Demo

eine Spielerezension von Wolfram Troeder - 20.08.2008
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Demo von Jenzowsky Verlag
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Die restriktive Haltung großer Spieleverlage führt zu einem Anwachsen der Zahl von Spielen aus Klein- und Eigenverlagen. Und oft genug sind darunter ambitionierte, gut funktionierende und empfehlenswerte Spiele; ohne den massentauglichen Feinschliff, aber mit einem eigenen Charme, der sich dann auch im Erfolg niederschlägt.

Demo ist so ein "Muggelstein", nicht mehr roh, aber auch nicht übermäßig glitzernd. Die Kleinschachtel ist mit dem gut durchdachten Material reichlich gefüllt und beinhaltet eine Ausstattung, die jedem Großverlag zur Ehre gereichen würde. Großen Wiedererkennungswert hat der, von einem großen schwedischen Möbelhaus vertraute, Bleistift. Eine alternative, urlaubsfreundliche Verpackung ist das enthaltene Stoffsäckchen. Die zwei Arten Karten haben unterschiedliche Größen, sodass sie schnell sortiert sind; wieder ein durchdachtes Detail, welches oft genug bei anderen Verlagen dem Kostendruck zum Opfer fällt. Drei Würfel im Pflasterstein-Design ergänzen das Spielmaterial. Für das Aufschreiben der erzielten Siegpunkte auf die Jagd nach Papier zu gehen, erübrigt sich, da ein kleiner Block beigelegt ist. Eine beispielgebende Ausstattung, lediglich die Anleitung hätte noch ein Lektorat, vielleicht sogar eine Überarbeitung nötig, da trotz der vielen Beispiele eine sinnvolle Gliederung und Terminologie nicht durchgehalten wird.

Kern des Spiel sind die zwölf Demonstrationskarten, die gleichmäßig auf die Mitspieler verteilt werden. Diese Karten ermöglichen es dem Spieler, Demonstrationen zu veranstalten. Die Karten sind abstrakt und werden erst beim Ausspielen mit einem selbst gewählten Inhalt versehen. So kann jeder Veranstalter einer Demonstration das ihm genehme Motto wählen. Zu jeder Demonstration gibt es auch die Karte mit der zugehörigen Gegendemonstration. Finden beide gleichzeitig statt, erhöht sich natürlich das Risiko des Scheiterns einer Demonstration. Doch dazu später mehr. Weitere wichtige Angabe auf der Demo-Karte ist der Grundstresswert der Demo. Eine Demo lebt nicht nur davon, dass sie veranstaltet wird, sondern auch durch das Drumherum. Und hier kommen die Ereigniskarten ins Spiel. Diese umfassen die vier wichtigsten Einflüsse auf eine Demo: Besucher, Events, Presse und Polizei. Diese Ereigniskarten werden um die jeweilige Demo-Karten herum angeordnet und  haben  individuelle Einflüsse auf die Demo. Zuerst die Hauptsache, die Besucher. Diese werden einfach zu einer ausgelegten Demo gespielt. Je nach dem, wie viele Besucher es sind und ob sie friedlich oder randalierend sind, erhöhen oder vermindern sie die Stresswerte und Siegpunkte einer Demo. Auch die Events beeinflussen sowohl Stresswert als auch Siegpunkte einer Demo. Da gilt es dann zum Beispiel, das Rockkonzert auf der eigenen Demo stattfinden zu lassen und den Mitspielerdemos die Verletzten aufzuhalsen. Rein der Stresserhöhung dient die Präsenz der Staatsdiener und natürlich dem Auflösen einer Demo. Bis zu drei Publikationen können auch je einen Berichterstatter zu einer Demo entsenden. Je nach Einstellung berichten diese über die friedlichen oder radikalen Besucher einer Demo, was sich in Zu- und Abnahme von Siegpunkten niederschlägt.

Zu Beginn werden die zwölf Demo-Karten gleichmäßig unter den Spielern verteilt und jeder Spieler erhält fünf Ereigniskarten. Nach der Bestimmung des Startspielers kann es dann auch schon losgehen. Jeder Spielzug läuft gleich ab. Der aktive Spieler kann eine Demo-Karte auslegen und ein Motto vorgeben. Dann kann er noch bis zu zwei Ereigniskarten an eine beliebige ausliegende Demo anlegen und eine seiner gerade stattfindenden Demos beenden, um Punkte dafür einzustreichen. Am Schluss zieht er wieder auf fünf Karten auf.

Entscheidender Faktor bei den Demos ist der Stressfaktor, deswegen wird er nach jedem Legen einer Karte überprüft. Dazu werden die Stresspunkte einer Demo von der Demokarte und den angelegten Besucher-, Event- und Polizeikarten addiert. Solange dieser Wert 15 nicht übersteigt, hat der Veranstalter noch alles im Griff. Ab 16 Stresspunkten schlägt jedoch die Stimmung um und Teile der Besucher fangen an zu randalieren. Dazu werden die betreffenden Besucherkarten gedreht. Damit fällt zwar der Stresslevel, aber nun haben auch nicht sympathisierende angelegte Reporter etwas zu schreiben, was die Siegpunkte vermindert. Berechnet werden die Siegpunkte nach dem Auflösen der Demo. Dazu muss mit den drei Würfeln der Stresswert der Demo übertroffen werden. Die Polizei hilft dabei mit einem Bonus, der je nach Typ größer oder kleiner ausfällt. Misslingt der Wurf, geht die Demo weiter. Gelingt er, wird die Demo abgerechnet. Die Siegpunkte von der Demo- und den Ereigniskarten werden addiert, dazu kommen pro zehntausend friedliche Besucher ein Plus- und pro zehntausend randalierende Besucher ein Minuspunkt. Bonuspunkte erhält man noch über sympathisierende Reporter für friedliche Besucher; Abzüge, wenn Reporter mit einer Antipathie über randalierende Besucher berichten können. Die Karten der Demo werden abgelegt und die Siegpunkte gutgeschrieben.

Ist der Ereigniskartenstapel durchgespielt, kann noch jeder Spieler versuchen, seine Demos zu beenden. Die Spielerin mit den meisten Siegpunkten hat dann gewonnen, was regelmäßig nach ungefähr 30 Minuten Spieldauer der Fall sein sollte.

Insgesamt ein mehr als brauchbares kleines Spiel, nichts für den großen Spieleabend aber für zwischendurch oder wenn einmal nicht soviel Zeit ist. Es ist schnell erklärt und spielt sich nach ein paar Runden wie von selbst. Die Spieltiefe ist, entsprechen der Spielkürze, natürlich nicht ausreichend um "Spielefreaks" zu beeindrucken. Insbesondere angesprochen fühlen sich natürlich ehemalige oder rezente Demonstranten, die sicher die eine oder andere selbst erlebte Demo wiederfinden können. Dazu trägt die ganze Aufmachung bei, auch wenn man sich an die verfremdeten Real-Grafiken erst gewöhnen muss. Sogar auf eine Demo mitnehmen könnte man das Spiel in dem zugehörigen Säckchen, wobei ich für die Wasserfestigkeit der Karten nicht die Hand ins Feuer legen würde. Schön das es noch solche Kleinverlage gibt, die solche Rohdiamanten herausbringen.  

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2008
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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