Der schwarze Pirat

eine Spielerezension von Heike und Andreas Bolle - 31.12.2006
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Der schwarze Pirat von Reich der Spiele

Wir befinden uns in der Zeit der großen Segelschiffe und Piraten und sind mit unserem Handelsschiff unterwegs. Vor uns ist schon eine Hafenstadt in Sicht, in der uns ein lohnendes Geschäft winkt. Da taucht plötzlich ein Piratenschiff auf, nähert sich, versperrt uns den Weg und entert unser Schiff. Nach zähen Verhandlungen und einem hohen Lösegeld können wir unsere Reise endlich fortsetzen. Doch das gewinnträchtige Geschäft in der Hafenstadt vor uns hat schon ein anderer gemacht.

Der schwarze Pirat ist ein Spiel, das von seinen Mitspielern Geschicklichkeit und taktisches Denken verlangt. Etwas Glück gehört aber auch zum Erfolg. Die Spieler bewegen mit einem Blasebalg reihum kleine Spielboote über den Spielplan, der eine exotische Inselgruppe darstellt. Die Inseln sind etwas erhaben, sodass die Boote um sie herum fahren müssen. Ziel des Spieles ist es, möglichst viele von den Goldmünzen einzusammeln, die in den Häfen einiger Inseln liegen. Bei jedem Spielzug wird darum gewürfelt, in welche Häfen eine neue Goldmünze gelegt wird, ob der Spieler in diesem Zug sein eigenes Boot oder das Piratenboot bewegt und wie oft man den Blasebalg drücken darf. Wer in diesem Spielzug das Piratenboot bewegt, kann versuchen, das Schiff eines Mitspielers zu entern. Gelingt ihm dies, versteckt der Mitspieler drei seiner Goldmünzen in seinen Fäusten. Der Pirat tippt auf eine der beiden Fäuste und erhält die Goldmünzen, die darin liegen.

Das stabile und aufwändig gestaltete Material entführt die Spieler in die Welt der Seefahrer und Piraten längst vergangener Zeiten. Die Existenz eines Piratenbootes erhöht die Spannung in den Spiel erheblich, obwohl es nur in einem Drittel der Spielzüge bewegt wird und nur selten tatsächlich ein Boot entert. Aber die Tatsache, dass die Spieler zwischendurch die Rolle von einem Kaufmann zum Piraten wechseln und die Möglichkeit, dass ein Pirat ein Schiff entern könnte, sorgen für Spannung. Außerdem kommt es immer wieder zu spannenden Wettrennen, wenn sich in einem Hafen die Goldberge türmen, während in anderen Häfen kaum etwas zu holen ist. Aber gerade dann ist es Zeit für taktische Überlegungen. Vielleicht ist es ja günstiger, in anderen Häfen mehrere kleinere Gewinne einzustreichen als auf den großen Gewinn zu setzen, den am Ende möglicherweise ein anderer Spieler einstreicht.

Das Bewegen der Boote mit dem Blasebalg erfordert Fingerspitzegefühl: Pustet man zu schwach, bewegen sich die Boote kaum, pustet man zu stark oder an die falsche Stelle des Segels, kippen sie um oder landen auf einer Insel und das Boot wird auf den Startpunkt strafversetzt. Durch einen wohldosierten Windstoß können die Boote aber eine weite Strecke vorankommen. Die jüngeren Kinder haben beim Bewegen der Boote anfangs häufig noch Schwierigkeiten und planen seltener taktisch vorausschauend ihre Spielzüge, sodass sie den älteren häufig unterlegen sind. Damit sie nicht die Lust am Spiel verlieren, sollte man vor dem ersten Spiel unbedingt genügend Zeit einplanen, um den Umgang mit dem Blasebalg zu üben. Und wenn ein Kind Spaß daran hat, übt es heimlich alleine – jetzt wird’s schwer für die anderen.

Der Mechanismus mit dem Blasebalg ist derselbe wie im Spiel Akaba, das vom selben Autoren stammt. Aber Der schwarze Pirat hat etwas einfachere Regeln und kombiniert die Spielidee nicht wie Akaba mit einer Memory-Variante - wer Memory nicht mag, wird daher wohl lieber Der schwarze Pirat spielen. Hier kommt es auch häufiger zu spannenden Wettrennen und es hat eine etwas kürzere Spieldauer. Ob es aber zu einem lebhafteren Spielverlauf kommt, ist eine Frage der persönlichen Vorlieben und des Geschmacks. Während man bei Akaba auf einem orientalischen Basar Gebrauchsgegenstände sammelt, kann man bei Der schwarze Pirat als Seefahrer von Schätzen und Abenteuern träumen.Der schwarze Pirat ist ein wirklich schönes und empfehlenswertes Kinder- und Familienspiel mit angenehm einfachen Regeln, das Kindern und Erwachsenen gleichermaßen großen Spaß machen kann.

 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
5
Spieldauer (Minuten): 
20
Jahrgang: 
2006
Spielkategorisierung
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