Inka und Markus Brand über Rajas Of The Ganges

Prächtig buntes Karma für die Siegpunktleiste

ein spielerischer Artikel von Michael Weber - 12.09.2017
Brettspiel Rajas Of The Ganges - Foto von HUCH!

Inka und Markus, zur Spielemesse in Essen 2017 erscheint bei HUCH! euer Brettspiel Rajas Of The Ganges. Der Titel legt ein indisches Szenario nahe. Wie seid ihr auf dieses Thema gekommen? Es ist ja nicht das erste Mal, das ihr euch spielerisch dort bewegt.
"Wie schon bei Der Palast von Eschnapur kam die erste Idee zum Thema von unserem Illustrator Dennis Lohausen. Bei uns spielte das Ganze noch in einer fiktiven Welt. Mit unserer Redakteurin Britta Stöckmann hatten wir eine Person im Team, die gleich die Recherche übernommen hat und sehr viel Spannendes und Wissenswertes zum Thema zusammengetragen hat."

Wie bringt ihr dieses bunte Thema auf das Spielbrett. Welche Aufgabe haben die Spieler bei Rajas Of The Ganges?
"Die Spieler schlüpfen in die Rollen von Rajas und Ranis und wollen ihre Ländereien möglichst schnell zu prächtigen und wohlhabenden Provinzen ausbauen. Ruhm und Reichtum sind in diesem Spiel also von besonderer Bedeutung. Auf dem eigenen Provinztableau errichten die Spieler verschiedene Bauwerke, die ihr Ansehen im ganzen Land steigen lässt. Zugleich sorgen sie auch dafür, dass der Handel mit Seide, Tee und Gewürzen vorangetrieben wird - denn das spült Geld in die Kassen.

Durch zahlreiche verschiedene Aktionsmöglichkeiten sammeln die Spieler Ruhmpunkte und Geld. Auf zwei gegenläufigen Siegpunktleisten halten sie ihre „Kontostände“ für Ansehen und Reichtum fest. Der Spieler, dessen Siegpunktmarker beider Leisten - also der Ruhm- und der Geldleiste - sich als erstes treffen, gewinnt das Spiel.

Die Spieler haben die Möglichkeit, mit unterschiedlichsten Strategien das Spiel für sich zu entscheiden. Ein Spieler baut vielleicht viele Gebäude, um über eine Ruhm-Strategie den Sieg einzufahren, ein anderer setzt mehr auf die Märkte und den Verkauf von Waren, was den Siegpunktmarker auf der Geldleiste nach vorne eilen lässt. Wieder ein anderer wählt eine Mischstrategie und macht von allem etwas … Alles ist möglich.

Sämtliche Aktionen in diesem Spiel werden durch Würfel gesteuert. Die Würfel benötigen wir als Rohstoffe zum Bauen, zum Auslösen eines Markttages und vieles mehr. Da die gewürfelten Augenzahlen immer von Bedeutung sind, sollte man - wie im richtigen Leben - stets für gutes Karma sorgen. Denn Karma hilft in diesem Spiel, die Würfelaugen zu beeinflussen."

Details von Rajas Of The Ganges - Foto von HUCH!

Welche Hauptmechanismen nutzt ihr, um euch von anderen Spielen abzusetzen und für Spielspaß zu sorgen?
"Was sicherlich neuartig sein dürfte, sind die gegenläufigen Siegpunktleisten. Sie machen aus einem 'Siegpunktsammelspiel' eine Art Wettrennen um die schnellen Punkte. Denn das Spiel endet, wenn sich die beiden Siegpunktmarker eines Spielers treffen.

Hinzu kommt der Einsatz der Würfel. Das Auslösen der Aktionen wird größtenteils durch die Abgabe von Würfeln bezahlt. Hier spielen Farbe und Wert des Würfels eine entscheidende Rolle. Man sollte also stets Würfel in ausreichender Menge vor sich liegen haben, um möglichst flexibel agieren zu können."

Strategiespiel und Taktik einerseits und Karma und Würfel andererseits. Wie bringt ihr diesen scheinbaren Widerspruch so in Rajas Of The Ganges ein, dass Fans von Strategien und Taktik nicht zu sehr unter dem Karma leiden und Fans von Glücksspielen dennoch die richtige Taktik finden können?
"Tatsächlich ist es das Karma, das in diesem Spiel die Würfel beeinflussen kann. Kümmert man sich um ausreichend Karma, gibt es auch keine schlechten Würfel.

