Dackel drauf

eine Spielerezension von Alex Sch. - 12.08.2018
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Dackel drauf - Foto von Ravensburger
Lesezeit: ca. 5 Minuten

"Alles für den Dackel, alles für den Club!" Der legendäre Spruch von Hausmeister Krause ist noch aus dem letzten Jahrhundert (sogar dem letzten Jahrtausend) und deshalb vielleicht etwas angestaubt. Dackel drauf! von Carlo A. Rossi (Ravensburger) vermag als kleines Würfelspiel dem Ausspruch neuen Glanz verleihen und etwas erneuern. Mehr so in der Art: Alles für den Dackel, alles für das Hirn. Denn Dackel drauf! fordert den zwei bis fünf Spielern innerhalb von 20 Minuten einiges an Merkfähigkeit ab.

Wie wird Dackel drauf! gespielt?

Ich liebe platzsparende Spiele. Bei Dackel drauf! in seiner kleinen Schachtel spart man nicht nur Platz, auch die ohnehin schon sehr ausgelasteten Bretterböden des Spielregals freuen sich über Leichtgewichte. In der Schachtel steckt jedoch in der Summe mehr, als die einzelnen Teile in Form von 15 Würfeln und 100 Karten auf den ersten Blick vermuten lässt. Darüber hinaus ist die Schachtel nicht nur Transportmittel, sondern unabdingbares Spielmittel. Denn die 15 Tierwürfel mit insgesamt neun verschiedenen Tiersymbolen darauf, verbleiben in der Schachtel. Ab Spielbeginn fungiert die Minibox als verbesserter "Würfelbecher". "Verbessert"  ist er, weil die Würfel auf der geraden Ebene nicht mehr verrutschen, wenn man einmal gut geschüttelt und die Box dann abgestellt hat. Der Startspieler hebt nun den Deckel ab. Zum Vorschein kommt ein bunter Tiermix auf Würfel, wie man sie auch auf einem gut bestückten Bauernhof antreffen könnte.

Welche Tiere und wie viele davon liegen aber genau aus? Diese Antwort gilt es so schnell wie möglich zu erfassen. Denn der Startspieler entscheidet darüber, wann er den Dackel ... äh ... den Deckel wieder auf die Schachtel drauf knallt und die Sicht auf die Tierfamilie verbirgt. Die Schachtel mit dem Deckel drauf bleibt ab jetzt unangetastet, so dass keine Würfel verrutschen.

Nun beginnt die wahre Hirnarbeit. "Da waren also drei Hunde, ein Schwein, ein Schaf ... oder doch zwei Schafe?" Jetzt gilt es das Erinnerte auszuspielen. Aber nicht allein. Alle Spieler gemeinsam bilden eine lange Tierkartenreihe. Reihum muss nun jeder von seinen Handkarten ein Tier ablegen. Hierfür hat jeder insgesamt 18 Karten (jedes Tier zwei Mal), allerdings nur zehn Karten auf der Hand. Ganz wichtig: Die Tiere auf der Hand dürfen nicht sortiert werden. So wie sie abgehoben wurden, so bleiben sie auf der Hand. Das sorgt für noch mehr Übersichtschaos und das ist auch so gewollt. Der Startspieler legt nun die erste Karte offen aus. Eine Tierkarte von welcher der Startspieler denkt, dass ein korrespondierender Würfelwurf unter dem Deckel liegt. Es folgt der nächste Spieler. So bildet sich langsam eine lange (oder kurze) Reihe an Karten. Man darf auch passend. Sobald alle gepasst haben, geht es weiter. Nun kommt der Deckel wieder ab und die Würfelergebnisse werden einer nach dem anderen mit der ausliegenden Tierreihe verglichen. Wer alle ausliegenden Karten einem Würfel zuordnen konnte, darf diese Karten abgeben! Es ist natürlich das Ziel des Spiels, alle Karten als erster abgelegt zu haben. 

Dabei ist es nicht irrelevant, dass jede Tierkarte einen der Würfel unter dem Deckel "verbraucht". Wer also die vierte Hundekarte in der Reihe abgelegt hat, aber nur drei Hundewürfel in der Schachtel waren, muss ALLE Karten wieder auf die Hand nehmen. Ein heftiger Rückschlag. Deshalb sollte man sich bei jeder Karte am besten sicher sein, oder sich bewusst sein, dass man sein Glück strapaziert.

Wie gut ist das Kinderspiel Dackel drauf!?

Wer gut in Fehler-Suchbildern ist, also eine schnelle Auffassungsgabe hat, dürfte bei Dackel drauf! viele Siege einfahren. Aus meiner Erfahrung haben Kinder eine viel bessere Merkfähigkeit, insbesondere wenn es um Tiere geht, als mir lieb sein kann. Bei Dackel drauf! kommt wie bei Memory darauf an, sich etwas zu merken. Hinzu kommt die Unabwägbarkeit, wie lange der aktuelle Startspieler (der ja jede Runde wechselt) den Deckel oben lässt. Je länger er das tut, umso länger hab ich Zeit, mir die Würfel einzuprägen. Je nach Spielertyp kann das von einer gefühlten Ewigkeit bis zu einem Wimpernschlag reichen. Alles schon passiert. Das führt zu viel Dynamik am Spieltisch und manchmal auch zu einem hämischen Grinsen.

Ein Spiel Dackel drauf! ist sehr aktiv. Karten überblicken, Würfel angestrengt merken, den Deckel beobachten, Würfel schütteln, Karten ablegen, ... Da kommt keine Langeweile auf. Die Spannung bis zum erlösenden Anheben des Deckels ist manchmal schon fast greifbar. So ist eine Partie Dackel drauf! emotionsgeladen. Die Palette der Emotionen reicht dabei von Triumpfgefühlen bis hin zu Ärgernis über sich selbst, weil man sich verguckt hatte oder sich falsch erinnerte. Egal wie, man fiebert mit. Und zum Glück ist eine Partie auch nicht langwierig, sodass der Ärger überhand nehmen könnte. Nach etwa 20 Minuten, oft auch kürzer, steht der bereits Gewinner fest.

Negativ anzumerken ist es, dass jeder Spieler zehn Karten auf der Hand hat. Als Erwachsener ist das ja vom rein praktischen Aspekt her in Ordnung. Große Hände können viele Karten halten. Das bedeutet jedoch noch lange nicht, dass man auch alle überblicken kann. Kleine Kinderhände haben allerdings immer wieder Probleme die zehn Karten zu Händeln. Die Regel, dass man die Karten zudem nicht sortieren darf, ist zwar für sich betrachtet sinnvoll, um noch mehr Durcheinander zu stiften. Einem Kind die Regel allerdings zu erklären, war in meinem Fall zum Scheitern verurteilt. So wirklich schlimm ist es aber auch nicht, wenn man seine eigenen kleinen Hausregeln an dieser Stelle einbringt (offene Ablage, Sortieren für Kinder erlaubt).

Dackel drauf! ist voller Emotionen, es ist schnell zu spielen, aktionsgeladen, es hat Würfel, Karten und Tiere. Alles zusammen in einer handlichen, transportablen Box. Es ist eine wirkliche Bereicherung für unser Spielregal.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2-5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
20
Jahrgang: 
2018
Spielkategorisierung
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