits auf dem Spielfeld vorhandenen Würfeln angelegt. Dabei müssen bereits gelegte Wege in jedem Fall fortgeführt werden. Blockierungen der Startboxen durch fremdfarbige Linien und eventuelle Sackgassen können durch Einsetzen der weißen Jokerkreuzung, welche beide Kontrahenten benutzen dürfen, aufgelöst werden. Sieger ist, wer nach vorheriger Ankündigung seinen Stein so platzieren kann, dass alle vier Startboxen unterbrechungsfrei miteinander verbunden sind.

Ein einfach zu erlernendes schnelles Spiel für zwischendurch. Allerdings geht aufgrund des Glückfaktors beim Würfeln die gedachte taktische Komponente des Spiels vollkommen verloren. So plätschert das Spiel dahin, wirklich aktiv kann man den anderen Spieler selten stören. Ein zweiter Kritikpunkt betrifft die Regel. Diese wurde zwar kurz und knapp formuliert, allerdings wurde anscheinend im Entschlackungswahn vergessen, diverse mögliche Situationen zu erläutern oder vielleicht noch besser zu bebildern, was aufgrund der angesprochenen Zielgruppe nützlich und nötig wäre. Was nutzt ein nettes Spiel, wenn die geneigten Spieler mit der unpräzisen Regel zu kämpfen haben. Der dritte Kritikpunkt betrifft das Material. Es war so schön gedacht, Echtholzwürfel, wenige prägnante Farben, also ein Hingucker sollte es werden. Jedoch zeigten sich beim Rezensionsexemplar an den Holzwürfeln Bearbeitungs- und Sägespuren, sie waren unterschiedlich in den Abmessungen, ergaben ergo keine einheitliche Oberfläche und die aufgebrachten Farben waren teilweise verschmiert. Hier wäre eine bessere Produktendkontrolle angeraten.

Im Fazit also eine nette Idee mit einer verbesserungswürdigen Umsetzung. Weder kann das Spiel aufgrund der schlechten Verarbeitung des Materials als „wertig“ gelten, noch kann man mit dem seichten Spielprinzip diejenigen Spieler, welche schon eine gewisse Erfahrung haben, auf längere Dauer begeistern. Einsteiger hingegen stehen aufgrund der schlechten Regel schnell hilflos im Regen. Solches sollte einem so renommierten Spieleverlag, zumal mit einem der ersten Spiele einer neuen Reihe, nicht passieren. Hier gibt es ganz klar bessere Alternativen, zumal es sich über Sinn oder Unsinn von Spielen für „Ältere“ trefflich streiten ließe.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2
Spieldauer (Minuten): 
15
Jahrgang: 
2007
Spielkategorisierung
Spielegattung: 
Mehr zum Spiel