Vineta

eine Spielerezension von Michael Weber - 29.02.2008
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Vineta von Reich der Spiele

Endlich mal ein völlig unkorrektes Spiel! Als nordische Gottheit dürfen die Spieler eine ganze Stadt den Fluten der See preisgeben und acht von neun Stadtteilen untergehen lassen. Dummerweise versucht jeder Gott, seinen eigenen geheimen Stadtteil zu retten. Gleiches gilt für die Häuser, die in den Stadtteilen sind. Jedes Haus der ebenfalls geheim zugeteilten eigenen Farbe bringt zusätzliche Siegpunkte für das Spielende. Und ein Gott kann selbstverständlich Häuser von einem Ort zum anderen befördern - im Spiel eben über Karten - oder mal eben den Zeitpunkt der nächsten Flut nach vorne oder hinten verschieben. So kommt es zu einem Wogen und Zerren, welcher Stadtteil der nächste versenkte sein soll. Am Ende gewinnt die Gottheit, die die meisten Punkte für gerettete eigene Häuser, den eigenen Stadtteil und insgesamt selbst versenkte Häuser vorweisen kann.

Am Anfang bedarf es etwas Zeit, um die Bedeutung der reichhaltig vorhandenen Sonderkarten zu erlernen, doch der Spielablauf selbst ist einfach und relativ strukturiert. Pro Flutrunde werden in der Regel drei Kartenrunden gespielt. Dabei kann man entweder Sonderkarten einsetzen oder aber sich an einer Flut beteiligen beziehungsweise einen anderen Stadtteil durch eine neue gefährden.

Am Ende der Flutrunde wird überprüft, welcher Stadtteil die größte Welle abbekommt. Dieser wird vom Spielplan genommen, ebenso alle darauf befindlichen Häuser. Die Häuser werden unter den an der Flut beteiligten Götter in der Reihenfolge der angelegten Karten verteilt. Und genau hier wird das Spiel bei allem Bluff, Heimlichkeiten und Ärgern zu einem Taktikspiel. Ständig muss man abwägen: Ist es sinnvoller, eine eigene Flut zu eröffnen, um ein Stadtteil eventuell fast im Alleingang zu versenken und die darauf befindlichen Häuser zu erhalten (= Siegpunkte). Oder ist es besser, sich an eine Flut anzuhängen, auch wenn man dort eventuell nur ein Haus holen kann. Schön auch, dass durch die Sonderkarten die Situation jederzeit kippen kann, was Strategen am Spieltisch an der Qualität des Spiels zweifeln lassen mag, aber eher eine Stärke von Vineta ist.

Diese Dynamik bei den Fluten, Versenken und Jagd auf die Häuser macht Vineta zu einem Ärgerspiel, das man vertragen muss. Mitunter ist der eigene Stadtteil schon in der ersten Runde versenkt. Doch wer Ausdauer hat und sich geschickt an dem göttlichen Flutbeschwören beteiligt, hat das Spiel lange noch nicht verloren. Etwas störend ist vielmehr, dass zwar alle den gleichen Kartensatz haben (Handkarten plus Nachziehstapel), der Zeitpunkt des möglichen Einsatzes der zum Teil sehr starken Sonderkarten und der stärkeren Flutkarten aber arg vom Zufall abhängig ist. Es gibt Runden, da kann man den eigenen Stadtteil nicht einmal im Ansatz retten, in anderen lässt sich mit der Kartenhand ein Stadtteil mit ordentlich Häusern darauf im Alleingang vernichten. Nicht unwichtig ist auch, an welcher Position man in der jeweils letzten Runde des Karteneinsetzens sitzt. Wer hier am Schluss den Ausschlag geben darf, hat häufig einen enormen Vorteil und spielt das Schicksal in der Götterrunde.

Vineta ist ein schön gemachtes Ärgerspiel mit einem größerem Taktikanteil. Das Spiel ist leicht erlernt, lässt sich flüssig spielen und gibt Raum zu bluffen. Der Deduktionsanteil ist eher gering, auch wenn es um verdeckte Häuserfarben und Stadtteile geht. Negativ ist der Zufallsfaktor beim Kartennachziehen. Insgesamt ist das Spiel aber erfrischend eigenständig und hat das gewisse Etwas. Nicht rund genug für ein Top-Spiel, aber allemal ein Anspieltipp - und mit den richtigen Leuten am Tisch aufgrund des Ärgerfaktors ein großartiger Spaß.

 

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Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spielerzahl: 
2 - 6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
2008
Spielkategorisierung
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