Alte Dunkle Dinge

eine Spielerezension von Jürgen Strobel - 28.04.2016
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Alte Dunkle Dinge - Foto von Feuerland Spiele
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Mein Großvater saß vor mir in seinem alten abgewetzten Sessel und zog genüsslich an seiner Pfeife. Draußen schneite es und das Land und die Felder waren in Weiß eingekleidet, so als ob man Puderzucker darüber gestreut hätte. Ich starrte ihn an voller Erwartung, dass er mir wieder und immer wieder die gleiche Geschichte erzählte. Nämlich die dieser einen Expedition, die ihn tief in den Dschungel hinein brachte, um dort auf alte Geheimnisse zu treffen. Alte, dunkle Dinge, die er und sein Forschungsteam dort fanden. Das Erwachen einer uralten Macht und das Grauen sollten sie dort finden. Und er war der einzige Überlebende, der zurückkehrte, um noch davon berichten zu können. Und so machten sie sich an diesem schicksalhaften Tag auf dem Weg. Mit einem alten Flussboot ging es immer tiefer hinein in den Dschungel und in die Dunkelheit ...

Um was geht es bei Alte Dunkle Dinge?

In Alte Dunkle Dinge von Simon McGregor (Feuerland Spiele) verkörpert jeder Spieler einen Charakter auf der Suche nach den uralten Geheimnissen, die dieser Dschungel beherbergt. Darin stoßen sie auf Relikte und Orte einer längst vergessenen Zeit. Unheimliche Begegnungen erwarten die Spieler und fordern alles von ihnen ab. Mit dem eintreten des namenlosen Ereignisses endet das Spiel. Wer bis dahin die meisten alten Geheimnisse gesammelt hat, ist der Sieger.

So wird Alte Dunkle Dinge gespielt - die Reise beginnt ...

Mit einem Flussboot tuckern wir einem alten und dunklen Fluss entlang auf der Suche nach Orten, die bis jetzt kaum ein Mensch betreten hat. Sechs dieser geheimnisvollen Orte finden wir auf unserem Spielplan wieder. Auf diesen werden in der Flussbootphase Begegnungskarten platziert. Diese wiederum unterscheiden sich durch unterschiedliche Schwierigkeit. So gibt es grüne, gelbe und rote Begegnungskarten. Je nach Farbe bekommen wir mal mehr oder weniger Siegpunkte in Form von alten Geheimnissen. Wollen wir einen Ort erforschen und die dortige Begegnung erfolgreich bestehen, müssen wir die erforderliche Würfelkombination auf dieser Karte erst einmal erwürfeln.

Wie jetzt? Spielen wir hier Kniffel oder was!? Nun ja, so in etwa! Hierzu stehen uns fünf sechsseitige grüne Würfel zur Verfügung. Das ist unser Würfelpool. Diesen können wir aber durch Ausrüstungs- und Handlungskarten erweitern bzw. durch andersfarbige Würfel ersetzen. War der Wurf erfolgreich, so wandert diese in unseren Wertungsstapel! Scheitern wir aber und schaffen es nicht, erwecken wir ein dunkles Ding. Die Karte wird auf dem Gerüchtefeld auf dem Spielplan abgelegt. Zusätzlich müssen wir eine "Dunkles-Ding-Marke" nehmen. Diese Marken zählen am Ende Minuspunkte, je nachdem wie viele Tentakel auf derselben zu sehen sind.

Haben wir noch Würfel nach einer Begegnung übrig, können wir diese in so genannte Wertmarken eintauschen. Die kleinen Dinger können uns auf unterschiedliche Art helfen. Je nach Farbe übernehmen sie dabei eine andere Funktion. Das Spektrum reicht vom nochmaligen Würfeln bei einer Begegnung bis zu einem sofortigem Erfolg durch eine Verzweiflungstat (Mutmarker). Auch dienen Handlungsmarker dafür, dass wir unsere Handlungskarten ausspielen können. Von diesen haben wir immer drei auf der Hand. Je nach Art der Karte kommen wir so z. B. an weitere Marker, Manipulation unserer geworfener Würfel oder aber man erzwingt den Abwurf von Markern bei den anderen lieben Mitspielern. Nach unserer Begegnung schauen wir noch an unserem Handlungsposten vorbei. Dort können wir unsere Handlungskarten austauschen, Ausrüstung beschaffen oder im Altwarenstapel herumstöbern. Danach geht es wieder auf Entdeckertour durch den Dschungel auf der Suche nach geheimen Orten!

... die Suche endet

Das Spiel endet entweder, wenn kein Marker "Dunkles Ding" auf der Reiseleiste mehr vorhanden ist. Oder es endet, wenn zu Beginn der Flussbootphase einer Runde keine Begegnungskarten - weder auf dem Spielplan noch im Begegnungsstapel - vorhanden sind.  

Wie gut ist Alte Dunkle Dinge - Cthulhu-Mythos meets Kniffel

Was mir an Alte Dunkle Dinge sehr gut gefällt, ist die grafische Darstellung! Sie fängt sehr schön das Cthulhu-Thema ein. Das Spielbrett und die Karten sind sehr schön gezeichnet und alles kommt in einem sehr düsteren Flair daher! Das ist wirklich sehr schön umgesetzt.

Über die spielerische Seite bin ich ein wenig zwiegespalten. Für das gebotene, nämlich einer Kniffel-Variante, mit einem übergestülpten Cthulhu-Thema zieht sich das Spiel zu viert arg in die Länge. Auch sind die unterschiedlichen Charaktere zu stereotyp! Sie haben eigentlich nur eine kleine veränderte Anfangsausrüstung bzw. Marker. Das ist einfach schade, da man hier vielleicht etwas mehr Abwechslung hätte hineinbringen können. So spielen sich aber alle Charaktere gleich und es ist fast egal, wer wen spielt.

Auch kann man die Opulenz für ein fast reines Würfelspiel infrage stellen. Wäre vielleicht weniger mehr gewesen? Um dadurch eventuell den Preis für das Brettspiel ein wenig zu senken? Hauptbestandteil des Spieles sind und bleiben die Würfel. Man würfelt - und mehr macht man nicht! Gut, die Ergebnisse lassen sich durch Ausrüstungs-und Handlungskarten beeinflußen, aber im Endeffekt sind wir auf unser Würfelglück angewiesen! Man kann das Spiel auf dieses Element reduzieren und hätte im Grunde auch völlig recht damit.

Aber man muss auch das Gesamtwerk betrachten und hier, finde ich, wird eine sehr schöne, dichte Atmosphäre allein durch das Artwork und Gestaltung des Spielplans erreicht. Das Material ist hochwertig und auch die Würfel können sich sehen lassen. Auch die Spiellänge unterscheidet sich je nach Spieleranzahl erheblich. Ist die Downtime bei vier Spieler enorm groß, so spielt es sich zu zweit recht flott! Hier muss man ganz klar sagen je weniger Mitspieler, umso besser für das Spiel!

Einerseits mag ich die grafische Gestaltung und das hochwertige Material, andererseits täuscht dies alles aber nicht über den simplen Würfel-Mechanismus hinweg. Wem der Cthulhu-Mythos gefällt und wem ein spielerischer Kern nicht so wichtig ist, darf gerne zugreifen! Alle anderen rate ich vorab zu einer Probepartie, um zu sehen, ob einem der rein spielerische Kniffel-Aspekt ausreicht!

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
ab 14 Jahren
Spieldauer (Minuten): 
ca. 60 Minuten
Jahrgang: 
2015
Spielkategorisierung
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