Der ganz normale Wahnsinn ...

Ein Erfahrungsbericht über das Sammeln von Spiele-Erweiterungen

ein spielerischer Artikel von Bernhard Zaugg - 13.05.2017
Erweiterungen gibt es sogar im Kalender - Foto von Frosted Games
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Wer kennt das nicht, eine Erweiterung für ein mehr oder weniger bekanntes und beliebtes Spiel wird irgendwo angekündigt und alle rennen los und wollen sie haben. Oder soll ich besser sagen, alle rennen los und müssen sie haben? Das Ganze hat jedenfalls gelegentlich fast zwanghaften Charakter und steht oft ausserhalb jeder vernünftigen Relation. Oder gibt es einen Grund, weshalb wegen ein paar Würfeln oder Spielkarten oder was auch immer allgemein durchgestartet und die sonst übliche Rationalität und Zurückhaltung abgelegt wird? Dabei kann ich nicht einmal behaupten, selber über der Sache zu stehen. Stattdessen reagiere ich nur allzu oft genau gleich und bin so ebenfalls Teil dieses (Massen-?) Phänomens.    8-/

Der Jäger und die Erweiterung

Aber es ist halt wirklich alles viel zu verlockend. Mit einigen wenigen Zusatzkomponenten oder Regelanpassungen kann eine neue Note ins Zusammenspiel der bisherigen Spielelemente und/oder -abläufe integriert werden, es gibt Möglichkeiten und Herausforderungen, die ungeahnte Facetten eröffnen und alles wirkt frisch und neu, wie es das Spiel zuvor oft schon länger nicht mehr getan hatte. Und bei dem allem sind das ja nicht irgendwelche Spiele, sondern ausschließlich solche, die mir wirklich gefallen. Erweiterungen zu Titeln, die ich gar nicht mehr spiele, lassen mich jedenfalls kalt, da bin ich viel zu wenig Sammler. Aber bei tollen Spielen, die mir weiterhin Freude bereiten, bricht urplötzlich und kaum zu stoppen der sprichwörtliche Jäger in mir durch, wenn es etwas zu ergänzen und erneuern gibt.

Und dann gibt es kaum noch Grenzen für richtige Fans oder Sammler oder eben Jäger wie mich. Keine Kosten werden gescheut (was müssen das für tolle Perspektiven für die Spielverlage sein!) und ebenso wenig Mühen, um an die begehrten Erweiterungen zu kommen. Besondere Hektik bricht speziell vor großen und wichtigen Messen aus wie jener in Essen, wenn Leute, die selber nicht anreisen können, verzweifelt Möglichkeiten suchen, um sich ausgewählte oder gleich alle möglichen Erweiterungen von oft nicht einmal persönlich bekannten Messebesuchern mitbringen oder zuschicken zu lassen. Und wieder andere sind durchaus vor Ort und sacken die Erweiterungen gleich haufenweise ein, um sie anschließend via Internet oder auf andere Weise zu Höchstpreisen zu verhökern. Der ganz normale Wahnsinn halt und ein Ende ist kaum in Sicht!

Das Wider der Jagd: nutzloses Sammeln

Dabei könnte ein kritisches Innehalten in einer etwas ruhigeren Minute vielleicht aufzeigen, dass es das alles meist gar nicht braucht. Viele der Erweiterungen machen das Grundspiel oft nur länger oder komplizierter und bieten so kaum einen echten Mehrwert. Ich selber habe jedenfalls verschiedenste Erweiterungen zuhause, die ich praktisch nie einsetze, weil mir das jeweilige Spiel in seiner unveränderten Originalfassung schon supergut gefällt (sonst hätte mich die Erweiterung ja gar nicht interessiert; vgl. oben).

Und so gammeln die meisten der Erweiterungen, die ich zuvor mit viel Aufwand und Mühe zusammengetragen hatte, in den jeweiligen Spielschachteln herum und kommen kaum je zum Zuge. Aber hergeben würde ich sie trotzdem nicht mehr und bei der nächsten Gelegenheit auf die Jagd zu verzichten geht irgendwie auch nicht, da sind die ruhigen Minuten schon zu lange vorbei und längst wieder vergessen …

Kommentare

Dem muss ich etwas peinlich berührt zustimmen. Geschätzte 95 % meiner Mini- oder Kleinsterweiterungen habe ich bisher wahrscheinlich noch nicht ein Mal gespielt. Aber gut, dass ich sie habe. :-/

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