Haste Worte wird 20 Jahre alt ...

... und die moderne K&K-Dynastie auch

ein spielerischer Artikel von Axel Bungart - 06.03.2017
Haste Worte - Foto von HUCH! & Friends

Es sind so oft die einfachen Spiele, die einen Teil des Abends zu einem wirklich unterhaltsamen oder gar witzigen Event machen. Ein typisches Beispiel dafür ist Haste Worte von Wolfgang Kramer und Michael Kiesling (aktuell von HUCH! & friends), das in 2017 seinen immerhin schon 20. Geburtstag feiert. Im Prinzip eine Stadt-Land-Fluss-Variante aufgepeppt durch zwei gute Ideen, ist Haste Worte ein Spiel für fast jede Runde.

Vorgegeben wird ein Oberbegriff, zu dem man so viele Unterbegriffe finden muss, wie man in der Kürze der vorgegeben Zeit findet. Jeder notiert sich seine Begriffe und dann kommt der erste Kniff: Man tippt (geheim mittels Karten), wie viele der soeben notierten Begriffe man wohl „durchbekommt“. Werden nämlich Begriffe von anderen Spielern vorgelesen, bevor man selbst dazu kommt, darf man diese Begriffe nicht mehr vorlesen. Die Krux liegt im Tippsystem: Je höher man tippt, desto später ist man an der Reihe. Da ist viel Kreativität gefragt, denn viele Begriffe ergeben auch viele Punkte.

Die zweite Besonderheit ist das Malussystem, bei dem führenden Spielern in der zweiten Hälfte der Punkteskala ein Knüppel zwischen die Beine geworfen wird. So dürfen ihre Begriffe eine bestimmte länge nicht überschreiten oder bestimmte Buchstaben nicht enthalten.

Die K&K-Dynastie der Moderne

Haste Worte ist das erste Spiel, das Wolfgang Kramer und Michael Kiesling in Kooperation entworfen haben und wurde 1997 erstmals veröffentlicht. Damit feiert nicht nur ein Spiel sondern auch ein sehr erfolgreiches Autorenduo, das bis heute mehr als 40 Spiele zusammen erfunden hat, den runden Geburtstag. Wirklich witzig ist die Geschichte darum, wie Haste Worte zustandekam. Kramer telefonierte mit dem ihm bis dahin unbekannten Kiesling, der ihm ein Spiel vorstellen wollte. Weil Kramer aber das Prinzip etwas ideenlos fand, diskutierten die beiden, bis nach einem zweistündigen Telefonat das Gerüst für Haste Worte stand. Der Rest ging schnell: Es wurde getestet, die Idee kam an, ein Verlag fand sich und das Spiel war nach einem halben Jahr produziert. So schnell kanns gehen. Wie sagt man so schön: Die besten Geschäfte macht man auf einem Bierdeckel.

Heute ist ihr gemeinsames Erstlingswerk fraglos ein Longseller. Inklusive einer holländischen Ausgabe, die es seit 2014 gibt, wurden von Haste Worte mehr als 100.000 Stück verkauft. Dass es eine so lange Zeit unter verschiedenen Verlagen überlebte, ist vor dem Hintergrund der unfassbaren Vielfalt der jährlichen Spieleneuheiten schon eine kleine Sensation. Bemerkenswerterweise werden Wortsuchspiele nach ähnlichen Spielprinzipien wie Stadt-Land-Fluss auch heute noch von Kindern in dem Alter gespielt, in dem wir es auch gespielt haben. So kann man auch ohne zu übertreiben Haste Worte als einen Klassikers bezeichnen.

Daher ist es auf den zweiten Blick kein Wunder, dass HUCH! & friends das Spiel nun neu aufgelegt hat. Viel wurde nicht geändert, doch gibt es ein paar neue Ideen wie einen Spielplan anstelle des Kartenparcours, Veto-Karten und natürlich neue Begriffskarten. Wolfgang Kramer als einer der Autoren findet die Neugestaltung „sehr gelungen“. Neugierig ist er darauf, ob das neue größere Schachtelformat sich durchsetzt oder vielleicht doch das eher unauffällige aber nicht minder erfolgreiche Kleinformat die bessere Wahl ist. Davon abgesehen sieht er seit ein paar Jahren ein wachsendes Interesse an kommunikativen Spielen, welches somit auch Haste Worte zugutekommt. Wer neugierig geworden ist: Die Neuauflage von Haste Worte kommt Anfang 2017 in den Handel.

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