No Siesta!

Das Würfelspiel

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 16.07.2017
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Gesellschaftsspiel No Siesta - Foto von Blackfire
Lesezeit: ca. 4 Minuten

La Granja war toll und eine echte Herausforderung für Spielekenner und -könner, die es gerne recht anspruchsvoll mögen. Und das Spiel hat noch kein bisschen Rost angesetzt und ist zumindest bei uns weiterhin hoch im Kurs. Es kann daher aufgrund der aktuellen Markttrends und -entwicklungen kaum erstaunen, dass kurze Zeit nach Veröffentlichung des Grundspiels bereits eine Weiterentwicklung an den Start geht, mit der die Elemente und Besonderheiten von La Granja in ein peppiges Würfelspiel umgegossen und neu interpretiert werden. No Siesta steht so in einer immer länger werdenden Reihe von Spielen, die einen großen und bekannten Bruder haben, der beim Ringen um Aufmerksamkeit und Anerkennung entscheidend weiterhelfen soll und meist auch kann.

Worum geht es bei No Siesta?

Wer La Granja bereits kennt, wird sich auch bei No Siesta rasch zurecht finden. Es gibt weiterhin die Bauernhöfe der Spieler, auf denen Trauben, Getreide und Oliven angebaut und Schweine gezüchtet werden. Ist alles in der benötigten Anzahl und Stückelung bereit, können Warenlieferungen über Eselskarren und auf dem Marktplatz des nahen Dörfchens abgewickelt werden. Außerdem spielt die Siestaleiste eine Rolle und es gibt Dachmarker, die spezielle Vorteile verschaffen. Und selbst der Ablauf des Spiels selber ist weitgehend identisch geblieben, auch wenn es eben keine Hofkarten, dafür umso vielfältigere Würfel gibt. Mit diesen wird in ganz wunderbarer Weise alles Nachfolgende festgelegt und gesteuert.

Jeder Spieler erhält ganz zu Beginn ein Wertungsblatt und eine Würfelleiste. Andererseits wird jede Runde neu gewürfelt, worauf sich die Spieler reihum je einen Würfel rausnehmen und dessen Symbol auf ihrer Würfelleiste mit einem Holzscheibchen abdecken dürfen. Am Schluss bleibt ein letzter Würfel übrig, dessen Ergebnis dann für alle Spieler gilt.

Anschließend werden die Würfelwerte in die Wertungsblätter der Spieler übertragen. Dabei wählt jeder selber aus, wo genau er die jeweiligen Symbole abkreuzen möchte, wobei meist völlige Freiheit besteht und nur beim Scheunendach und den Marktkarren eine fixe Reihenfolge einzuhalten ist. Das kann zu einem kleinen Wettrennen unter den Bauernhöfen führen, da diverse Wertungsreihen Belohnungen abwerfen, wenn sie vollständig gefüllt sind. Und diese Vorteile möchte man sich selbstverständlich gerne möglichst frühzeitig sichern, wobei es wieder mal nicht für alles gleichzeitig reicht …

Auf der Siestaleiste gibt es sogar unterwegs schon zusätzliche Spielmarker, was das dortige Voranschreiten attraktiv macht. Und erreicht schlussendlich einer der Spieler den Abschluss der Siestaleiste, endet die Partie. Anschließend werden noch die Punkte aus den Wertungsblättern ermittelt, worauf der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Lohnt sich das Würfelspiel No Siesta - und im Vergleich zu La Granja?

So weit so gut und grundsätzlich auch vertraut läuft es bei No Siesta von Andreas Odendahl (Blackfire). Das Spielgefühl von La Granja stellt sich jedenfalls rasch ein und ist sehr wohl positiv. Allerdings gibt es durchaus auch einige Unzulänglichkeiten, die dabeigeblieben sind, anstatt dass die Chance genutzt wurde, sie bei der Überarbeitung und Weiterentwicklung von La Granja zu beseitigen. So sind gewisse Abbildungen im Spiel und auch in der Anleitung ziemlich klein geraten und teilweise kaum erkenn- und unterscheidbar. Es gab auch gewisse Unklarheiten bei der Handhabung der Würfelergebnisse (diese dürfen offenbar auf der Würfelleiste gestapelt werden und verfallen nicht) und anderen Kleinigkeiten, die aber mit geeigneten Hausregeln alle behoben werden konnte. Außerdem sind mit dem Rausnehmen der Würfel in jedem Zug stets alle aktiv beteiligt, sodass kaum Wartezeiten bis zur nächsten Eigenaktion entstehen.

Unter dem Strich haben wir es so bei No Siesta mit einem Würfelspiel zu tun, das sich wunderbar an La Granja anlehnt und dessen charakteristischen Elemente übernimmt und weiterentwickelt. Wer allerdings La Granja kennt und liebt und genügend Zeit hat für eine "richtige" Partie, wird kaum mit den Einschränkungen des kleinen Bruders Vorlieb nehmen wollen. Allen anderen aber eröffnet No Siesta ein kompaktes und interessantes Einstiegsangebot, das möglicherweise sogar den Weg zum großen Originalspiel ebnen kann. Und schon nur deswegen lohnt sich jede Partie No Siesta, das ist klar.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
1-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2016
Spielkategorisierung
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