Shadowrun: Krisenzonen

ein spielerischer Artikel von Jörg Deutesfeld - 17.09.2011
Shadowrun: Krisenzonen
Lesezeit: ca. 5 Minuten

In manchen Megaplexen der 6. Welt regiert nur das Gesetz der Natur unter der Prämisse: Fressen oder gefressen werden. Der Quellenband „Krisenzonen“ gibt einen umfangreichen Einblick in zwei dieser mörderischen Plätze: Die urbane Wildnis von Chicago und das dunkle Herz Afrikas - Lagos. Neben den ausführlichen Beschreibungen dieser beiden Orte werden aber auch die gesetzlosen Sprawls von Bogotá, GeMiTo, Genf, Karavan und Sarajevo kurz vorgestellt.

In all diesen Krisenzonen regieren lokale Kriegsherren und Verbrecherbanden, bilden verseuchte Mega-Ghettos und tödliche urbane Wüsten ein Zuhause für den Rand der Gesellschaft - und finden sich unzählbare Möglichkeiten für Runner, Profi t aus toxischen Gefahren, Bandenkriegen und düsteren Geheimnissen zu ziehen. Also – warum zögerst du noch?

Zum Äußeren. Der Quellenband Krisenzonen für das Rollenspiel Shadowrun präsentiert sich mit 128 Seiten in vier Kapiteln als solide gebundenes Hardcover, welches in Sachen Qualität den bereits erschienen Bänden der Reihe in nichts nachsteht. Als nützliche Ergänzung gibt es ein bei dieser Reihe ein fast schon zum Standard gehörendes Lesebändchen.

Das Layout ist durchgehend schwarz-weiß und zweispaltig im Aufbau. Die einzelnen Kapitel sind übersichtlich gegliedert und beginnen jeweils mit einer einseitigen Kurzgeschichte. Problematisch ist weiterhin die Suche nach einzelnen Abschnitten in den Kapiteln, da diese nicht sonderlich deutlich hervorgehoben sind und durch den Seitenumbruch immer wieder auch mitten auf einer Seite beginnen können. Hier hätte sicherlich ein etwas auffälligerer Schrifttyp bei den Überschriften bei den ansonsten ordentlich gegliederten Text Wunder gewirkt. Ergänzt werden die Texte durch den üblichen „Shadowtalk“.

Das Druckbild selbst ist sauber und die zahlreichen Illustrationen fangen die Atmosphäre zum Teil gut ein. Die gelungene Übersetzung von Manuel Krainer  lässt sich flüssig lesen, zumal sich das Lektorat sichtlich bemüht hat Fehler auszumerzen.

Der Inhalt. Der Inhalt des Shadowrun-Quellenbandes Krisenzonen verteilt sich auf insgesamt vier Kapitel, wobei der Schwerpunkt sicherlich in der Darstellung der Städte Chicago und Lagos besteht:

Kapitel 1 – Chicago. Nach dem Ausbruch der Insektengeister, die Downtown Chicago 2055 in Schwärmen überrannt haben und zur Einrichtung der Containment Zone führten, ist Chicago bei vielen Leuten besser bekannt unter dem Namen „Bug City“. Im Chaos der Nachwehen des Crash 2.0 von 2064 überließen die UCAS-Regierung als auch die ansässigen Konzerne die schwer getroffene Stadt praktisch ihrem Schicksal, so dass Chicago heute zwar wieder zugänglich ist, aber man es scheinbar doch nicht geschafft hat alle Insektengeister zu vertreiben, geschweige den die Auswirkungen des Fallout noch deutlich spürbar sind.

Auf rund 50 Seiten bekommt der Leser einen recht guten Eindruck über die unterschiedlichen Zonen und Stadtviertel, die lokalen Machthaber, Gruppierungen und natürlich noch einige andere wissenswerte Hintergrundinformationen, die unter anderem die Paraflora und –fauna eingehender untersuchen. Wer sich nach Chicago begibt, findet im Abschnitt „Anziehungspunkte“ einige problemlos umsetzende Informationen über Treffpunkte, Arbeitsgelegenheiten, Geschäftslokale, Hinweise zur Selbstversorgung und natürlich über die allgegenwärtigen Gefahren, die in Bug City lauern. Zur Orientierung gibt es auch noch zwei brauchbare Karten, auf denen sowohl die Stadt als auch die Umgebung von Chicago dargestellt sind.

