Andreas Steding über sein Brettspiel Gùgōng

Geschenktes für Spieleexperten

ein Spiele-Artikel von Michael Weber - 30.09.2018
Brettspiel Gùgōng - Foto von Game Brewer
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Andreas, zur Spielemesse in Essen 2018 erscheint dein Gesellschaftsspiel Gùgōng bei Game Brewer. Was bedeutet der Titel?
"Gùgōng  bedeutet soviel wie „ehemaliger Palast“ und auch wenn damit jeder ehemalige Palast gemeint sein kann, ist dies vor allem der ehemalige Kaiserpalast in Beijing: die verbotene Stadt.
Wie sich ja vielleicht herumgesprochen hat, mußten wir den ursprünglichen Namen des Spieles (The Forbidden City) abändern, da ein anderes Spiel mit diesem Namen gleichzeitig erscheint."

Mit welchem Thema verknüpfst du das. Die ersten Ankündigungen zu Gùgōng klangen eher episch. Von Einflussnahme bis zum Bau der Großen Mauer ist offenbar einiges enthalten.
"Die Spieler versuchen, eine Audienz beim Kaiser zu erlangen, dazu müssen sie die Hofbeamten des Kaisers beeinflussen. Jeder Hofbeamte ist für einen anderen Teil der Verwaltung zuständig. China war zu dieser Zeit (1570) im Vergleich zu europäischen Staaten ein sehr bürokratischer und durchorganisierter Staat, fast alle Aspekte des Lebens wurden versucht, zentral zu organisieren und zu kontrollieren. Von daher mag das Spiel episch wirken, doch das Handeln der Spieler beschränkt sich primer darauf, die Hofbeamten zu beeinflussen."

Was genau ist Aufgabe der Spieler und mit welchen Mechanismen setzt du das um?
"Gùgōng dauert vier Runden, in jeder Runde ist jeder Spieler mehrfach am Zug und in jedem Zug muss der Spieler einen Geschenketausch durchführen.
Es war damals üblich bei einem Besuch ein Gastgeschenk mitzubringen und natürlich müßte dieses Geschenk erwidert werden durch ein Gegengeschenk, sozusagen ein Geschenkeaustausch.
Doch natürlich ist der Geschenketausch eine besondere Form der Bestechung, denn wenn ich dem Beamten eine wertvolle Jadestatur zur Begrüßung überreichen  und er mir mit einen einfachen papierener Fächer antwortet, so hat der Beamte natürlich ein sehr viel wertvolleres Geschenk bekomme als ich. Doch niemand kann uns Bestechung nachweisen, sind wir doch ausschließlich dem üblichen Brauch des Geschenketausches gefolgt.  
Dies ist die Grundlage des Spieles, mit jedem Zug müssen die Spieler ein Geschenk mit einem Beamten tauschen, jeder Beamter ist für einen anderen Bereich der Verwaltung tätig, in dem wir aktiv werden wollen, um unser Spielziel zu erreichen. Jeder Spieler startet mit vier Geschenken. Das Geschenk, das wir dem Beamten geben, ist nun die Grundlage für den nächsten Geschenketausch, „verteuert“ also die Aktion für den nächsten Spieler, das Geschenk, das ich bei dem Beamten eingetauscht habe, wird für die nächste Runde abgelegt und ist die Grundlage für die Geschenke, die ich nächste Runde geben kann."

Das klingt alles sehr eng miteinander verbunden. An welche Zielgruppe richtet sich Gùgōng deiner Meinung nach am ehesten? Wer wird mit dem Spiel glücklich, wer eher nicht?
"Gùgōng Ist ein Strategiespiel, das im oberen Kennerbereich bzw. Expertenbereich angesiedelt ist. Freunde des kurzweiligen Glückspieles werden hier kaum auf die Kosten kommen. Man sollte auch nicht völlig ablehnend der Spielerinteraktion gegenüber stehen. Es ist kein Solo-Optimierungsspiel für vier Personen. Wer bei Gùgōng die Mitspieler nicht beobachtet und auf ihre Aktionen reagiert, wird gnadenlos untergehen."

Das Spiel dauert 60 - 90 Minuten. Da wäre es ärgerlich, in der ersten Partie oder beim Anspielen in Essen etwas falsch zu machen. Gibt es Tipps vom Autor, welche Fettnäpfchen Spieler vermeiden sollten oder worauf sie besonders achten sollten?
"Beim ersten Spiel sollten die Spieler darauf achten, dass die Geschenke, die von dem Beamten eingetauscht werden, die Geschenke sind, mit denen sie nächste Runde arbeiten müssen. Wer also in der ersten Runde zu 'großzügig' ist, muss sehr sparsam in der zweiten Runde sein.
Ein anderer Aspekt ist, dass die Diener knapp sind. Gùgōng ist ein Mangelspiel, alles ist zu wenig da. Im ersten Spiel sollte man sich daher nicht zu viel vornehmen und vor allem die Audienz beim Kaiser nicht aus den Augen verlieren."

Der Verlag Game Brewer ist in Deutschland noch nicht so bekannt. Kannst du uns sagen, ob die Spiele hier regulär im Fachhandel oder in Online-Shops zu haben sein werden? Und ist es deines Wissens ratsam, dass Messebesucher ein Exemplar vorbestellen?
"Es kommt darauf an, es gibt Gùgōng in zwei Versionen einer Standard- und eine Deluxe-Ausgabe. Spielerisch sind die beiden Version absolut gleich, die Deluxe-Ausgabe hat nur besseres Material (pimp your game). Die Standard-Ausgabe wird sicherlich auch später beim Dealer deines Vertrauens zu erhalten sein."