Spielen auf Rezept?

Warum das Spielen erholsamer als Schlafen ist

ein Spiele-Artikel von Axel Bungart - 17.09.2013
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Lesezeit: ca. 3 Minuten

Eigentlich hinterfragt man in seinem Leben ja so ziemlich alles. Ich esse, weil ich Hunger habe, ich trinke, weil ich durstig bin, ich wasche mich, weil ich (sonst) stinke, ich arbeite, um zu leben. Manche leben auch, um zu arbeiten, aber die werden das hier nie lesen, deshalb klammere ich sie aus. Doch warum spiele ich eigentlich? Habt Ihr Euch das schon mal gefragt? Na klar, weil‘s Spaß macht. Das ist jedoch schon die Schlussfolgerung aus dem Grund meiner Handlung. Oder anders gesagt: Warum macht spielen Spaß?

Eine meiner Theorien lautet: Drei Stunden spielen ersetzen eine Stunde Schlaf. Medizinisch habe ich das zwar noch nicht verifizieren lassen, und wenn ich das proklamieren und mich als Therapeut alternativer Heilmethoden damit durchsetzen wollte, würde ich wohl im Gefängnis landen. Aber der Erholungswert des Spielens steht für mich außer Frage. Und so weit hergeholt ist das ja nicht. Viele Dinge, die wir tun, geben dem Körper gewissermaßen beiläufig ein bestimmtes Maß an Erholung, und das setzt nicht immer nur körperliche Aktivitäten voraus. Lesen entspannt (je nach Literatur), in der Sauna können viele den Kopf abschalten. Und selbst die Glotze erwirkt mit ihrem Programm bei manchem Betrachter ein Gefühl der Leere - wie auch immer man das deuten mag.

Warum also sollte gerade das Abtauchen in eine Fantasiewelt, das Loslassen von Gedanken des Alltags und die Gesellschaft von Familie, Freunden oder Bekannten, die lockere und vielleicht sogar witzige Unterhaltung am Rande des Geschehens nicht geradezu dazu prädestiniert sein, Körper und Geist wieder ein Stück weit auf null zu setzen?

Schon so manches Mal hatte ich angesichts der fortgeschrittenen Stunde am Abend und der unangenehmen Voraussicht auf den frühen Vogel, der spätestens um sieben Uhr am nächsten Morgen aus seinem Bett und unter meine Decke krabbelt, ein ungutes Gefühl. Und dann war ich überrascht, dass der Mangel an Schlafstunden mich nicht so übermannt hat, wie befürchtet. Die Entspannung hatte also schon beim Spielen eingesetzt.

Ist doch toll! Da mache ich etwas, das Spaß macht und meinem Körper und Geist auch noch gut tut. Klar: Das lässt sich nicht unendlich ausweiten. Nach einem zwanzigstündigen Spielemarathon bräuchte selbst ich eine Mütze voll Schlaf – was genau genommen höchst bedauerlich ist.

Bisher habe ich noch nicht den Ansatz weiter verfolgt, ob auf der Grundlage dieser Theorie auch Heilbehandlungen bei Erwachsenen möglich sind. Immerhin werden Kinder mit Spielen ja auch bei Laune gehalten, wenn sie krank zuhause herumdümpeln. Ob man der Theorie folgen kann, hängt wohl wie bei so vielen Heilbehandlungen vom Mitwirken des Patienten ab.

Vor allem ist hier noch einige Überzeugungsarbeit bei meiner Krankenkasse nötig, die meinen Antrag abgelehnt hat, den jährlichen Messebesuch als Kur und die gekauften Spiele als medizinische Anwendungen anzuerkennen - was meinen Geldbeutel spürbar entlastet hätte. Wir haben halt ein miserables Gesundheitssystem.

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