Oase

eine Spielerezension von Wolfram Troeder - 31.10.2005
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Oasen bieten dem durstigen Wanderer wohl verdiente Rastplätze in der Wüste. Auch in der Wüste Gobi, die weit weniger sandig und unwirtlich ist, als ihre bekannte afrikanische Schwester, die Sahara. In dieser großartigen Landschaft aus Steppen, Bergen, Steinfeldern und Brunnen haben die Autoren ihr Spiel angesiedelt. Als einer von fünf Stämmen konkurriert man dort um Kamele, Brunnen, heilige Stätten und Pferde.

Zu Spielbeginn türmen sich dann Stapel an quadratischen Steinwüsten-, Steppen- und Oasenfeldern neben den rechteckigen Pferde-, Waren-, Brunnen- und Ovooplättchen. Letztere sind künstliche Steinhaufen, die den Nomaden als Heiligtümer dienen. Dazu kommen noch 54 Karten verschiedener Auswirkungen, fünf runde Rangplättchen und pro Mitspieler 20 Kamele und vier Pöppel einer Farbe. Von den letzteren dient einer als Marker auf der ebenso obligatorischen wie überflüssigen, den Spielfeldrand zierenden Punkteskala. Es werden noch je fünf Karten verteilt, die als verdeckte Stapel vor den Spielern liegen, und offen ein rundes Rangplättchen vergeben.

Auf dem Spielbrett mit quadratischer Einteilung finden sich drei, durch einen sandigen Kamelpfad getrennte Gebiete. Durch einen der eigenen Pöppel werden die hoffentlich immer größer werdenden zusammenhängenden Ansammlungen von Stein-, Steppen- oder Oasenplättchen gekennzeichnet. Gleichzeitig darf man aber den Aufbau einer entsprechenden Kamelherde auf den Sandfeldern nicht vernachlässigen.

Soweit nichts spektakuläres. Das Spiel setzt sich aber gegenüber Vergleichbaren durch zwei Besonderheiten ab. Da wäre zum Ersten der Bereich Nachschub und Spielerreihenfolge. Hier kommen die für alle verdeckten Karten und die Rangplättchen zum Zug. Der Spieler mit der höchsten Rangkarte muss ein bis zu drei Karten umfassendes Angebot aufdecken, eine Karte nach der anderen. Danach folgen die anderen Spieler in der Reihenfolge des Rangs. Liegen alle Angebote auf dem Tisch, werden die Spieler anhängig von der Zahl der ausgespielten Anzahl mit neuen Karten versorgt. Nun suchen sich die Spieler in der Reihenfolge des Rangs ein fremdes Angebot aus, für das Sie ihr Rangplättchen hergeben. Angebot und Rang wechseln den Besitzer, die Karten werden in Kamele, quadratische Felder oder rechteckige Plättchen mit Waren, Brunnen, Ovoos oder Pferden getauscht und auf das Spielfeld beziehungsweise zu der Ablage gelegt. Waren alle Spieler am Zug, beginnt die nächste Runde, nun in der neuen Reihenfolge entsprechend des Rangs. Der Startspieler darf noch ein zusätzliches Plättchen oder Kamel einsetzen.

Das Spiel endet, sobald eine Ressource verbraucht ist. Bei der Abrechnung zum Schluss kommt die zweite Besonderheit zum Tragen. Punkte gibt es für zusammenhängende Gebiete und für die größte eigene Kamelherde. Diese werden mit dem zugeordneten Gut multipliziert: Kamele mit Waren, Oasen mit Brunnen, Steppen mit Pferden und Steinwüsten mit Ovoos. So nutzt zum Beispiel die größte Herde nichts, wenn keine Waren vorhanden sind. Die einzelnen Kategorien werden nacheinander abgerechnet und auf der Wertungsleiste gesetzt. Sonderregeln betreffen noch Anfangsfelder, Bonusfelder und die Nachbarschaft von Gebieten.

Oase spielt sich am Besten mit der maximalen Spieleranzahl, nur so haben die Zugreihenfolge und der begrenzte Platz auf dem Spielfeld überhaupt einen Einfluss auf das Spielgeschehen. Ist man sich einmal der Tatsache bewusst, dass zehn Wertungselemente im Verhältnis 1:9 neun Punkte geben statt im Verhältnis 5:5 fünfundzwanzig Punke, geht der gemeinsame Trend zum Mittelmaß. Der große Glücksfaktor beim Aufdecken der Angebote lässt eine taktische oder strategische Planung gar nicht erst aufkommen. Hat man sich an den Zugmechanismus und eigenwilligen Reihenfolge-Wechsel gewöhnt, wird die Spieldauer bei erfahrenen Spielern eher bei unter 60 Minuten liegen, berücksichtigt man das leider notwendige Sortieren aus der Schachtel am Anfang nicht. Das Thema verdient für die Exotik Respekt, wirkt aber leider stark aufgesetzt.

Alles in allem ein Spiel, dass eher für die Zielgruppe Familie geeignet wäre, für die aber sicher die Mechanismen zu fremd und unnötig kompliziert wirken. Die notwendige, längere Eingewöhnungsphase drückt zudem den Spielspaß und die Motivation.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spielerzahl: 
3 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
75
Jahrgang: 
2004
Spielkategorisierung
Spielethema: 
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