Liebe und Intrige

eine Spielerezension von Armando Schmidt - 29.02.2008
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Liebe und Intrige von Reich der Spiele

Als allererstes fällt jedem Interessierten zwangsläufig die rosafarbene, einem Buch nachempfundene, Spieleschachtel ins Auge. Diese erinnert unweigerlich an gewisse schmalzige Liebesromane. Wer nun vor dem Hintergrund des Titels genau dies erwartet, liegt falsch. Beim Öffnen des "Buches" offenbart sich einem ein Brettspiel der besonderen Art. Es geht darum, seine drei heiratswilligen Töchter gut unter die Haube, sprich an den Mann, zu bringen. Dabei bringt jeder geangelte Mann Siegpunkte, und je höher diese sind, umso begehrter sind die Junggesellen. Doch, wie im richtigen Leben auch, gestaltet sich das Verlieben und Verheiraten nicht ganz so einfach. Auch die Männer haben ganz unterschiedliche Ansprüche an das Aussehen, die Bildung und das Ansehen der Zukünftigen.

Jede der Töchter ist hier mit ganz persönlichen Eigenschaften ausgestattet. Der einen mangelt es nicht an Schönheit, dafür fehlt es an der Intelligenz. Die nächste kann sich getrost als schlau bezeichnen, nur, was nützt dies, wenn der Ruf ruiniert ist. Und die Mädels können noch so angesehen sein, sind sie hässlich, wird sich ebenfalls kein Mann nach ihnen umdrehen. Da hat man es als Eltern der Töchter nicht leicht, und guter Rat ist teuer. Welche Entscheidung ist die Richtige? Entweder man verheiratet seine Tochter mit dem Erstbesten, mit wenig Siegpunkten dahergelaufenen, oder man schickt die Tochter zu bestimmten Orten, um so ihre Eigenschaften zu verbessern. Dadurch wird den Damen der Zugang zu den höheren Kreisen ermöglicht beziehungsweise so die Aufmerksamkeit der Herren mit den hohen Siegpunkten erregt. So beschert zum Beispiel ein Besuch in der Schneiderei herrliche Kleider und verbessert dadurch die Schönheit, im Theater lässt sich die Bildung und in der Armenküche das Ansehen erhöhen.

Dies ist alles recht positiv, dumm ist nur, dass an diesen Orten kaum oder keine heiratswilligen Männer anzutreffen sind, und dies ist doch das Hauptanliegen der Damen. Die Mehrzahl der Männer treibt sich viel lieber in der Spelunke oder im Park herum. An diesen Orten sollte man unbedingt dem Casanova aus dem Weg gehen, ansonsten ist der gute Ruf schnell ruiniert. Auch sollte man in der Spelunke nicht dem Alkohol verfallen, bekanntlich ist dieser nicht gerade förderlich für die Intelligenz. Hat man durch ein glückliches Würfelhändchen diese Gefahren gemeistert, steht den neuen Bekanntschaften nichts mehr im Wege. Dabei kann jede Tochter gleichzeitig mit drei Männern eine Liebschaft pflegen (hört, hört).

Wenn nun die Liebe siegt, die Tochter sich einen Zukünftigen mit stattlichen Siegpunkten auserkoren hat und den Ansprüchen dieses Herrn entspricht, so wird noch nicht gleich nach dem ersten Date Hochzeit gefeiert. Wie es sich nun mal gehört, müssen erst drei Treffen mit den Mann des Herzens stattfinden, bevor geheiratet wird. Genügend Zeit für die Konkurrentinnen, selbst noch ein Auge auf die gute Partie zu werfen. Denn neben der Liebe gibt es wie im wirklichen Leben auch die Intrige. So können sich die Spieler, sprich Töchter, die begehrten Männer gegenseitig ausspannen. Man kann sich nun sehr gut vorstellen, wie hoch die Emotionen schlagen, wenn kurz vor der geplanten Heirat der potentielle Göttergatte mit einer Konkurrentin durchbrennt. Wie war das noch? Rache ist süß! Der Erfolg oder Misserfolg dieser Intrigen wie auch das Erscheinen des Herrn Casanova oder eines Alkoholabsturzes werden ausgewürfelt. So ist das Würfelglück bei diesem Spiel schon beachtlich. Ereigniskarten steuern das ihrige zum Gelingen oder Misslingen dieser Liebschaften bei. Doch, wie in der Realität, mit etwas Mut, den passenden Lokalitäten und wie gesagt mit etwas Glück – dann passt es auch in der Liebe beziehungsweise mit dem vermeintlich passenden Partner fürs Leben.

Das Spiel endet dann, sobald der erste Spieler alle seine Töchter verheiratet hat. Jedoch gewinnt dieser nicht zwangsläufig, vielmehr derjenige, der am Ende die meisten Siegpunkte hat. Dies kann durch das Sammeln dieser Punkte während des Spiels geschehen oder durch geschicktes Verheiraten seiner Töchter. So kann es durchaus sein, dass der Sieger zwar erst zwei seiner Töchter verheiratet hat, diese sich jedoch die Männer geangelt haben, die am meisten Siegpunkte mit in die Ehe brachten. Da drängt sich doch mit einem Augenzwinkern wieder der Vergleich mit dem wahren Leben auf.

Das ganze Spiel mit seinem Spielmaterial ist wunderschön anzusehen. Die Illustrationen passen hervorragend zum Thema. Das Spielprinzip ist leicht zu erlernen und stellt auch keine allzu großen Ansprüche an die grauen Zellen. Wer ein kurzweiliges Familienspiel sucht, ist mit Liebe und Intrige gut bedient. Also ein Familienspiel - trotz rosa Farbe? Ja, auch die männlichen Spieler sollten sich nicht von dem äußeren Erscheinungsbild, dem ersten Eindruck verschrecken lassen. Ob Männlein oder Weiblein, das Spiel macht Spaß und passt gut zu jedem lockeren Spieleabend. Und was kann es Schöneres geben, als mit seiner Liebsten oder mit seinem Liebsten ein paar vergnügliche Stunden zu verbringen

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2007
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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