Der schlechte Gewinner

Es gibt nicht nur schlechte Verlierer ...

ein Spiele-Artikel von Tanja Koch - 27.12.2014
Tanja Koch
Lesezeit: ca. 2 Minuten

Wer von uns kennt sie nicht: die schlechten Verlierer. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie (spätestens) am Spielende anfangen zu jammern, weil die Würfel zu zufällig, die Karten schlecht, die Mitspieler blöd und das Spiel doof ist. Diese Spieler kosten Nerven und nicht allzu selten kommt es vor, dass man diese - um des lieben Friedens willen - in Ruhe lässt und möglichst keine bösen Aktionen gegen sie durchführt.

Aber es gibt auch noch das andere Ende der Skala: die schlechten Gewinner. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie am Ende des Spieles nicht einfach nur stolz sind auf ihren Sieg. Sie müssen ihre Mitspieler noch durch den Kakao ziehen. "Wieso hast Du nicht dieses oder jenes gemacht?", "Du hättest das so machen müssen!", "Wie blöd kann man eigentlich sein, den Führenden nicht zu behindern?". Das wäre alles in Ordnung, wenn es sachlich wäre, kommt aber ein beleidigender Ton in diese Aussagen, dann ist das nicht schön. Schließlich sind wir am (Spiel-) Ende alle klüger. Nicht selten erweist sich ein solcher Gewinner im Falle einer Niederlage als schlechter Verlierer. Umgekehrt ist es eher seltener der Fall.

Gerne nehme ich an Diskussionen darüber teil, welche Schwächen und Stärken ein Gesellschaftsspiel hat und was man hätte anders machen können, so lange es auf der sachlichen Ebene ist. Die Mitmenschen am Spielbrett zu beleidigen, hat dabei aber nichts zu suchen.

Welche Spielertypen nerven Euch?

Kommentare

Mich nerven v.a. die "Das wusste ich nicht"-Spieler, die in beleidigtem Ton kundtun, dass sie auf bestimmte Regeln nicht hingewiesen worden wären. Teilweise kommt dann noch unterschwellig und schön passiv-aggressiv hinzu, dass sie so tun, als hätte man ihnen etwas bewusst verschwiegen, um selbst einen Vorteil zu haben.

Meistens hat man die entsprechende Regel sogar erklärt und sie haben das einfach vergessen (was ja eigentlich kein Problem ist, wenn man ein Spiel gerade neu lernt), manchmal hat man die Regel wirklich nicht erwähnt... kann vorkommen, wenn man viele neue Spiele erklärt, ist aber nie Absicht. Das verstehen diese Nörgler aber nicht. 

Diese Nervensägen kommen meiner Erfahrung nach auch viel häufiger vor als schlechte Gewinner, die wirklich beleidigend werden. Was ich manchmal sehe, sind Gewinner, die ungefragt und irgendwie in angeberischem Ton lange Strategievorträge halten. Das nervt auch.

Das Tolle an den Nörglern bzgl Spielregeln ist, dass sie selbst keine Spiele erklären. Denn dann könnte ja jmd. anderes an deren Erklärung nörgerln...

Ein Spiel zu erklären, dass es jeder auf Anhieb versteht, ist nämlich gar nicht so einfach... 

 

Mich nerven hauptsächlich Grübler und Optimierer, die eine ganze Runde aufhalten, um dann nach gefühlten Stunden aus den gezwirbelten Hirnwindungen einen weiteren Siegpunkt herausquetschen.  

Stimmt, irgendwann ist auch mal Schluss mit dem Optimieren. Wir haben schon häufiger darüber nachgedacht, eine Art Schachuhr für Brettspiele einzuführen mit festem Zeitkonto für jeden. Oder einfach per Stoppuhr die Leute zwingen, nach 90 Sekunden mit ihrem Zug fertig zu sein.

Hat jemand Erfahrung mit solch radikalen Maßnahmen?

Nein, noch keine Erfahrung damit, aber für manche Spiele & Grübler sinnvoll. Einfach mal ausprobieren. Man kann ja die Spiele so anpassen, solange es der Runde Spaß bereitet.

kenne ich genug von und finde sie schlimmer, als die schlechten verlierer. arroganz ist in meinen augen eine der verachtungswürdigsten characktereigenschaften, die ein mensch haben kann und wenn die in solch einer situation hinzukommt, verliere ich auch den respekt vor der person. jeder kann sich freuen, wenn er durch leistung (nicht durch glück!) gewonnen hat aber wer dann erwartet, das ihm gezollt wird und bei ausbleiben dessen dann groß herrum prahlt wie gut er doch ist, zeigt primitives verhalten in voller gänze. im grunde, ist es doch nicht anderes als provokation und die ist ganz objektiv gesehen einfach nicht schön. grade wer viele online spiele gegen andere menschen spielt, wird häufig darauf treffen, das siegern, der triumph alleine nicht reicht und sie sich dann im recht sehen, alle unterlegenen noch demütigen zu dürfen. aber wenn man beim schach verloren hat beispielsweise und der sieger einem dann sagt "ja, jetzt merkt man auch, warum du nicht studieren gegangen bist" dann ist das 10x schlimmer im sinne eines schlechten benehmens und grenzen überschreitens, als der mäckernde, der verliert, weil das glück nicht auf seiner seite. deswegen mach ich mir spielen keinen wert aus einem gewinnen, wenn glück eine große rolle spielt, denn glück und pech, sind niemandens verdienst aber viele scheinen zu denken, sie hätten "glück verdient"