Spielgefühl: Unlock Escape Adventures

Per App zur Lösung

ein spielerischer Artikel von Axel Bungart - 02.10.2017
Escape-Spiel Unlock - Foto von Axel Bungart
Lesezeit: ca. 3 Minuten

An Escape-Spielen habe ich von Anfang an Spaß gehabt. Nicht immer, aber immer öfter. Nach den Exit-Spielen von Kosmos, welche ja in diesem Jahr von der Jury Spiel des Jahres ausgezeichnet wurden, zwei Spielen von ThinkFun/HCM Kinzel jetzt also das Unlock Escape Adventure von den Space Cowboys.

Unlock! Freude über die Ausstattung

Erste freudige Feststellung: Es sind drei Abenteuerrätsel in der Schachtel. Ein Kritikpunkt ist damit schon mal abgeschwächt ("einmal spielen und weg damit"). Wir stürzen uns also in das erste Abenteuer. Es gibt keine Reihenfolge, jedoch ist ein Abenteuer eines, bei dem zwei Teams gegeneinander um die Wette raten. Es spielt sich ein bisschen anders.

Nach einer typischerweise sehr kurzen Regeleinführung geht’s auch schon los. Viel müssen wir dazu ja nicht wissen. Etwas ungewöhnlich: Das Spiel besteht nur aus Karten. Für jedes Abenteuer ein Kartendeck. Nichts Haptisches, nichts zum Entknoten,Falten oder Schneiden. Nur Karten. Ist das langweilig? Mal sehen. Gegrübelt werden muss schon. Und das nicht zu knapp. Manches erschließt sich einem sofort, besonders in größerer Runde, wo mal einer, mal ein anderer sofort eine Lösung sieht. Aber manchmal sitzen alle da und gucken und suchen und grübeln. Und da fällt auf, dass man a) gute Augen und b) gutes Licht braucht. Denn die manchmal in den recht kleinen Karten versteckten Hinweise – ebenfalls Zahlen – sind nur gut zu erkennen, wenn beides ausreichend vorhanden ist. Ab und zu hält das Licht am Handy dafür her, um die Szene adäquat zu beleuchten.

Spielgefühl: Unlock! nur mit App

Aber da wir manchmal trotzdem nicht weiterkamen, haben wir die App befragt, die man sich runterladen und dann fortan (auch offline) zum Spiel laufen lassen sollte. Sie beinhaltet den Timer, und man bekommt Hilfestellung, für die man mit Zeit zahlt, die einem abgezogen wird. Das widerspricht unserem Ehrgeiz, weshalb wir uns die Hilfe meist ersparen wollen. Aber schon die ersten beiden Rätsel sind in der Tat knifflig. Das macht das Ganze spannend und interessant. Auch weil die Rätsel und deren Zeitvorgabe insgesamt ausgewogen erscheinen. Man kann alles schaffen, muss aber schon nachdenken, zuweilen auch einfach ausprobieren. Das wirkt rund und macht deswegen Spaß. Und da stört es überhaupt nicht, dass eigentlich das Geschehen quasi nur im Kopf abläuft. Es erinnert ein bisschen an Rollenspielabenteuer wie Das Schwarze Auge, bei dem alles nur in der Fantasie abläuft.

Das dicke Ende

Und dann kam das letzte, das Gruppenabenteuer. Alles bis dahin gesagte muss jetzt neu definiert werden. Wir waren anfangs in zwei Teams getrennt und mussten zueinander finden. Von da an ging es zusammen weiter. Man kann sich aber über Funk unterhalten, das ist sehr gut umgesetzt! Wir saßen und grübelten und guckten uns die Augen aus dem Kopf. Und nach 35 Minuten waren wir immer noch im Anfangsszenario, von kleineren Fortschritten abgesehen. Und nach 45 Minuten hatten wir uns schon zwei Hinweise geholt, die uns nur stückweise weiterbrachten. Nach den angesetzten 60 Minuten waren wir mit unserem Latein am Ende und die Zeit war es auch. Nur waren wir kaum einen Schritt weiter. Bei manche Karten musste man schon um mehrere Ecken decken, um etwas herauszubekommen - was uns nicht immer gelang.

Am Ende brauchten wir 140 Minuten und 9 Hinweise. Eine derbe Niederlage nennt man das wohl. Das dritte Rätsel ist also tatsächlich was für sehr erfahrene Escapespieler, was ebenfalls für die Quallität des Spiels spricht.

Zu dieser Version der Escapespiele muss ich mich am wenigsten motivieren lassen. Und auch meine Mitspieler waren überzeugt. Der Reiz liegt in den Anforderungen an die Spieler und der Möglichkeit, die Lösung aus eigener Kraft zu erforschen - meistens jedenfalls. Das war bei den Abenteuern von ThinkFun anders; sie waren für die Zeitvorgabe zu leicht. Zur Spiel ‘17 erscheinen nun auch neue Abenteuer von den Space Cowboys. Ich denke, da werde ich noch mal nachlegen.

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