Abgesehen davon sind weder niedrige noch hohe Würfelwerte schlecht. Aufgrund von zahlreichen Strategien und den verschiedensten Aktionsmöglichkeiten kann man mit seinen Würfeln immer etwas anfangen. So viel, dass sie schnell zur Mangelware werden! Also immer schön für ausreichend Würfel sorgen!"

Daraus folgt die Frage: Ein Spiel für alle? Oder gibt es Spieler bzw. Spielertypen, die mit Rajas Of The Ganges mehr Spaß haben werden als anderen?
"Die Geschmäcker sind unterschiedlich und das ist auch gut so. Natürlich kann Rajas of the Ganges nicht jedem gefallen. Aber die vielen, vielen positiven Rückmeldungen aus den Testrunden haben gezeigt, dass es bei den meisten Spielern sehr gut ankommt. Wir hoffen natürlich, dass sich dieser Trend auch nach der Veröffentlichung fortsetzt."

Was ratet ihr Spielern, die Rajas Of The Ganges zum ersten Mal spielen bzw. antesten. Gibt es Dinge, die sie im Auge behalten sollten oder vermeiden sollten?
"Rajas of the Ganges ist ein Wettlauf um Siegpunkte. Das sollte man sich verinnerlichen, bevor man losspielt. Natürlich will man viele Siegpunkte in Form von Ruhm oder Geld ansammeln - aber das Timing spielt hier eine entscheidende Rolle. Ich habe nicht ewig Zeit, um mir eine grandiose Siegpunkt-Maschinerie für richtig fette Punkte aufzubauen. Unter Umständen kommt das erste Auslösen dann viel zu spät, weil ein Mitspieler durch viele kleine Wertungen bereits das Ziel vor Augen hat. Rajas of the Ganges ist kein herkömmliches Siegpunkt-Sammelspiel - es ist tatsächlich eine Art Wettrennen um die Sieg bringenden Punkte."

Spielplanausschnitt von Rajas Of The Ganges - Foto von HUCH!

Die Illustrationen hat Dennis Lohhausen beigesteuert. Dabei hat er sehr "indische" Farben und Grafiken genutzt. Wie wichtig ist euch eine solche Unterstützung des Spielprinzips durch das Artwork. Gibt es dabei vielleicht sogar Grenzen, wenn die Illustrationen zu sehr ablenken oder zu kleinteilig wirken? Und dazu noch: Wie präsentiert ihr eure Prototypen beim Verlag? Sind diese schon mehr oder weniger vollständig von euch illustriert?
"Wir sind von Dennis nun schon einige Male sehr 'verwöhnt' worden. Sein Village-Spielplan ist nach wie vor eines unserer absoluten Highlights. Nicht nur aufgrund der wunderschönen Illustrationen, sondern auch wegen der selbsterklärenden Symbolik, die sich Dennis hat einfallen lassen. Grundsätzlich spielen wir jedes Spiel, das Dennis für uns illustriert, mindestens einmal gemeinsam. Ihm ist es sehr wichtig, nachzuvollziehen, welche Aktionsmöglichkeiten vorhanden sind und wie sie funktionieren, damit er eine bestmögliche und vor allem verständliche Symbolik dazu entwickeln kann. Auch bei Rajas of the Ganges ist ihm dies wieder hervorragend gelungen.

Und abseits der Symbolik unterstützt eine stimmige Illustration das Spiel natürlich auch. Das Auge spielt schließlich immer mit!

Letzteres ist auch Inkas Leitsatz, wenn sie unsere Prototypen erstellt. Die Testspieler wollen schließlich nicht vor einem lieblosen Stück Pappe sitzen … Sie erstellt die Prototypen am PC, 'borgt' sich hier und da ein Clipart und zaubert wirklich hübsche Testexemplare hervor, die wir dann den Verlagen vorstellen. Markus ist sehr froh, dass Inka das so gut beherrscht. Wäre es seine Aufgabe, trägen alle unsere Prototypen den Untertitel 'ein Trauerspiel'. ;-)"

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