Kapitel 2 – Lagos. Während Chicago für manche vielleicht ein alter Bekannter ist, so führt das zweite Kapitel auf rund 50 Seiten den Leser auf den afrikanischen Kontinent. Lagos, eine der größten Städte Afrikas, liegt in einem der zahlreichen Königreiche von Nigeria und unterscheidet sich beträchtlich von Chicago. Hier handelt es sich um einen Sprawl, in dem höchstens noch die Konzerne ihre eigenen Geschäfte im Griff haben – gibt es doch längst keine Zentralregierung mehr, die dem Chaos, der täglichen Anarchie und dem allgegenwärtigen Müll auf den Straßen Herr werden könnte. Ansonsten findet man hier eigentlich alles – egal ob legal oder illegal. Was nachgefragt wird, kann man hier für ausreichend Geld bekommen.

Da der dunkle Kontinent bislang nicht sonderlich viel Erwähnungen in den Publikationen fand, wundert es nicht einiges über die Geologie und Ökologie (die sich vornehmlich auf die Umweltverschmutzung bezieht) als auch das Königreich Nigeria und seine umgebenden Nationen zu erfahren. Die Beschreibung von Lagos kommt dabei allerdings nicht zu kurz und so findet man in diesem Kapitel wichtige Informationen über die einzelnen Stadtteilen, den dort ansässigen Gruppierungen als auch einige hilfreiche Angaben zu Bars, Clubs und dem Überleben als Reisender.

Kapitel 3 – Urbane Wildnis. Dieses Kapitel fällt im Vergleich zu den beiden vorhergehenden recht knapp aus, insbesondere da es sich um Krisenzonen handelt, die ebenfalls das Potential hätten, etliche Seiten zu füllen.

So gibt es hier einige wenige recht überschaubare Informationen zu Bogotá in Kolumbien, der GeMiTo (der Zone Genova-Milano-Torino in der italienischen Konföderation, die als völlig verwilderter und gesetzloser Ballungsraum gilt), Karavan in Zentralasien (wobei es sich hierbei eher um eine Art riesige Nomadenstadt handelt, die beständig unterwegs ist), Sarajevo (ein unabhängiges Territorium auf dem Balkan, zur der die ehemalige bosnische Hauptstadt Sarajevo und die Nachbarstädte Ilidža und Vogošća gehören) oder aber Genf, die Hauptstadt der CSF, die sich seit 2071 immer noch mehr oder weniger unter Belagerung befindet.

Kapitel 4 – Spielinformationen. Gänzlich neues bekommt man bei den recht allgemein gehaltenen Spielinformationen nicht unbedingt geboten, da man sich an einer Hand abzählen kann, wie gefährlich ein Ausflug oder aber auch ein Auftrag in einer „Krisenzone“ sein kann. Dennoch recht nützlich, da hier recht komprimiert einige wesentlichen Aspekte noch einmal beleuchtet werden.

Zum Abschluss gibt noch jeweils zwei Abenteuer für die Schauplätze Chicago und Lagos als auch einige recht brauchbare Anregungen für die Konzeption von eigenen Ideen, die in diesen Orten spielen können.

Fazit. Wem es im Sprawl von Seattle zu langweilig sein sollte und meint, er habe schon alles erlebt und gesehen, der sollte unbedingt einen Blick in den Quellenband Krisenzonen werfen und seinen Spielern etwas Veränderung gönnen. Allerdings bieten hierzu eigentlich nur die Kapitel über und Chicago und Lagos mit ihren Beschreibungen und den Abenteuervorschlägen genügend Platz, da die im dritten Kapitel kurz erwähnten Gebiete höchstens einige interessante, aber nicht unbedingt verwertbare Informationen erhalten.

Wer weder mit Chicago noch mit Lagos als Schauplatz etwas anfangen kann, der sollte sich diesen Quellenband besser nicht zulegen, ist er doch nicht unbedingt universell einsetzbar. Wer allerdings bei einigen bekannten Orten wieder auf dem aktuellen Stand sein möchte, neue benötigt oder aber (wie bereits erwähnt) seinen Spielern eine Abwechslung bieten möchte, der ist hier sicherlich gut bedient.

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