Spielgefühl: Scotland Yard Master

Rumgehampel mit dem Smartphone

ein Spiele-Artikel von Frank Riemenschneider - 08.01.2014
Scotland Yard Master - Handyortung von Ravensburger
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Da ist die Familie mal zusammen und kann ihr Lieblingsspiel auf ganz neue Art genießen. Fast jeder hat heutzutage ein Smartphone. Da liegt es doch nahe, Gesellschaftsspiele mit  dem Smartphone zu verbinden. Die Familie ist gespannt und lauscht den Erklärungen zur digitalen Technik. So wie bei Scotland Yard Master von Ravensburger.

Scotland Yard Master - wie spielt es sich?

Was muss ich machen!? Im Prinzip ganz einfach. Mister X gibt seine Züge in das Smartphone ein; und danach sind die Detektive dran. Kurze Irritation gab es, weil der Gedanke aufkam, jeder Detektiv muss seinen Zug eingeben. Ne, ne. Die Detektive machen ihre Züge wie gehabt auf dem Spielbrett und einer tippt auf "fertig", wenn die Züge gemacht worden sind. Mister X gibt geheim seine Züge in das Smartphone ein und sieht, welche Züge er machen kann und welche Fahrkarten er noch hat. Dazu meldet sich die App, wenn er sich zeigen muss. Und er hat jetzt einen Hubschrauber! Allerdings haben die Detektive dafür ein paar coole Möglichkeiten, Mister X das Leben schwer zu machen. Auf dem Spielbrett sind zum Beispiel vier Funktürme eingezeichnet. Wenn man mit der Kamera des Smartphone über diese Türme fährt, fangen sie an, farbig zu pulsieren. Rot, gelb und grün. Grün heißt: Mister X lehnt quasi mit seiner Schulter am Funkturm. In 3-D werden die Sehenswürdigkeiten der Stadt im Bildschirm angezeigt. Bei Befragungen tauchen Fragezeichen auf dem Bildschirm auf, wenn Mister X an so einem Gebäude kurz Rast gemacht hat. Die Analysen helfen den Verfolgern, den Agenten einzukreisen. Beim Abtasten wird angezeigt, wie viel Taxischritte der Agent von einem Funkturm entfernt ist. Welcher Turm das sein soll, müssen die Detektive allerdings schon selber rausgefunden haben. Super! Wenn die Technik ohne Probleme mitspielen würde. Wünschenswert wäre es auch, in der schriftlichen Regel auf die Unterschiede zwischen dem "normalen" Spiel und dem Spiel mit der  App hinzuweisen. Intuitiv wurde zum Bespiel mit der Fahrtentafel (wieso sind keine Helicoptertickets dabei?)  gespielt, obwohl das ja gar nicht vorgesehen ist.

Die Technik bei Scotland Yard Master vermiest das Spielgefühl

Es könnte alles so einfach sein, ist es aber nicht. In der Praxis beginnen die Spieler irgendwann die Technik zu hassen. Die Kamera (egal ob Smartphone oder Tablet) hat Schwierigkeiten, sich auf London einzulassen. Permanent kommt die Meldung: Die App kann das Spielbrett nicht erfassen. Verbunden mit immer dem selben Tipp, wie man es richtig macht. Ständig muss man dadurch mit einem Finger die Meldung entfernen, nur damit sie nach ein paar Sekunden später wieder erscheint. Dabei weiß man doch selber, dass es nicht funktioniert. Die Kameratipps lassen sich leider nur unter Laborbedingungen erfüllen. Heißt: Bei Tageslicht (mit Sonnenrollo vor dem Fenster) funktioniert es noch am besten. Aber immer noch nicht optimal. Der Tipp, von der Spielbrettmitte mit der Kamera nach außen zu fahren, hat noch am besten funktioniert. Abends, mit Deckenbeleuchtung (Verbunden mit Spiegelungen und Schatten auf dem Plan), ist es nur noch ein Stresstest für die Spieler am Tisch. Die grobe Zusammenfassung der Familie: doof! Auf Nachfrage: Smartphones eignen sich besser als Tablets. Aufklappbare Hüllen sollte man vermeiden. Die Hüllen nerven nur noch zusätzlich.

Wenn es besser mit der Kamera geklappt hätte, und der Stresspegel dadurch niedriger gewesen wäre, hätte es auch richtig Spaß gemacht. Genau das ist es: Immer, wenn die Technik tadellos funktionierte, war die Faszination der Verbindung zwischen App und Spiel am größten. Leider sind diese Momente noch viel zu selten.